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·30. Januar 2026

"Die Frage kann ich nicht beantworten": War es das für Härtel?

Artikelbild:"Die Frage kann ich nicht beantworten": War es das für Härtel?

Drittes Spiel, dritte Niederlage: Die Rückrunde läuft für den FC Erzgebirge Aue bislang miserabel. Selbst eine Führung im Kellerduell beim TSV Havelse reichte nicht zum Sieg, sodass die Fans das Team nach Spielende zur Rede stellten. Für Trainer Jens Härtel könnte es das nun gewesen sein. Auch, wenn Sport-Geschäftsführer vor der Partie "auf keinen Fall" von einem Endspiel für den 56-Jährigen sprechen wollte.

Hitzige Diskussionen im Innenraum

Erst gab es laute Pfiffe, dann flogen Gegenstände wie Bierbecher sowie Schneebälle und schließlich kletterten mehrere Fans über den Zaun in den Innenraum: Als die Spieler des FC Erzgebirge Aue nach Abpfiff zu den mitgereisten Fans gingen, schlug ihnen dort viel Frust und Wut entgegen. Sichtlich aufgebracht stellten die Anhänger das Team zur Rede und mussten teilweise von Ordnern zurückgehalten werden. Sport-Geschäftsführer Michael Tarnat versuchte zu vermitteln und schlichten, was ihm auch gelang. So war der Austausch zwar emotional, aber friedlich.


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Dass die Fans sauer waren, konnte Trainer Jens Härtel "absolut nachvollziehen", wie er bei "MagentaSport" sagte. "Die fahren hierher, und wollen Ergebnisse sehen. Und die haben wir nicht gebracht." Dabei waren die Veilchen über Fabisch kurz vor der Pause zunächst in Führung gegangen (45.+1), gaben die Partie nach Wiederanpfiff mit zwei Gegentoren binnen sechs Minuten aber komplett aus der Hand (74. / 80.) und kassierten mit der letzten Aktion sogar noch das dritte (90.+6).

"Naives" Abwehrverhalten

"Es ist immer dasselbe Lied", zeigte sich Härtel sichtlich resigniert. "Wir spielen eine gute erste Halbzeit, haben in der zweiten Halbzeit richtig gute Möglichkeiten, das zweite Tor zu machen. Wir machen es aber nicht und sind hinten dann inkonsequent." Was Aues Coach meinte: Der TSV musste keinen großen Aufwand betreiben, um den Ball über die Linie zu bringen. "Die wissen selber nicht so richtig, wie sie die Tore gemacht haben. Das waren keine herausgespielten Chancen, sondern die rutschen irgendwie durch."

Doch während Havelse die nötige Kaltschnäuzigkeit für den Abstiegskampf an den Tag legte, "lernen wir aus unseren Fehlern nicht", haderte der 56-Jährige. "Wir killen die Spiele nicht." Schon gegen Rostock und Ulm war das nicht gelungen. "Wir müssen das zweite Tor nachlegen, dann wird es ein ganz anderes Spiel." Torhüter Martin Männel, der wieder den Vorzug gegenüber Luis Lord erhalten hatte, sprach von einem "naiven" Abwehrverhalten. Denn dass Havelse im Strafraum gleich zweimal frei zum Abschluss kommen konnte, "darf in unserer Situation niemals passieren".

Endspiel? "Auf keinen Fall"

Nach der neuerlichen Pleite scheint die Zukunft von Härtel mehr als fraglich. Sport-Geschäftsführer Michael Tarnat hatte unmittelbar vor der Partie zwar betont, dass es sich "auf keinen Fall" um ein Endspiel für den 56-Jährigen handeln würde, doch klar ist: Mit Auftritten wie in der zweiten Halbzeit gegen Ulm und Havelse steigt Aue ab. Auf die Frage, mit was er nun rechne, sagte Härtel: "Das ist eine Frage, die ich nicht beantworten kann." Worauf er dagegen eine Antwort hatte, war die Frage, ob er die Mannschaft noch erreiche und ob er das Ruder noch herumreißen könne: "Das denke ich schon. Man hat gesehen, dass die Mannschaft in der ersten Halbzeit griffig war und sich Chancen rausgespielt hat. Was uns fehlt, ist der letzte Punch. Und das ist das, was man bemängeln muss."

Männel wollte sich zur Zukunft des Trainers ebenfalls nicht äußern: "Er ist nicht meine Aufgabe, das zu entscheiden." Es spiele auch keine Rolle, was er dazu denke. Er habe aber "volles Vertrauen in jeden einzelnen Funktionär im Verein, den Trainer und auch in die Mannschaft, dass jeder alles dafür gibt, um die Klasse zu halten". Letztlich liege es an den Spielern, ihren Job auf dem Platz zu machen und Ergebnisse zu liefern. "Das haben wir heute nicht geschafft." Der Keeper warb dafür, nicht in Aktionismus zu verfallen. "Wir müssen gucken, dass wir alle zusammen, egal wie die Konstellation ist, den Turnaround schaffen. Dafür müssen wir Woche für Woche unsere Leistungen im Training abrufen und dann vor allem in den Spielen. Da wäre es jetzt falsch, irgendjemanden vor das Loch zu schieben."

"… der ist fehl am Platz"

Auch seine eigene Rückkehr stellte Männel klar in den Hintergrund. Es gehe nicht um Personen, sondern um die Mannschaft, den Verein und die Region. "Und dafür brauchen wir Punkte, um die Liga zu halten." Unruhe von außen habe zuletzt viel Interpretation ausgelöst, was weder ihm noch seinen Mitspielern geholfen habe. Für Härtels Entscheidung, in den ersten beiden Spielen des neuen Jahres auf Lord zu setzen, habe er Verständnis gehabt, da es für ihn darum gegangen sei, wieder spielfit zu werden.

"Es geht niemals um den Einzelnen. Es geht um diese Mannschaft, es geht um den Verein und die Region. Wer es noch nicht verstanden hat, was dieser Verein für unsere Region bedeutet, der ist fehl am Platz", machte Männel klar und versicherte: "Bei uns im Team ist das zu 100 Prozent angekommen." Ob Härtel dieses auch auf das nächste Kellerduell gegen den 1. FC Saarbrücken am kommenden Samstag vorbereiten wird – die Saarländer sind am rettenden Ufer derzeit weiterhin einen Zähler entfernt -, dürfte sich spätestens zu Beginn der Woche entscheiden. Falls er gehen muss, würde seine Zeit in Aue genau dort zu Ende gehen, wo sie vor einem Jahr begonnen hatte: Mit einer Auswärtsniederlage im Eilenriedestadion von Hannover.

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