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·16. August 2026

Knappe Kiste, trotzdem Hoffnung

Artikelbild:Knappe Kiste, trotzdem Hoffnung

Herzlich Willkommen zum ersten Heimspielbericht der Saison 2026/27, liebe Jahnfreunde. Nach einer wundervollen Weltmeisterschaft mit einer glanzvollen Vorstellung der DFB-Elf, Roten Karten, die ominös zurückgezogen werden, Präsidenten, die keine Ahnung von dem Sport haben, den sie präsentieren, paraguayischem Terrorfußball und einem VAR, der wieder einmal bewiesen hat, warum er abgeschafft gehört (alles in allem eigentlich gar nicht so weit weg vom Drittligaalltag), spielt die Jahnelf endlich wieder im heimischen Jahnstadion – ohne VAR und weit weg vom Messias des Fußballs, Gianni Infantino. Probleme mit der Trinkpause gibt es trotzdem: Der heimische Stadioncaterer Regensburg Event GmbH hat sich entschieden, zum Saisonstart nicht nur die Preise anzuheben, sondern auch die Bargeldzahlung komplett abzuschaffen. Das stößt vielen Fans bitter auf. Die HJT macht zu Beginn des Spiels direkt mit einem Banner auf das Problem aufmerksam.

Das erste Saisonspiel gegen die Viktoria aus Köln konnte mit einem durchaus überraschenden, aber in großen Teilen auch überzeugenden Spiel mit 5:2 gewonnen werden. Im Vergleich zu diesem Auswärtserfolg stellt Jahntrainer Hildmann nicht um. Der junge Hannes Hermann steht im Tor, die Abwehr besteht aus Schönfelder, Wurm, Kapitän Strauß und Bauer. Die Doppelsechs Fein und Majetschak wird komplettiert von Phillip und Boujellab. Im Sturm spielen Doppelpacker Hermes und Patrick Hobsch. Ein besonderes Wiedersehen gibt es mit Ex-Jahnspieler Christian Kühlwetter, der bei Saarbrücken auf seiner eigentlichen Stammposition im Sturm spielt. Auch die Saarbrücker konnten ihr erstes Spiel gewinnen, somit haben wir heute ein Topspiel.(Foto: Gatzka)


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Der Spielfilm

Die Jahnelf beginnt spiel- und passstark und nimmt sich die ersten 10 Minuten viel vom Spiel. Tatsächlich ist das zu Beginn des Spiels angenehm anzusehender Fußball. Man sieht der Mannschaft an, dass sie aktiv den Ball will und damit auch spielen möchte und kann. Viele zweite Bälle gehören ebenso den Rot-Weißen – durchaus unangenehm für die runderneuerte Mannschaft aus Saarbrücken, die zu Beginn des Spiels bei den Temperaturen viel Laufarbeit leisten muss. Die erste halbwegs gefährliche Chance für die Gäste entwickelt sich nach einem Freistoß von der linken Strafraumgrenze, der Schuss wird aber geblockt. Kurz darauf wird Poldi Wurm am eigenen Sechzehner fein säuberlich umgetreten, was den Spielleiter zuerst nicht zu beeindrucken scheint. Der Jahnelf fehlt es einzig und allein an finaler Durchschlagskraft. Die Führung wäre nach 20 Minuten durchaus drin. Nach 22 Minuten gibt’s die wohlverdiente Trinkpause und der Jahn ist am Drücker. Kurz nach Wiederanpfiff die zweite Großchance für die Gäste: Ein Ball von der rechten Seite rutscht durch, Hermann ist geschlagen, es findet sich aber kein Saarbrücker Abnehmer. Saarbrücken schafft es durchaus gut, das Pressing der Regensburger zu überspielen, und findet nur 2 Minuten später die nächste Lücke – wieder erfolglos. Kurz darauf die erste Gelbe Karte des Spiels für Kapitän Strauß nach etwas übereifrigem Einsteigen. Den folgenden Freistoß können die Rothosen aber zweimal blocken. Nach der Trinkpause kommen die Regensburger gut ins Schwimmen, Saarbrücken setzt jetzt immer wieder gefährliche Nadelstiche. In der 30. Minute glückt das Pressing der Jahnelf und plötzlich sind Boujellab und Hobsch durch, aber leider reicht bei beiden die Geschwindigkeit nicht aus, der Ball wird vertändelt. Das Spiel hat sich mittlerweile gewendet, Saarbrücken hat sich die Spielanteile zurückgeholt, kommt aber auch nicht zwingend zu gefährlichen Abschlüssen. Regensburg versucht aber auch in dieser schwierigen Phase immer wieder spielerische Lösungen zu finden. 10 Minuten vor der Pause fasst sich Rechtsaußen Bauer ein Herz und setzt den Ball nur knapp am rechten Pfosten der Gäste vorbei. Fünf Minuten vor dem Halbzeitpfiff dann die Riesenchance für Regensburg: Bauer tankt sich durch die Abwehrreihe der Saarbrücker und legt den Ball perfekt auf den freistehenden Hobsch; der hat einen etwas spitzen Winkel zum gegnerischen Keeper und versucht den Ball im Tor unterzubringen. Leider pariert Bignetti den Ball stark. Den kann man machen. Aber zu diesem Zeitpunkt tut das dem Regensburger Spiel gut, die Drangphase des FCS scheint gebrochen. Dann wird’s doch nochmal wild: Wieder geht Pick auf der rechten Abwehrseite mit einer leichten Körpertäuschung (schon zum zweiten Mal) an zwei Spielern vorbei und schießt den Ball ans Außennetz, Herrmann ist dran, die folgende Ecke wird geblockt. Es geht mit einem wohlverdienten 0:0 in die Halbzeitpause.

