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·5. März 2026

Fragen und Antworten zum Böller-Skandal beim Spiel in Essen

Artikelbild:Fragen und Antworten zum Böller-Skandal beim Spiel in Essen

Für 45 Minuten musste das Duell zwischen Rot-Weiss Essen und Waldhof Mannheim am Mittwochabend unterbrochen werden, nachdem RWE-Keeper Felix Wienand von einem im Gästeblock gezündeten Böller verletzt worden war. Wie geht es dem 23-Jährigen? Warum wurde die Partie nicht abgebrochen? Wie bewerten beide Klubs die Geschehnisse? Und könnte Einspruch eingelegt werden? liga3-online.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

Warum die Partie nicht abgebrochen wurde

Die wichtigste Frage zuerst: Wie geht es Felix Wienand? 


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Wie Trainer Uwe Koschinat am Abend nach der Partie gegenüber "MagentaSport" berichtete, gehe es dem 23-Jährigen "nicht gut", nachdem er im Anschluss an die Detonation des Böllers "orientierungslos" gewesen sei. Noch während der Spielunterbrechung wurde der Keeper in ein Krankenhaus gebracht. Laut RWE wurden bei einer ersten Untersuchung ein Knalltrauma sowie eine "akute Belastungsreaktion" festgestellt.

Warum wurde die Partie nicht abgebrochen?

Zum einen dürfte es eine Rolle gespielt haben, dass beide Teams die Partie sportlich zu Ende bringen wollten. Koschinat zufolge habe Klaus Gjasula während der Unterbrechung in der Kabine gesagt: "Wir sind so geil im Spiel, wir haben die so an den Eiern, lass uns weiterspielen, wir gewinnen auch so." Die Mannschaft habe es sportlich lösen wollen, um die letzten beiden Niederlagen zu revidieren. "Das hat bei der Truppe echt im Vordergrund gestanden, und darauf kann man stolz sein."

Zum anderen wurde die Sicherheitslage im und außerhalb des Stadions als ungefährlich eingestuft. Auch Fragen wie: Was passiert außerhalb des Stadions, wenn die Partie abgebrochen wird, dürften diskutiert worden sein. Letztlich hat Schiedsrichter Lennart Kernchen in Rücksprache mit der Polizei und dem Sicherheitsbeauftragten die Entscheidung getroffen, dass weitergespielt wird.

"Der Schiedsrichter wollte dieses Spiel unbedingt sportlich zu Ende bringen. Das hat er klar kommuniziert. Er ließ sich auch nicht durch Argumente von seiner Meinung abbringen. Diese Entscheidung haben wir akzeptiert", berichtet RWE-Veranstaltungsleiter Damian Jamro in der "WAZ". Dabei hielt sich der Unparteiische zudem an den Drei-Stufen-Plan des DFB. Die ersten beiden Stufen waren mit der Unterbrechung und dem Gang in die Kabine erreicht, während die dritte Stufe (Spielabbruch) erst zur Anwendung gekommen wäre, wenn es nach Wiederanpfiff einen weiteren Vorfall gegeben hätte.

Was sagt der DFB zur Situation rund um die Unterbrechung und die anschließende Fortsetzung?

"Schiedsrichter Lennart Kernchen hat nach dem Vorfall richtigerweise beide Teams zunächst einmal in die Kabinen geschickt, um dem Ordnungspersonal die Gelegenheit zu geben, die Situation im Stadion zu beruhigen", teilte Schiedsrichter-Sprecher Alexander Feuerherdt auf Anfrage von liga3-online.de mit. "Anschließend hat er sich auch mit der Polizei und dem Sicherheitsbeauftragten kurzgeschlossen, um deren Einschätzung zur Lage in Erfahrung zu bringen." Auch dieses Vorgehen sei "richtig und notwendig" gewesen. Zudem habe er in der Spielunterbrechung die Kommunikation mit den Mannschaften respektive Klubs gesucht, darunter mit beiden Cheftrainern, mit dem RWE-Vorstandsvorsitzenden Marc-Nicolai Pfeifer und mit dem Direktor Sport des SV Waldhof Mannheim, Mathias Schober.

Zwei Fragen seien für den Schiedsrichter in einer solchen Situation handlungsleitend: "1. Ist die ordnungsgemäße Durch- beziehungsweise Weiterführung des Spiels möglich? 2. Ist die Sicherheit der Beteiligten gewährleistet? Lennart Kernchen hat beide Fragen auf der Grundlage des Regelwerks und der ihm vorliegenden Informationen bejaht und die Partie deshalb zu Ende geführt." Aus Sicht des DFB seien die Entscheidungen rund um den Vorfall "korrekt" gewesen.

Wie reagierte RWE auf die Entscheidung des Schiedsrichters?

RWE-Vorstand Alexander Rang zeigte sich im "MagentaSport"-Interview "durchaus überrascht", dass weitergespielt wurde. "Schließlich war der Spieler aus unserer Sicht schon sehr schwer verletzt, sodass wir eigentlich nicht die Erwartung hatten, dass weitergespielt wird."

Könnte RWE Einspruch gegen die Partie einlegen?

