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·10. Mai 2026

Kontroverse zwischen Kompany und Bischof: Was sagen die Daten des FC Bayern?

Artikelbild:Kontroverse zwischen Kompany und Bischof: Was sagen die Daten des FC Bayern?

Vincent Kompany kassiert nach dem 1:0-Sieg des FC Bayern in Wolfsburg eine Aussage von Tom Bischof ein. Aber was sagen eigentlich die Daten zur kleinen Kontroverse?

Am Samstagabend ist etwas passiert, was unter Vincent Kompany beim FC Bayern München bisher so gut wie nie passiert ist: Der Trainer kassierte eine Aussage eines eigenen Spielers ein.


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„Der junge Spieler hat einen Fehler gemacht in diesem Interview“, sagte der Belgier bei Sky überraschend deutlich über Tom Bischof. Der 20-Jährige äußerte sich zuvor kritisch über das bayerische Pressing.

„Wir machen einfach nicht mehr die kleinen Basics“, analysierte Bischof kurz zuvor die Defensivprobleme des FCB: „Dieses Gegenpressing direkt nach dem Ballverlust fehlt uns ein bisschen. Das ist mir von außen aufgefallen. Deshalb machen wir die langen Wege – und kassieren so viele Gegentore.“

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Kompany widersprach: „Ein Gegenpressing kannst du nicht hundertmal machen, wenn du einen Ballverlust hast oder einen schnellen Ballverlust. Das Problem ist nicht die Intention für das Gegenpressing, sonst würde ich das im Training schon sehen und auch sagen: So kannst du kein Spiel gewinnen.“

Es gehe eher darum, „dass man vielleicht nicht immer das Gefühl haben muss, dass man in den ersten 10–15 Minuten schon 3–4 Tore machen muss und die anderen dann einfach auf dem Boden liegen. Das passiert nicht so. Wir haben 10 Minuten gut angefangen, haben dann ein bisschen unsere Geduld verloren und dann wird es halt schwieriger.“

Doch was sagen eigentlich die Daten zu dieser Mini-Kontroverse?

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Kleine Kontroverse zwischen Kompany und Bischof: Was sagen die Zahlen?

Zunächst mal: Was Kompany hier anspricht, ist die Qualität des eigenen Ballbesitzes. Seine Analyse bezieht sich darauf, dass die Münchner im Angriff nicht immer konsequent und zielstrebig einerseits, in den richtigen Momenten aber auch nicht geduldig genug andererseits spielen. Er legt den Fokus eher auf die Ballverluste als Ursache für die Beobachtung von Bischof, dass das Pressing nicht oft genug greifen würde.

Und tatsächlich stützen die Daten auf den ersten Blick eher das, was Kompany gesagt hat. Miasanrot hat die Saison des FC Bayern aufgeteilt in die 25 Pflichtspiele in Bundesliga, Champions League, DFB-Pokal und Supercup bis zum Jahreswechsel sowie in die 28 Pflichtspiele seit Januar. Dabei haben wir uns mit der Scoutingplattform Wyscout folgende Statistiken in der Entwicklung angesehen:

  • Ballverluste – also jede Situation, in der der Ballbesitz zum Gegner wechselt
  • Hohe Ballgewinne – also jede Situation, in der der Ballbesitz vom Gegner im vordersten Drittel erobert wird
  • Pässe pro Defensivaktion (PPDA) – also wie viele Pässe dem Gegner in deren ersten 60 Prozent des Spielfelds erlaubt werden, ehe eine Defensivaktion des FCB erfolgt
  • Pässe pro Ballbesitzphase – also wie viele Pässe die Bayern im Schnitt pro Ballbesitzphase spielen

Jede einzelne Statistik wird dabei durchschnittlich pro Spiel angegeben. Der Vergleich zwischen den Jahreshälften liefert interessante erste Erkenntnisse.

Zahlen stützen Kompanys Analyse

In der ersten Jahreshälfte haben die Münchner rund 98-mal pro Partie den Ball verloren, in der zweiten waren es mehr als 102-mal. Das sind etwas mehr als vier Ballverluste mehr pro Partie. Im Gegenzug haben sich die Pressingwerte oberflächlich betrachtet verbessert. Etwas mehr als 18 hohe Ballgewinne sind über zwei mehr pro Spiel als in den ersten 25 Partien (15,8).

Und auch bei den Pässen pro bayerischer Defensivaktion gibt es einen klaren Fortschritt: Bis zum Jahreswechsel lag der Wert im Schnitt bei 10,4. Jetzt liegt er bei 9,3. Bedeutete also: Gegner bekommen durchschnittlich weniger Zeit am Ball.

Aber: Die eigenen Pässe pro Ballbesitzphase sind minimal zurückgegangen. Statt etwas mehr als sieben sind es nun etwas weniger als sieben. Das stützt die Beobachtung von Kompany, dass man hier und da etwas die Geduld verlieren würde und sich so die Ballverluste erhöhen. Generell sprechen die Zahlen erstmal dafür, dass der Trainer richtig liegt.

