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·29. September 2026
Ist die DFB-Elf nur noch Mittelmaß? Was Schweinsteiger, Reif, Kimmich und Klopp sagen

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·29. September 2026

Ein Satz aus der ARD-Analyse hat eine Debatte ausgelöst, die die deutsche Nationalmannschaft so schnell nicht loswird. Nach dem 0:1 gegen Griechenland in Augsburg stellte Bastian Schweinsteiger fest, Deutschland sei „im Mittelmaß angekommen“. Seitdem streiten Experten, Spieler und der Bundestrainer darüber, ob das ein harter, aber gerechter Befund ist oder nur die Reaktion auf einen schlechten Abend. Wer hat recht?

Houston, Texas, USA, 14. Juni 2026: Bastian Schweinsteiger ist vor dem WM-Spiel der Gruppe E zwischen Deutschland und Curaçao im Houston Stadium als TV-Experte und Kommentator im Einsatz. (Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images)
Die Diskussion trifft Jürgen Klopp zur Unzeit. Nach dem 1:1 in Amsterdam und der ersten Niederlage seiner Amtszeit steht am Donnerstag schon das nächste Spiel an. Wir haben die wichtigsten Stimmen gesammelt, eingeordnet und mit den Zahlen der vergangenen Jahre abgeglichen.
Vor 10,97 Millionen Zuschauern im Ersten nahm der Weltmeister von 2014 kein Blatt vor den Mund. Für ihn war die Niederlage gegen Griechenland kein Ausrutscher, sondern ein Symptom: „Es fehlen Unterschiedsspieler. Wir sind keine Top-Mannschaft mehr. Wir sind im Mittelmaß angekommen!“ In der Weltrangliste der FIFA steht Deutschland aktuell auf Platz 13.

ARD-Experte Bastian Schweinsteiger und Moderatorin Esther Sedlaczek beim Interview mit dem damaligen Bundestrainer Julian Nagelsmann im März 2026 in Stuttgart. (Foto: AFP)
Noch grundsätzlicher wurde Marcel Reif in der BILD-Sendung „Reif ist live“. Er sieht das Problem nicht beim Trainer, sondern im Spielerpool: „Wir haben das Reservoir nicht, das wird auch Jürgen Klopp nicht durch Handauflegen und blendende Rhetorik herbeizaubern. Die Spieler fallen nicht vom Himmel.“ Selbst eine Mannschaft mit Kimmich, Jamal Musiala, Havertz und Florian Wirtz in Bestform hält er gegen die Spitze für zu dünn: „Du wirst mehr brauchen als die Summe der Einzelspieler.“ Sein Fazit: „Nüchtern betrachtet haben wir eine Generation, die in der Breite nicht gut genug ist, um Mannschaften mit einer Breite wie Spanien oder Frankreich aus den Angeln zu heben.“
Stefan Effenberg schrieb in seiner Kolumne bei t-online: „Deutschland ist keine Spitzennation mehr, sondern nur noch Mitläufer im Weltfußball.“ Den Mittelmaß-Stempel hält er für verdient, und er warnt den Bundestrainer: „Er muss jetzt aufpassen: Sollte in den nächsten Spielen weiter keine Besserung eintreten, wird sich der Ton auch ihm gegenüber schnell verschärfen.“ Lothar Matthäus vermisst bei Sky „Spieler, die auf allerhöchstem Niveau den Unterschied ausmachen“, mehr dazu in unserem Artikel zur Matthäus-Kritik nach der Griechenland-Pleite.

