VfL Osnabrück
·1. März 2026
Joker, Jubiläum, Tabellenführung: Ein besonderer Nachmittag im Erzgebirge

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·1. März 2026

Mit dem gestrigen 3:1-Auswärtserfolg beim FC Erzgebirge Aue blieb der VfL Osnabrück auch im zweiten Monat des Jahres ungeschlagen und steht damit nun auf einem direkten Aufstiegsplatz. Im Erzgebirgsstadion bewies Cheftrainer Timo Schultz im dritten Spiel in Folge sein goldenes Händchen und wechselte erneut einen Torschützen ein.
„Spitzenreiter, Spitzenreiter!“ schalte es gestern aus dem Auswärtsblock im Erzgebirge. Denn mit dem Sieg gegen die „Veilchen“ sprang der VfL erstmals in dieser Saison an die Tabellenspitze der 3. Liga. Auch wenn dies noch durch den MSV Duisburg, die am heutigen Sonntag den TSV Havelse empfangen, noch rückgängig gemacht werden kann, ist die Freude bei den Lila-Weißen groß. Schließlich grüßte man zuletzt im Mai 2019 vom ersten Platz der 3. Liga. Damals feierte man als Meister den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Ein solches Saisonende würde sich die Mannschaft von Cheftrainer Timo Schultz in diesem Jahr sicherlich auch wünschen.
Auf dem Weg zum großen Ziel stand gestern jedoch erstmal das Auswärtsspiel beim FC Erzgebirge Aue an. Gegen die abstiegsgefährdeten Gastgeber traten die Osnabrücker von Beginn an spielbestimmend auf und gingen erneut durch Ismail Badjie in Führung. Das VfL-Eigengewächs blieb beim scheinbar ungefährlichen langen Ball von Frederik Christensen aufmerksam und profitierte somit vom Missverständnis der Auer Hintermannschaft. Im Generationsduell mit Keeper Martin Männel blieb der 20-Jährige eiskalt und schob den Ball, wie bereits am vergangenen Wochenende gegen Rot-Weiss Essen, sicher zu seinem sechsten Saisontor ins Gehäuse ein.
Einer der ersten Gratulanten beim anschließenden Torjubel war sein langjähriger Teamkollege Kevin Wiethaup, mit dem Badjie schon seit frühester Jugend sämtliche Mannschaften des Nachwuchsleistungszentrums des VfL durchlaufen hatte. Zusammen standen die beiden am Samstagnachmittag bei den Profis zum ersten Mal gemeinsam in der Startelf. Während Badjie mit seinem wichtigen Treffer zum 1:0 überzeugen konnte, fungierte Wiethaup im Mittelfeld als Spielmacher und riss immer wieder das Spielgeschehen an sich. Seine auffällige Spielweise spiegelt sich auch in den Statistiken wider. So weist der 20-Jährige sowohl die meisten Ballaktionen (56) als auch Zweikämpfe (17) auf und brachte 81,1 Prozent seiner Zuspiele an den Mitspieler. Mit einer Distanz von 11,3 km legte er zudem auch die meisten Meter beim VfL zurück.
Ebenfalls Topwerte legte abermals Robin Fabinski in der Osnabrücker Defensivreihe an den Tag. Der 22-Jährige führte die zweitmeisten Zweikämpfe beim VfL (15) und entschied 80 Prozent von diesen für sich. Damit weist er die beste Quote aller VfL-Startelfspieler auf. Für Aufsehen sorgte Fabinski auch in der 67. Minute, als er einen Steckpass von Marvin Stefaniak artistisch in der Luft mit der Hacke abfing. Allgemein zeigte sich der VfL gegen die „Veilchen“ besonders stark in den Luftzweikämpfen. 61,9 Prozent der Duelle entschied man für sich und bildet damit den bisher besten Wert aller Drittligateams am 26. Spieltag.
Kurz vor Fabinskis Flugeinlage brachte Timo Schultz in der 63. Minute Tony Lesueur in die Partie und bewies dabei zum wiederholten Male ein goldenes Händchen. Denn nur zehn Minuten später verwertete der eigentliche Linksfuß eine Flanke von Lars Kehl mit rechts im kurzen Eck und durfte somit nicht nur die erneute Osnabrücker Führung, sondern auch sein zweites Saisontor feiern. Damit wechselte Timo Schultz nach Bernd Riesselmann in Rostock und Kai Pröger gegen Essen zum dritten Mal in Folge einen späteren Torschützen ein. Einen Lauf kann auch Vorlagengeber Lars Kehl vorweisen. So legte er im dritten Auswärtsspiel in Folge einen Treffer seiner Mannschaft auf. Allgemein ist es für den 23-Jährigen mit nun vier Toren und zehn Vorlagen schon jetzt die persönlich beste Saison seiner Karriere. Im nächsten Spiel muss der Offensivakteuer jedoch gezwungenermaßen, aufgrund seiner fünften gelben Karte, die er in der 8. Minute nach einem Zusammenprall mit Eric Uhlmann sah, zuschauen. „Kehler ist für uns ein extrem wichtiger Spieler, nicht nur aufgrund seiner Standards. Auch die Art und Weise wie er bei uns das Gegenpressing auslöst und wie er auch die Mannschaft anzündet in der Kabine. Vielleicht muss er [Dienstag] trotzdem kommen.“, fand sein Coach Timo Schultz lobende Worte für den Offensivakteur.
