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·21. September 2026

Grüll ist gerade der heißeste Bremer, den vor der Saison kaum jemand auf dem Zettel hatte

Artikelbild:Grüll ist gerade der heißeste Bremer, den vor der Saison kaum jemand auf dem Zettel hatte

Vor ein paar Monaten war Marco Grüll bei Werder eher die Antwort auf eine Quizfrage: Wer war eigentlich der Mann, der die WM als Nachrücker verpasst hat, obwohl plötzlich ein Platz im österreichischen Kader frei wurde? Jetzt steht der 28-Jährige gemeinsam mit Bayerns Michael Olise ganz oben in der Bundesliga-Scorerliste. Fußball kann schon eine seltsame Sportart sein.

Vom Ergänzungsspieler zum Topscorer der Liga

Zwei Tore und vier Vorlagen nach vier Spieltagen – mehr Scorerpunkte hat aktuell niemand in der Bundesliga vorzuweisen, der ebenfalls auf sechs Torbeteiligungen kommt. Grüll hat sich damit innerhalb weniger Wochen vom Ergänzungsspieler zum offensiven Fixpunkt bei Werder entwickelt.


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Beim 3:2 gegen Augsburg drehte Grüll praktisch im Alleingang das Spiel. Nach dem 0:2 erzielte er selbst den Anschlusstreffer und bereitete anschließend sowohl den Ausgleich als auch den späten Siegtreffer von Mitchell Weiser vor. Trainer Daniel Thioune fand danach klare Worte und bezeichnete Grüll verdientermaßen als Spieler des Spiels.

Schon beim 3:1 gegen RB Leipzig hatte Grüll direkt an zwei Treffern mitgewirkt. Seine Entwicklung kam damit nicht aus dem Nichts, sie hat sich aber innerhalb kürzester Zeit massiv beschleunigt. Nach dem Saisonstart war seine Rolle im Bremer Angriff längst nicht so selbstverständlich wie heute.

Die verpasste WM und die Retourkutsche

Und genau das macht die Geschichte so schön bitter. Im Sommer hätte Grüll beinahe doch noch überraschend zur Weltmeisterschaft fahren dürfen. Nachdem sich Christoph Baumgartner kurz vor dem Turnier verletzte, wurde ein Platz im österreichischen Kader frei. Grüll stand auf der Abrufliste und galt als einer der möglichen Nachrücker. Doch Teamchef Ralf Rangnick entschied sich zunächst gegen eine Nachnominierung. Österreich reiste schließlich mit 25 statt 26 Spielern zur WM.

Für Grüll war das entsprechend bitter. Werders Leiter Profifußball Peter Niemeyer stellte sich damals demonstrativ hinter den Angreifer und verwies auf dessen Vielseitigkeit und Bedeutung für die Mannschaft. Eine Nachnominierung blieb trotzdem aus.

Und jetzt, wenige Monate später, ist Grüll zurück im ÖFB-Team. Rangnick nominierte den Bremer für die kommenden vier Nations-League-Spiele gegen Israel, Kosovo, Irland und erneut Kosovo. Sein bislang letztes Länderspiel hatte Grüll im November 2025 bestritten.

Die Sommer-Enttäuschung ist damit plötzlich ziemlich weit weg.

Warum das kein Strohfeuer sein muss

Klar, vier Spieltage sind vier Spieltage, das weiß auch Grüll selbst am besten. Trotzdem spricht einiges dafür, dass hier gerade mehr passiert als nur eine kurze Serie.

Beim 3:2 gegen Augsburg war Grüll einer der entscheidenden Spieler des Bremer Comebacks. Dazu bringt er eine enorme Dynamik mit. Bereits in der vergangenen Saison wurde bei ihm eine Topspeed von 34,4 Stundenkilometern gemessen.

Und wer sich seine Zeit bei Rapid Wien anschaut, erkennt schnell, dass die Qualität nie das eigentliche Problem war. Grüll wechselte 2024 als österreichischer Topscorer von Rapid nach Bremen und brachte bereits aus seiner Heimat reichlich Torbeteiligungen und Tempo mit.

Vielleicht geht es also weniger darum, dass Grüll plötzlich ein komplett anderer Spieler geworden ist. Vielmehr scheint Werder gerade eine Rolle gefunden zu haben, in der seine Stärken besonders gut zur Geltung kommen.

Kann er das Niveau halten?

Von der Bank über die verpasste WM bis zur Rückkehr ins Nationalteam und an die Spitze der Bundesliga-Scorerliste – so eine Wendung schreibt eigentlich nur der Fußball selbst.

Ob Grüll das Niveau über die Länderspielpause hinaus hält, wird sich zeigen. Aber allein die Tatsache, dass der Österreicher nach gerade einmal vier Spieltagen zu den prägenden Offensivspielern der Bundesliga gehört, sagt schon einiges über seine letzten Wochen aus.

Und vielleicht ist Marco Grüll bei Werder inzwischen eben nicht mehr die Antwort auf eine Quizfrage, sondern selbst die Frage, auf die gerade niemand so richtig eine Antwort hat: Wie lange kann das noch so weitergehen?

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