Kapitän Joshua Kimmich beim 0:1 gegen Griechenland am 27. September 2026 in der WWK Arena in Augsburg. (Foto: Alexander Hassenstein / Getty Images)
Bemerkenswert ist, dass der Kapitän Schweinsteiger nicht widerspricht, zumindest nicht ganz. „Ja, muss man so sagen. Eine Top-Mannschaft zeichnet sich dadurch aus, dass sie vermeintlich schwächere Gegner schlägt und auch die vermeintlichen Top-Teams schlägt“, sagte Joshua Kimmich. „Wir haben die Niederlande nicht geschlagen und haben heute verloren. Dementsprechend ist die Momentaufnahme natürlich so, dass wir kein Top-Team sind.“ Er erinnerte an das frühe WM-Aus im Sechzehntelfinale gegen Paraguay, betonte aber auch: „Wichtig ist, dass wir uns wieder da hinentwickeln.“
Den Umbruch sieht Kimmich als Teil der Erklärung. Mit dem zweigeteilten XXL-Kader, vielen Neulingen und den verletzten Stars Musiala und Havertz stand in Augsburg ohnehin keine eingespielte Bestbesetzung auf dem Platz. „Natürlich ist es schon offensichtlich, dass wir ein paar Dinge ausprobieren, dass wir zueinander finden müssen, dass es ein neuer Ansatz ist. Wir werden auch besser werden.“ Für die kommenden beiden Spiele ist der Kapitän selbst nicht mehr dabei, mehr dazu in unseren Hintergründe zu Kimmichs Abreise.
Der Bundestrainer wehrt sich gegen die pauschale Einordnung. „Also es gibt für mich keinen Grund, in Depressionen zu verfallen: Gott, wir sind ja doch so schlecht. Aber wir sind jetzt nicht schon wieder so gut, wie wir gerne wären“, sagte Klopp. An anderer Stelle formulierte er es so: „Wir tun die richtigen Dinge, haben aber ein kleines Zeitproblem.“ Klopp setzt auf intensiveres Gegenpressing und zielstrebigere Außen in einem 4-3-3 und will mit seinem zweiten Kader mit 25 Spielern möglichst viele Spieler kennenlernen.
Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass die Kritik nicht aus einem einzigen Spiel entsteht. Seit dem Sieg beim Confed-Cup 2017 wartet Deutschland auf einen Titel, bei Turnieren folgte eine Enttäuschung auf die nächste. Diese Punkte sprechen für die Kritiker:
Für Klopp spricht dagegen, dass er erst zwei Pflichtspiele im Amt ist und bewusst mit einem Experimentierkader arbeitet. In den Trainingseinheiten von Herzogenaurach sorgen gerade junge Spieler wie Lennart Karl, Nick Woltemade und Jonas Urbig für Aufsehen. Ob daraus eine neue Spitzenmannschaft wächst, lässt sich nach zwei Spielen seriös nicht beurteilen. Wer tiefer in die Statistik einsteigen will, findet sie in unserer Analyse DFB-Elf im Mittelmaß? Diese Zahlen sprechen eine deutliche Sprache.
Die schnellste Antwort auf die Debatte kann nur die Mannschaft selbst geben. Am Donnerstag, 1. Oktober, empfängt Deutschland um 20.45 Uhr in München Serbien, Das ZDF überträgt live. Drei Tage später folgt das Rückspiel in Thessaloniki gegen Griechenland. Nach zwei Spieltagen hat Deutschland in der Gruppe A2 nur einen Punkt, Griechenland führt mit sechs Zählern vor den Niederlanden mit vier. Ein Sieg gegen Deutschland gegen Serbien ist deshalb Pflicht, sonst wird aus der Momentaufnahme schnell ein Trend.
ARD-Experte Bastian Schweinsteiger. Nach dem 0:1 gegen Griechenland am 27. September 2026 sagte er: „Wir sind im Mittelmaß angekommen!“
Der Bundestrainer sieht „keinen Grund, in Depressionen zu verfallen“, räumt aber ein, dass die Mannschaft noch nicht so gut ist, wie sie gerne wäre. Er spricht von einem „kleinen Zeitproblem“.
Teilweise. Kimmich sagt, die Momentaufnahme zeige kein Top-Team, wichtig sei aber, sich wieder dorthin zu entwickeln.
Auf Platz 13.
Am Donnerstag, 1. Oktober 2026, um 20.45 Uhr in München gegen Serbien, live im ZDF. Am Sonntag, 4. Oktober, folgt das Auswärtsspiel in Griechenland um 20.45 Uhr, live bei RTL.







