Das scheint eine Option, die diskutiert wird. "Wir müssen uns zunächst intern beraten, wie wir damit umgehen. Wir haben eine Einspruchsfrist und hätten vermutlich die Möglichkeit, aus einem 1:0 ein 2:0 zu machen. Das ist ein Thema, das wir am Tag nach dem Spiel klären und dann gemeinsam entscheiden werden", so Jamro.

Waldhof-Sportchef wundert sich über "brutale Reaktion"

Wie fielen die Reaktionen der Waldhof-Verantwortlichen aus?

Sowohl Sportdirektor Mathias Schober als auch Trainer Luc Holtz drückten ihr Bedauern über den Böller-Skandal aus: "Ich bedauere den Vorfall zutiefst. So etwas darf einfach nicht passieren", sagte Holtz. Sport-Geschäftsführer Gerhard Zuber betonte gegenüber der "Rhein-Neckar-Zeitung" indes, dass nicht nur Mannheimer Fans Pyrotechnik gezündet hätten. Zudem merkte er an, es könne auch sein, dass Wienand schon in der ersten Halbzeit "von eigenen Fans ein paar Donner abgekriegt hat". Denn auch RWE-Fans hatten zwei Böller gezündet.

Die Explosion im Mannheimer Block sei nach seiner Recherche "recht weit oben" gewesen. Der Österreicher verwies darauf, dass einige Mannheimer Anhänger näher an der Detonation gestanden hätten als der Torhüter. Diese hätten den Knall zwar als laut empfunden, "aber die hatten keine Probleme mit dem Gehörgang". Deshalb habe ihn gewundert, "dass es so eine große Schallwelle war" und dass darauf "eine so brutale Reaktion kam und das ganze Spiel nur auf diese eine Situation reduziert wird". Zwar räumte Zuber ein: "Wir haben einen Böller geworfen", gleichzeitig hätten die Essener Fans "gefühlt 200" gezündet und "hinten raus haben sie noch chinesisches neues Jahr gefeiert".

Grundsätzlich könne er verstehen, dass eine Explosion gefährlich sei, "wenn ein Böller direkt neben dir los geht". In diesem Fall sei das aber nicht so gewesen: "Es ist Blödsinn, dass der Böller direkt neben ihm losgegangen sein soll." Zudem habe man gemerkt, "dass die Nerven auf Essener Seite extrem blank liegen". Mannheim müsse solche Situationen seiner Meinung nach häufig ausbaden, denn "es heißt immer die bösen Mannheimer". Zuber betonte er: "Wir haben tolle Fans". Wienand wünscht er "gute Genesung" und macht bezüglich des gezündeten Böller klar: "So etwas sollte nicht vorkommen." Schober kündigte indes eine Aufarbeitung des Vorfalls an.

Was droht dem Waldhof nun?

Die Buwe müssen mit einer empfindlichen Geldstrafe des DFB rechnen – vor allem aufgrund der Tatsache, dass die Partie für 45 Minuten unterbrochen war. Hinzukommt, dass der Waldhof nach elf Sportgerichts-Urteilen allein in der Saison 2024/25 vom DFB als Wiederholungstäter eingestuft wurde. Bereits im vergangenen Herbst hatte der Verband die Mannheimer dazu angehalten, "endlich zu veranlassen, alle zur Verfügung stehenden Mittel einzusetzen, um Zuschauerausschreitungen in Zukunft zu verhindern". In der laufenden Saison musste der SVW bislang 103.400 Euro an den DFB zahlen und belegt damit den zweiten Platz der Strafentabelle. Aber auch RWE wird aufgrund der Böller im eigenen Block sowie der gezündeten Pyrotechnik zur Kasse gebeten werden.

Täter wurde festgenommen

Konnte der Täter identifiziert werden?

Unmittelbar nach der Tat war der Fan zunächst aus dem Block geflüchtet, konnte aber ausfindig gemacht werden. Offenbar halfen Waldhof-Fans dabei. Wie die Polizei Essen gegenüber dem "SWR "mitteilte, handelt es sich dabei um einen 50-jährigen aus Ludwigshafen am Rhein. Durch eine Videobeobachtung hätten Einsatzkräfte den Mann unmittelbar nach der Tat identifiziert, ihn anschließend – wohl auch durch die Mithilfe der Waldhof-Fans – außerhalb des Stadions gefunden und auf eine Polizeiwache gebracht.

Gegen ihn nun wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz ermittelt. Festgenommen wurde der 50-Jährige aber nicht, da keine Flucht-, Verdunklungs oder Wiederholungsgefahr vorliege. Denkbar zudem, dass der Waldhof den Fans in Bezug auf die zu erwartende Geldstrafe des DFB in Regress nehmen wird. Außerdem muss er mit einem Stadionverbot rechnen.

Zum Vergleich: Der Zuschauer, der 2022 beim Spiel zwischen Essen und Münster einen Böller auf das Spielfeld geworfen und dadurch zwei Preußen-Spieler verletzt hatte, war wegen des "Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung“ zunächst zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten ohne Bewährung verurteilt worden. Allerdings ist das Urteil aufgehoben worden. Der Fall wird neu verhandelt.

Wie wäre die Partie bei einem Abbruch gewertet worden?

Da der Böller im Waldhof-Block gezündet wurde, hätte das DFB-Sportgericht die Partie am grünen Tisch sehr wahrscheinlich mit 2:0 für Rot-Weiss Essen gewertet.

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