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·7. August 2026
Dirigent und Zweikampfmonster: Das sind die Stärken von FC-Neuzugang Gil Neves

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Erik Stalleicken
7 August, 2026
Berichten zufolge ist der Youngster im offensiven Mittelfeld Zuhause. Ein Blick ins Detail offenbart aber: Neves hat noch viel mehr zu bieten.
Dirigent, Zweikampfmonster, Chancengarant? Was sind die Stärken von Kölns Transferziel Gil Neves?
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Eine Geschichte aus der Kategorie „Fußballmärchen“: Gil Neves, der als Kind die Geißböcke im RheinEnergieStadion bewunderte, könnte bald selbst dort auflaufen. Der talentierte Mittelfeldspieler hat am Freitagmorgen einen langfristigen Vertrag unterschrieben und soll behutsam an den Lizenzspielerbereich herangeführt werden. Der 18-Jährige wechselt für eine mittlere sechsstellige Summe an den Rhein, Benfica soll sich zudem eine hohe Weiterverkaufsbeteiligung gesichert haben. Das Online-Portal „Transfermarkt“ führt den Portugiesen als offensiven Mittelfeldspieler. Entsprechend könnte man zunächst einen Spieler erwarten der Tore vorbereitet und auch regelmäßig selbst den Abschluss sucht und Tore erzielt. Ein genauer Blick auf die Leistungsdaten zeichnet allerdings ein etwas anderes Bild.
Die Zahlen sprechen vielmehr für einen spielgestaltenden Mittelfeldspieler, dessen größte Starke nicht in der Torgefahr, sondern im Verbinden der Mannschaftsteile liegt. Besonders deutlich wird das im Vergleich mit Luca Waldschmidt. Während der Routinier durchschnittlich 2,77 Schüsse und einen xG-Wert von 0,49 erwarteten Toren pro 90 Minuten aufweist, kommt Neves lediglich auf 0,51 Schüsse und 0,03 xG pro 90 Minuten. Für einen offensiven Mittelfeldspieler wären das ungewöhnlich niedrige Werte. Sie lassen darauf schließen, dass der Portugiese seine Rolle etwas tiefer stehend interpretiert und deutlich häufiger als Verbindungsspieler agiert, anstatt selbst den Abschluss zu suchen.
Das zeigt auch der Vergleich mit Isak Johannesson. Beide Spieler übernehmen viele Aufgaben im Spielaufbau und sind in der Lage, aus dem Zentrum heraus das Spiel ihrer Mannschaft zu strukturieren. Mit 5,48 erfolgreichen Pässen ins letzte Drittel sowie 1,41 erfolgreichen Pässen in den Strafraum pro 90 Minuten spielt Johannesson etwas häufiger den entscheidenden Ball. Neves bewegt sich mit 3,35 Pässen ins letzte Drittel und 0,69 Pässen in den Strafraum aber auch auf einem ordentlichen Niveau und deutet gute Ansätze im Kombinationsspiel an.
Etwas überraschend – Und zwar positiv- ist dagegen seine Arbeit gegen den Ball. Mit 8,49 Defensivduellen und 5,32 gewonnen Defensivduellen pro 90 Minuten arbeitet der junge Portugiese deutlich intensiver gegen den Ball als man es zunächst erwarten könnte. Auch 3,73 abgefangene Bälle pro 90 Minuten unterstreichen, dass der gebürtige Luxemburger nicht nur in der Offensive zu finden ist. Zum Vergleich: Johannesson kommt auf 4,42 Defensivduelle, 2,62 gewonnene Defensivduelle und 2,65 abgefangene Bälle pro 90 Minuten. Die Daten sprechen somit auch für einen lauf- und zweikampfstarken Mittelfeldspieler, der sich auch aktiv gegen den Ball einbringt.
Dennoch bringt Neves auch offensive Qualitäten mit. Das zeigen beispielsweise seine 5,32 Offensivduelle pro 90 Minuten von denen er 2,14 gewinnt. Im Vergleich zu Waldschmidt (4,36 Offensivduelle, 1,85 gewonnene Offensivduelle) geht der Youngster sogar etwas häufiger in direkte Duelle. Das bedeutet, dass Neves sich auch in engen Räumen behaupten kann und Verantwortung in Ballbesitz übernimmt. Gleichzeitig sucht er das klassische Eins-gegen-eins mit durchschnittlich 0,99 Dribblings pro 90 Minuten vergleichsweise selten. Wer den jungen Mittelfeldspieler spielen sieht, weiß aber sofort, dass ihm diese Fähigkeit keineswegs fehlt. Der Junioren-Nationalspieler verfügt über eine enge Ballführung, kann Gegenspieler mit schnellen Richtungswechseln überwinden und löst auch unter Druck viele Situationen technisch sauber. Seine niedrigen Dribblingwerte scheinen also vielmehr ein Ausdruck seiner Spielweise als mangelnder Qualität zu sein.
Insgesamt müssen diese Zahlen natürlich mit etwas Vorsicht genossen werden. Während Johannesson und Waldschmidt in der vergangenen Saison Bundesliga spielten, stammen die Werte von Neves aus der portugiesischen Jugendliga sowie der UEFA Youth League. Dennoch zeichnen die Daten das Bild eines Spielers, dessen Rolle auf den ersten Blick leicht missverstanden werden könnte. Obwohl Gil Neves als offensiver Mittelfeld geführt wird, zeichnet er sich nicht durch Scorer aus. Stattdessen sprechen viele Kennzahlen für einen spielgestaltenden Mittelfeldspieler, der Angriffe vorbereitet, die Reihen verbindet und gleichzeitig intensiv gegen den Ball arbeitet. Sollte der Wechsel tatsächlich finalisiert werden, würde der FC damit wohl keinen klassischen Zehner verpflichten. Dafür einen vielseitigen Mittelfeldspieler, der im Zentrum unterschiedliche Aufgaben übernehmen kann. Daher wird es spannend zu verfolgen auf welcher Position die Verantwortlichen Neves sehen und welche Rolle er perspektivisch einnehmen kann.
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