Die zweite Halbzeit beginnt mit einer Drangphase der Heimmannschaft. Regensburg hat nach 10 Minuten drei gute Halbchancen zu Buche stehen und drückt Saarbrücken in die eigene Hälfte. Die nächste Gelbe sieht David Philipp nach einem taktischen Trikotzieher. Sekunden später die Riesenchance für Saarbrücken: Wieder ist die rechte Seite frei und Pick legt den Ball in die Mitte auf Staff, der sehr frei nahe des Fünfmeterraums steht. Herrmann muss sich zum ersten Mal in diesem Spiel beweisen, reagiert stark und lenkt den Ball knapp übers Tor. Der Saarbrücker Trainer wechselt daraufhin gleich dreimal, unter anderem Kühlwetter verlässt den Platz. Jetzt gilt es, die Saarbrücker nicht wieder ans Oberwasser kommen zu lassen. Die Linie des Spielleiters ist nicht immer erkennbar: Mal lässt er viel laufen, mal pfeift er recht kleinlich ab. Bis dato bleiben große Schnitzer aber aus, wobei beide Mannschaften das Spiel auch sehr fair halten. Schönfelder rächt sich an Pick, lässt ihn aussteigen, woraufhin sich dieser auf den Hosenboden setzt. Munter stürmt Schöni weiter Richtung Sechzehner, außer einer Halbchance kommt aber nicht viel rum. Saarbrücken wechselt daraufhin zum vierten Mal in der laufenden Partie. Kurz zuvor hatte sich Regensburg auf Höhe des eigenen Strafraums stark den Ball geholt und mit gutem Zug aufs gegnerische Tor gespielt. Die Flanke in den Sechzehner findet allerdings weder Freund noch Feind. Dann ist abermals Trinkpause und die letzten ca. 25 Minuten des Spiels brechen an. In der 70. Minute wechselt dann auch Cheftrainer Hildmann: Boujellab, der viel versucht hat und seine Fähigkeiten immer wieder aufblitzen lässt, geht. Für ihn kommt Seibold ins Spiel. Kurz danach ist ein wenig überraschend Vasiliadis plötzlich frei und schließt nicht ungefährlich ab, Herrmann ist aber souverän zur Stelle. 15 Minuten vor Schluss wieder ein starker Abschluss des SSV, der leider auch wieder knapp geblockt wird. Die folgende Ecke bringt abermals nichts ein. Doppelwechsel beim Jahn: Posselt und Hingerl sollen für Hobsch und Majetschak frischen Wind in die Schlussphase bringen. Auch hinten heraus spielt der Jahn weiterhin auf – zwar nicht mit zwingendem Zug zum Tor, aber sie spielen. Erfrischend im Gegensatz zu dem Harakiri-Fußball, der uns teilweise letzte Saison geboten wurde. Saarbrücken scheint sich mit dem Punkt zufriedenzugeben, was am Ende gegen einen Aufstiegsmitfavoriten eher für uns spricht. Kurz nachdem ich diesen Satz ausformuliert habe, wird’s über die rechte Seite wieder gefährlich: Der lange, flache Ball in die Mitte wird von Bauer in höchster Not ins Aus geklärt. Der Jahnelf fällt vorne aber auch nicht mehr allzu viel ein. Die Einladungen der Kölner letzte Woche bleiben von Saarbrücker Seite her aus und die Rot-Weißen tun sich schwer, gefährlich vors Tor zu kommen. Aber auch wir scheinen uns mit dem 0:0 abgefunden zu haben, was am Ende ein durchaus gutes Ergebnis gegen Saarbrücken wäre. Kurz vor Ende der Partie wechselt Hildmann den Einbauschrank Dizdarevic für Philipp ein. Der Schiri läutet die letzten 4 Minuten ein, die übrigens seit heute auch neben der 90-Min-Anzeige mitlaufen. Eine Minute vor Schluss wird’s nochmal laut, die Jahnelf entwickelt nochmal ordentlich Zug aufs Tor, kann aber den Deckel nicht draufmachen. Und dann passiert das, womit hier eigentlich so niemand mehr gerechnet hat: Irgendwie rutscht eine lange, allerletzte Flanke der Saarbrücker auf Kai Brünker durch und der köpft ihn unter die Latte. Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll. 0:1-Endstand.

