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·10. Mai 2026
Konstanz, Loyalität, ruhige Gewässer – der Blick zum FCH lohnt sich, der Weg ist für den 1. FC Köln aber schwer umsetzbar

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Simon Bartsch
10 Mai, 2026
Frank Schmidt und den 1. FC Heidenheim umgibt eine einzigartige Geschichte. Eine Geschichte, die sich jeder Bundesligist wünscht, die aber kein Bundesligist umsetzen kann.
René Wagner und Frank Schmidt
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Der Blick auf das Tableau ist für die Fans des Teams von der Ostalb gerade ein schmerzhafter. Der 1. FC Heidenheim schlittert dem Abstieg entgegen und bei allen positiven Reden, allem Optimismus und der ansteigenden Form – hilft dem FCH am Ende des Tages nur noch ein kleines Fußballwunder, um doch noch die Relegation zu erreichen. Es droht der Abstieg aus der Fußball-Bundesliga. Was sich zunächst einmal ziemlich bitter anhört, enthält aber ein Stück Fußball-Geschichte, das eigentlich so gar nicht möglich erscheint. Denn der 1. FC Heidenheim spielt aktuell in der höchsten Klasse des Landes, spielte im Vorjahr sogar europäisch. Wohlgemerkt, jener Club, der noch vor wenigen Jahren im Amateurfußball unterwegs war. Die Stadt an der Ostalb zählt rund 50.000 Einwohner. Sämtliche von ihnen würden einen Platz also im Kölner Stadion finden – wenn diese denn frei wären.
Die Heidenheimer Erfolgshistorie ist stark an die Geschichte von Frank Schmidt geknüpft. Der Trainer ist aber nicht nur einfach ein Teil der Geschichte, er ist auch mit verantwortlich für den Erfolg des FCH. Der 52-Jährige ist nicht nur national dienstältester Trainer, auch europaweit gibt es keinen Coach, der länger bei seinem Verein unter Vertrag steht. Vergangene Woche deutete Schmidt erstmals das Ende seiner Laufbahn für den Sommer 2027 an, dann wird der ehemalige Junioren-Nationalspieler 20 Jahre lang bei Heidenheim beschäftigt sein. „Das ist unfassbar in der heutigen Zeit und unglaublich beeindruckend“, sagte René Wagner. „Ich weiß nicht, ob das nochmal so wiederholbar ist, weil sich der Fußball auch ein Stück weit verändert und solche Geschichten immer seltener werden.“ Die Geschichte von Schmidt ist nicht selten, sie ist einzigartig. Und sie startet auf anderer Ebene dann doch ähnlich wie die von René Wagner.
Denn Schmidt übernimmt Heidenheim 2007 als Interimstrainer. „Mach mal zwei Spiele, wir müssen einen neuen Trainer suchen“, habe Clubchef Holger Sanwald zu ihm gesagt, verriet Schmidt einst. Die zwei Siege wurden eingefahren und Sanwald war der Meinung, Schmidt könne noch ein wenig weiter machen. Zu dieser Zeit spielte der Verein in der vierten Liga, fernab von Bundesliga und Profitum. Schon damals habe er gesagt, er wolle der Volker Finke des FC Heidenheim werden. In der Erfolgsgeschichte sind Schmidt und Heidenheim einfach untrennbar. Der Trainer führte das Team nach und nach in die Bundesliga, sogar bis in den europäischen Wettbewerb. Aus dem „wenig weitermachen“ wurden nun 19 Jahre. „Ich habe absoluten Respekt vor Franks Leistung und was die Heidenheimer in den vergangenen Jahren geschafft haben“, sagt Wagner. Und bei allem Respekt schwingt vielleicht auch ein Funken Wehmut mit.
Denn Schmidt und Heidenheim scheint so ein wenig die Symbiose zu sein, die sich wohl jeder Club wünscht. Zwei Jahrzehnte arbeitet Schmidt in dem Club als Trainer, kennt jeden Stein an der Ostalb und selbst in der größten Abstiegsnot, denkt man gar nicht daran, das Urgestein in Frage zu stellen. Ironischerweise in Zeiten, in denen sich gefühlt jeder Club der Liga mehr Konstanz in den Personalien wünscht, ein absoluter Exot. Auch der FC sprach in der jüngeren Vergangenheit immer wieder davon, an einem Trainer mal für einen längeren Zeitraum festzuhalten. Am Ende kam es doch immer anders. Unabhängig der Personen, einer gewissen Unzufriedenheit, vielleicht handwerklichen oder kommunikativen Fehlern – Gerhard Struber wurde beim FC entlassen, als er sich noch dicke auf Aufstiegskurs befand, Lukas Kwasniok als es noch ein Polster auf den Abstiegskeller hatte. Das Thema Konstanz wird in Köln wohl nie so richtig eins werden.
Zumindest nicht in dem Ausmaß wie an der Ostalb. Es fehlt die Ruhe, die Heidenheim auch aus dem Umfeld umgibt. Und so wird vielleicht ausgerechnet der Club mit der größeren Strahlkraft, mit der längeren, der erfolgreicheren Geschichte, der höheren Mitgliederzahl, dem größeren Einzugsgebiet ein wenig neidisch Richtung Heidenheim gucken. Wohlwissend, dass eine ähnliche Geschichte in Köln wohl unmöglich erscheint. René Wagner hat den FC ebenfalls als Interims-Coach übernommen. Zunächst hieß es für zwei Tage. Nun macht er ein wenig weiter. Und die Zeichen stehen für ihn gut, dass es auch in der kommenden Saison die Geschicke bei den Kölnern leitet. Doch man muss wohl kein Prophet sein, um zu wissen, dass die Haltbarkeitszeit eines Trainers in Köln eine grundsätzlich andere ist.







