Seinen Job als Assistgeber übernahm drei Minuten später aber Tony Lesueur. Dabei schnappte sich der Franzose das Spielgerät auf der Außenbahn und hatte dann das Auge für Robin Meißner. Der Toptorschütze des VfL ließ sich diese Gelegenheit natürlich nicht nehmen, zog ins lange Eck ab und feierte vor den 600 mitgereisten Osnabrücker Anhängern seinen neunten Saisontreffer. Mit nun 15 erzielten Toren weist der VfL die zweitbeste Offensive der Rückrunde auf. Diese neugewonnene Offensivstärke hob auch der Torschütze zum 3:1 im Interview bei Magenta Sport hervor und lobte gleichzeitig seinen Vorlagengeber: „Ich glaube, Jannik [Müller] hat es letzte Woche schon gesagt: Wir sind kaltschnäuziger geworden. […] 3:1 hier zu gewinnen, ist, glaube ich, auch nicht so einfach. Wir wussten, was auf uns zukommt. Bei den Toren ist natürlich auch ein bisschen Glück dabei. […] Für mich ist es dann ein bisschen einfacher, als für Tony, den Ball so quer zu spielen.“
Die Leistung von Tony Lesueur steht für den 26-Jährigen dabei sinnbildlich für die gesamte Saison, wie er weiter fortführte: „Allein schon das Tor, wie er das macht. Das ist das, was uns stark macht. Dass wir eine Mannschaft sind und jeder weiß, was er zu tun hat. Keiner ist angepisst, wenn er nicht spielt. Ich glaube, das ist mit Tony heute das beste Beispiel. Kommt rein, macht das Tor, macht die Vorlage. Das freut mich extrem für den Jungen, der arbeitet jeden Tag im Training. Wir wissen, was wir an ihm haben, und was er dann heute auf dem Platz bringt, ist schon sehr, sehr gut.“ In seinen 27 Minuten Einsatzzeit feierte Tony Lesueur also zwei Scorerpunkte. Dies gelang an diesem Spieltag noch keinem anderen Akteur.
Einen besonderen Wert erlangte in der 87. Minute auch Bashkim Ajdini. Denn mit seiner Einwechslung erreichte der 33-Jährige nun die Marke von 200 Pflichtspieleinsätzen im Dress des VfL Osnabrück. Damit ist der Verteidiger der 27. Spieler in der Historie des VfL, dem das gelingt. „200 Spiele für den VfL erreicht zu haben, Teil der Geschichte zu sein, macht mich sehr glücklich und fühlt sich ganz besonders an!“, fasst Ajdini seine Gefühlslage nach dem Spiel selbst zusammen. Und auch Timo Schultz fand auf der Pressekonferenz nach der Partie nur lobende Worte: „Das hat sich Bashi zu hundert Prozent verdient. Er war im Laufe der Saison sicherlich hinten dran und hat es häufig nicht in den Kader geschafft. Und trotzdem hat er als erfahrener Spieler mit 200 Einsätzen für den Verein bei jedem Training Vollgas gegeben und dabei auch die jungen Spieler immer wieder gepusht. Er hat immer ein offenes Ohr für alle, die vielleicht gerade irgendwie ein Problem haben. Dementsprechend war das für mich überhaupt keine Frage. Aber eins ist auch ganz klar: Das war kein Geschenk. Sondern das hat er sich verdient.“
Geschenke will der Trainer sowieso nicht verteilen. Schon am Dienstag steht für die Lila-Weißen die nächste anspruchsvolle Aufgabe im Heimspiel gegen den FC Viktoria Köln an (Anpfiff: 19:00 Uhr). Ob der VfL die Domstädter dann als Tabellenführer empfängt, ist dem 48-Jährigen dabei ganz egal. „Entscheidend momentan ist die Spalte ganz rechts, die Punkte. Und das sind heute wieder drei mehr geworden. Und das gefällt mir natürlich sehr gut.“ So soll auch am Dienstagabend unter Flutlicht das Punktekonto des VfL weiter befüllt werden. Für den Brückenabend sind im Online-Ticketshop noch Plätze auf den Sitzplatztribünen und der Dieckmann-Westkurve verfügbar.
Text: Jendrik Greiwe Fotos: Jonas Jürgens & Fabian Frommeyer









































