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·29. September 2026
Kimmich muss gehen: Das steckt wirklich hinter Klopps Entscheidung

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Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft steckt mitten in einem personellen Umbruch unter Jürgen Klopp. Mit einem 44 Mann umfassenden Aufgebot, aufgeteilt in zwei Kader, startete der neue Bundestrainer in die Nations League. Doch eine Personalie sorgt für Diskussionen: Joshua Kimmich, Kapitän der DFB-Elf, ist für die verbleibenden beiden Partien gegen Serbien und Griechenland nicht mehr nominiert.
AUGSBURG, DEUTSCHLAND – 27. September 2026: Joshua Kimmich von Deutschland reagiert während des Gruppenspiels der UEFA Nations League 2026/27 gegen Griechenland in der WWK Arena. (Foto: Alex Grimm/Getty Images)
Nach dem 0:1 gegen Griechenland in Augsburg musste der Großteil des ersten Kaders die Koffer packen. Für Kimmich, der sein 116. Länderspiel bestritten hatte, kam die Abreise nicht überraschend – aber ungern. „Ich hatte bis zuletzt gehofft, zu bleiben und wäre natürlich gerne geblieben. Aber ich verstehe, dass der Trainer einfach auch andere Jungs kennenlernen möchte“, sagte der 31-Jährige mit verschnupfter Nase nach der Partie. Klopp hatte die Rotation vor der ersten Abstellungsperiode angekündigt. Am Donnerstag (20:45 Uhr, ZDF) in München gegen Serbien und am Sonntag (20:45 Uhr, RTL) in Thessaloniki gegen Griechenland geht es mit dem zweiten Aufgebot weiter.
Rekordnationalspieler Lothar Matthäus hält die Doppelkader-Strategie grundsätzlich für richtig, vermisst aber Kimmich im zweiten Aufgebot. In seiner Kolumne bei Sky schrieb er: „Kimmich ist nicht nur der Kapitän der 22 Spieler im ersten Kader, sondern auch der Kapitän der anderen Spieler, die sich am Montag in Herzogenaurach getroffen haben.“ Matthäus hätte den Bayern-Profi bei allen vier Spielen dabei behalten: „Ich hätte ihn bei allen vier Spielen im Kader gelassen, damit die Neulinge auch ihn kennenlernen. Denn der Kapitän ist der Spieler, der neben dem Trainer mitverantwortlich ist für die Mannschaft.“ Ob Kimmich am Donnerstag in München zumindest als Zuschauer im Stadion sein wird? „Ich weiß es noch nicht so genau“, sagte der Kapitän selbst.
Die nackten Zahlen aus dem Griechenland-Spiel lesen sich ordentlich: 152 Ballkontakte, 128 Pässe, 92 Prozent Quote, über zwölf Kilometer Laufleistung. Doch die Aufschlüsselung zeigt das Problem: Nur sechs von 19 Pässen mit Raumgewinn fanden ihr Ziel, lediglich zwei von elf Zuspielen in den Strafraum kamen an. Ein Diagonalpass landete bereits nach Sekunden im Aus, mehrere leichtsinnige Abspielfehler schlichen sich ein. Den entscheidenden Gegentreffer fälschte Kimmich unhaltbar ab – Pech, aber symptomatisch für einen Abend, an dem Dynamik, Tempo und Risiko fehlten. Die eine Ausnahme: Ein Steilpass auf Karim Adeyemi, der die einzige deutsche Großchance einleitete.
Bastian Schweinsteiger ging nach der Niederlage hart mit der Mannschaft ins Gericht – hob aber Kimmich hervor: „Wenn er nicht da ist, wird es schwierig.“ Der Weltmeister von 2014 bezeichnete den Mittelfeldstrategen als einzigen echten Unterschiedsspieler im deutschen Team. Kimmich riss das Spiel an sich, forderte Bälle, lief voran. Gleichzeitig wirkte er in Phasen nicht ganz so agil und gedankenschnell wie gewohnt. Der Kapitän selbst attestierte seiner Leistung „Luft nach oben“: „Ich habe versucht, mich zu zeigen, nicht zu verstecken, viele Bälle abzuholen, auch um den Jungs um mich herum Vertrauen zu geben, sie auch zu entlasten.“
Bastian Schweinsteiger im EM Halbfinale mit Alex Bommes in der ARD TV Übertragung vor Niederlande – England (Photo by INA FASSBENDER / AFP)
Trotz der Rotation und der Kritik an der spielerischen Ausbeute ist Kimmichs Stellwert bei Klopp hoch. Der Bundestrainer machte bereits bei der Kadernominierung klar: Er sieht den Bayern-Profi im zentralen Mittelfeld, nicht mehr auf der rechten Abwehrseite. „Ich erwarte, dass er sein Potenzial bei uns jedes Mal voll einbringt“, formulierte Klopp seinen Anspruch. Auch die Tatsache, dass Klopp im ersten Kader nicht testete, wie sich Anton Stach (Leeds United) auf der Sechser-Position macht, spricht dafür, dass Kimmich die klare Nummer eins auf dieser Position bleibt. Konkurrenz könnte aus den eigenen Reihen kommen: Aleksandar Pavlović und Tom Bischof, Kimmichs Teamkollegen beim FC Bayern, stehen im zweiten Kader – doch deutet derzeit nichts darauf hin, dass sie ihm den Rang ablaufen.
Kimmich gehört zu jener Generation, die mit den sportlichen Rückschlägen der Nationalmannschaft untrennbar verbunden ist: 2018 und 2022 WM-Vorrundenaus, 2024/2026 Aus im Sechzehntelfinale. Der ehrgeizige 31-Jährige widersprach Schweinsteigers Kritik am Zustand des Teams nicht. Es sei eine „Momentaufnahme, dass wir kein Top-Team sind. Trotzdem ist das jetzt nicht entscheidend. Wichtig ist, dass wir uns wieder dahinentwickeln.“ Seit Kimmich für die DFB-Elf aufläuft, ging die Entwicklung über weite Strecken in die falsche Richtung. Als Kapitän und 116-facher Nationalspieler (34 Spiele fehlen zum Rekord von Lothar Matthäus) ist er längst mehr als nur ein Teil der Mannschaft.
An Joshua Kimmich scheiden sich die Geister. Er ist womöglich derjenige, ohne den es noch schwieriger wird – gleichzeitig aber auch zu selten derjenige, der eine schwierige Partie tatsächlich entscheidet. Jürgen Klopp setzt auf seinen Kapitän und will um ihn herum eine stabile Achse aufbauen. Ob unter Klopp wirklich alles anders wird, wird sich auch daran messen lassen, wie Kimmich die kommenden Monate gestaltet. Der Neustart ist vertagt – für Kimmich frühestens im November.







