Was sagt man dazu?

Die Stimmung in den Katakomben des Jahnstadions war aufseiten der Heimmannschaft nach dem Spiel verständlicherweise gedrückt bis wütend. Aus den Gesichtern konnte man lesen, dass das alles andere als zufriedenstellend für die Truppe war. Strauß meinte im Nachhinein, sei man natürlich enttäuscht über das Ergebnis, nicht aber über die Spielweise. Man habe einfach den letzten Schliff nicht gehabt und müsse sich natürlich an die eigene Nase fassen. Ein sehr enttäuschter Herrmann, der nach einer durchaus guten Leistung natürlich nicht vor guter Laune sprühte, sah das ähnlich. Auch Oscar Schönfelder sah über weite Strecken gute Ansätze und ein gutes Spiel. Er lobte vor allem den Zusammenhalt im Team; dies erinnere ihn an die Truppe vor 3 Jahren, die – wir erinnern uns – eine Saison mit Höhen und Tiefen, gekrönt vom Wiederaufstieg, erspielte. Er zeigte sich auch glücklich darüber, dass er die vollen 90 Minuten gehen konnte. Wir wünschen weiterhin viel Gesundheit, Oscar! Auch Trainer Hildmann schloss sich seiner Truppe an und lobte das Zusammenspiel und den Fußball an sich.

Tatsächlich war das ein gutes Fußballspiel, womöglich eines der besten der letzten Monate. Vor allem spielerisch versuchte die Truppe immer wieder sich zu lösen, dem Spiel den eigenen Stempel aufzudrücken, und erarbeitete sich so auch einige Chancen. Am Abschluss mangelt es noch, doch auch das kann (und muss) sich mit der Zeit verbessern. Ich bin überzeugt, dass, wenn die Mannschaft dieses Niveau halten kann und ein paar Dinge verbessert, wir eine sehr viel bessere Saison sehen werden als die letzte. Ich hatte seit Langem mal wieder Spaß bei einem Jahnspiel – und das trotz Niederlage.

Mit diesen Worten verabschiede ich euch in die 1. Pokalwoche (an der wir hoffentlich nächstes Jahr wieder teilnehmen, egal wie). Das nächste Jahnspiel findet am 25.08. in Weiden zur 3. Toto-Pokal-Runde (Anpfiff 18:30 Uhr) statt, ehe man am Folgewochenende (Sa., 29.08., 16:30 Uhr) gegen die glorreiche TSG Hoffenheim II antritt. Das nächste Heimspiel ist dann erst wieder im September, in dem wir dann am 05.09. den MSV Duisburg begrüßen dürfen.

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