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·15. Februar 2026

Josip Stanišić im Interview: „Ich bin bereit für mehr“

Artikelbild:Josip Stanišić im Interview: „Ich bin bereit für mehr“

Josip Stanišic ist gebürtiger Münchner, kroatischer Nationalspieler – und beim FC Bayern zu Hause. Unser Mitgliedermagazin „51“ hat mit ihm über Herkunft, Fleiß, Rückschläge und seinen Weg vom kleinen FC Perlach zu großen Titeln gesprochen.

Das Interview mit Josip Stanišić

Josip, du bist ein Münchner Kindl – deine Eltern stammen aus Kroatien. Wie viel Kroatien steckt denn in dir? Josip Stanišić: „Ich würde sagen, ich bin eine gute Mischung (lacht). Durch meine Familie fühle ich mich Kroatien sehr verbunden. In den Ferien war ich immer dort bei der Familie. Auch heute ist das noch so. Immer, wenn ich die Möglichkeit habe, fahre ich dorthin. Kroatien ist Heimat für mich – genauso wie München. Hier bin ich geboren und aufgewachsen, hier habe ich viele Freunde und inzwischen auch meine eigene kleine Familie.“


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Du bist in Perlach aufgewachsen, gar nicht weit weg von der Säbener Straße. „Ich habe mich dort sehr wohlgefühlt, hatte eine sehr schöne Kindheit. Fußball hat dabei schon früh eine Hauptrolle gespielt. Ich habe beim FC Perlach gespielt – und jede freie Minute war ich draußen auf dem Bolzplatz.“

Welche Werte haben dir deine Eltern mitgegeben? „Dass Familie an erster Stelle steht. Und: niemals aufgeben, immer weiter! Mein Papa ist jeden Morgen um fünf Uhr zur Arbeit aufgebrochen und kam am Nachmittag zurück, in seiner Freizeit hat er mich immer überall hingefahren. Auch meine Mutter hatte einen harten Job und war trotzdem immer für mich und meine Schwester da, selbst wenn ich abends um zehn noch Hunger hatte. Als Kind nimmt man das als selbstverständlich hin. Mit der Zeit lernt man dann wertzuschätzen, was die Eltern alles für einen getan haben. Dieses Gefühl von Familie, füreinander da zu sein, das hat mich geprägt.“

Dein Vater soll sogar ein Probetraining beim FC Bayern gehabt haben. „Das stimmt, er war damals 16 oder 17 Jahre alt. Aber so richtig hat er mir das eigentlich nie erzählt. Sicher ist: Er war schon immer Bayern-Fan und häufig im Stadion. Als Schiedsrichter kam er an Tickets, teilweise stand er stundenlang in der Kälte vor der Allianz Arena an, um eines zu ergattern. Als Ivica Olić mal das 2:1-Siegtor gegen Manchester United geschossen hat (Champions League-Viertelfinale im März 2010, d. Red.), war er auch im Stadion. Es gibt ein Foto, auf dem sich Olić nach dem Tor sein Trikot vom Leib reißt – im Hintergrund sieht man meinen Papa auf der Tribüne mitjubeln. Die Liebe zum FC Bayern habe ich sicher von ihm geerbt.“

Dein Weg bis hierher war nicht geradlinig. Du hattest Verletzungen, musstest Umwege gehen. Was hat das mit dir gemacht? „Es hat mich stärker gemacht und mir gezeigt, dass ich trotz Widerständen zurückkommen und es schaffen kann. Schon mit zwölf wollte mich Stephan Beckenbauer zu Bayern holen. Ich blieb aber bei 1860, weil ich dachte, dort sei es leichter, Profi zu werden. Nach der U15 wurde ich dort dann nicht mehr übernommen. Nach dieser Entscheidung saß ich neben meinem Vater im Auto und dachte, er würde jetzt total traurig sein – aber er hat mich in den Arm genommen und aufgemuntert: Kopf hoch, du kannst es trotzdem schaffen! Das werde ich nie vergessen. Ich bin dann nach Fürstenfeldbruck gewechselt – und eineinhalb Jahre später wurde ich noch mal von Bayern gescoutet. Dann hat es geklappt.“

Dieser Inhalt kann hier leider nicht dargestellt werden. Zum Anschauen kannst du die Website des FC Bayern München besuchen: Artikel auf fcbayern.com

Welche Fähigkeiten haben dich dahin gebracht, wo du heute bist? „Ein bisschen Talent, aber vor allem: Durchhaltevermögen, Fleiß und der Glaube an mich selbst. Glück gehört natürlich auch dazu. Man muss Chancen bekommen – und sie dann auch nutzen!“

Gibt es Momente in deiner Bayern-Zeit, die wegweisend für dich waren? „Da gab es natürlich einige seit der U17. Ich wurde Kapitän in der U19, habe mit den Amateuren 2020 die Meisterschaft in der Dritten Liga gewonnen. Vor allem denke ich aber an mein erstes Spiel unter Julian Nagelsmann im August 2021. Er hat mir sein Vertrauen geschenkt, und ich habe gut performt, habe mich in die Mannschaft reingekämpft. Damit hatte kaum jemand gerechnet, ein paar Wochen zuvor wäre ich beinahe gewechselt. Zum Glück kam es anders. Der nächste Schritt folgte dann 2023 mit der Leihe nach Leverkusen, wo ich mich als Spieler und als Mensch sehr weiterentwickelt habe.“

Seit eineinhalb Jahren bist du zurück beim FC Bayern. Wie sieht deine Rolle in der Mannschaft jetzt aus? „Ich glaube schon, dass ich nach meiner Rückkehr aus Leverkusen anders gesehen wurde. Für mich selbst hat sich aber nicht viel verändert. Ich bin immer noch derselbe, will einfach Jahr für Jahr besser werden und mehr Verantwortung übernehmen. Ich bin bereit für mehr.“

Du bist jetzt 25, fünffacher Deutscher Meister, DFB-Pokal-Sieger, WM-Dritter. Was denkst du, wenn du auf deine Autogrammkarte blickst? „Ehrlich gesagt habe ich mir darüber noch nie groß Gedanken gemacht. Ich bin jemand, der sich immer sagt: Da geht noch mehr! Es gibt, gerade hier bei Bayern, viele Spieler, die viel mehr erreicht haben. An ihnen orientiere ich mich. Aber klar, wenn man mal mit etwas Abstand draufschaut, kann man schon sagen: Das kann sich sehen lassen. Mit 25 habe ich schon einiges erreicht, von dem ich früher nicht gedacht hätte, dass das überhaupt möglich ist. Aber ich würde nicht sagen, dass ich schon am Gipfel bin. Deswegen schaue ich grundsätzlich lieber nach vorn als zurück.“

Wenn du jetzt den kleinen Josip vor dir hättest: Was würdest du ihm sagen? „Glaub an dich! Der Weg lohnt sich, egal wie schwer er ist. Am Ende wirst du stolz auf dich sein können.“

Das ganze Interview lest Ihr in der Februar-Ausgabe des Magazins „51“:

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