Gegen Wolfsburg war vor allem in den ersten 45 Minuten auffällig, wie oft die Bayern in der letzten Aktion vor dem Ballverlust viel zu viel Risiko gingen. Mal dribbelten sie sich fest, obwohl die eigene Struktur nicht gut für ein Gegenpressing war. In anderen Situationen wurden Tiefenpässe über eine sehr große Distanz versucht, bei denen eine Interception der Wolfsburger ziemlich wahrscheinlich war.

FC Bayern: Zu viele Ballverluste beeinflussen das Pressing

In der Champions League war zuletzt ähnliches zu beobachten. Die Bayern brachten gegen Paris Saint-Germain zu wenige eigene Angriffe zum Abschluss und verloren die Kugel eher, als selbst gefährlich zu werden. Das wiederum gab den Parisern die Möglichkeit, das Team von Kompany in unstrukturierten Momenten zu überlaufen.

Auch abseits von Zahlen ist die Argumentation von Kompany schlüssig. Wenn der Ball häufiger verloren wird, muss man in einem so intensiven Spielsystem auch häufiger in Sprints und arbeitet mehr als es bei längeren Ballbesitzphasen der Fall wäre. Gleichzeitig will man den Gegner überraschen und dafür braucht es Tempo mit dem Ball. Zwischen beiden Extremen eine Balance zu finden, ist für Systeme wie jenem der Bayern ein Kernaspekt.

Immer wieder wurde in der Vergangenheit analysiert, dass Kompany Anpassungen vorgenommen habe, sein Team nun häufiger tief verteidigen lasse. Anpassungen nahm er in jedem Fall vor, doch ob die tiefen Verteidigungsphasen gewollt oder eher ein notwendiges Übel sind, sei mal dahingestellt. Wenn der Ball mit dem hohen Pressing nicht direkt wiedererobert werden kann, bleibt jeder Fußballmannschaft nichts anderes übrig, als sich irgendwann fallen zu lassen. Andernfalls ist man weit vor Ende des Spiels kraftlos.

In Kompanys System geht es um Prävention. Höchste Priorität hat ein gut strukturiertes Ballbesitzspiel, aus dem heraus man sich Chancen erspielt und den Gegner einschnürt. Das ist schon deshalb nicht immer möglich, weil die Qualität der Gegner schwankt und Teams wie Paris, aber auch so mancher Bundesligist an guten Tagen Lösungen finden, Bayern mindestens in Phasen zu verteidigen.

Dann greift die zweite Priorität: das Gegenpressing. Beides greift unmittelbar ineinander. Wer die Bälle in unstrukturierten Angriffssituationen verliert, hat im Gegenpressing schlechtere Karten auf eine schnelle Rückeroberung. Und wer die Bälle häufig verliert, kann Gefahr laufen, zu viel Kraft zu verlieren. Daraus wiederum entstehen Präzisionsprobleme.

Liegt Tom Bischof wirklich falsch?

Liegt Bischof deshalb falsch? Nein und das macht die Analyse der Probleme so komplex. Denn Daten und auch analytische Beobachtungen sind oft Interpretationssache. Nehmen wir beispielsweise die hohen Ballgewinne. 18 Eroberungen im eigenen Angriffsdrittel im Vergleich zu vorher knapp 16 klingen nach einem Fortschritt.

Dabei gibt es aber mehrere Dinge zu beachten. Was ist beispielsweise, wenn die 16 Balleroberungen pro Spiel bis zum Jahreswechsel deutlich mehr Qualität hatten als die 18 danach? Wenn die Bayern häufiger in zentralen Zonen den Ball gewonnen haben und im zweiten Zeitraum häufiger auf den Flügeln? Eine solche Analyse wäre zu tiefgreifend für den Rahmen dieses Artikels. Eine erste Stichprobe stütz erstmal keine großen Unterschiede. Dennoch kann es sein, dass die Qualität der Balleroberungen in der ersten Hälfte nicht schlechter, sondern vielleicht sogar einen Tick besser war.

Viel wichtiger im Kontext des FC Bayern ist aber, dass die Anzahl der hohen Ballgewinne nicht maßgeblich darüber entscheidet, ob das Spiel unter Kompany gut funktioniert oder nicht. Im Gegenteil: Eine Analyse könnte sein, dass die Bayern in diesem Jahr mehr hohe Ballgewinne hatten, weil sie häufiger gegen den Ball arbeiten mussten – und das wiederum ist aus den oben genannten Gründen ein Problem.

Die statistischen Verbesserungen im Pressing sagen also nicht zwingend aus, dass das Pressing qualitativ besser wurde. Sie sagen in vielen Bereichen erstmal nur aus, dass es rein quantitativ mehr wurde.

Tom Bischof liefert die Beobachtung, Vincent Kompany die Einordnung

Bischof könnte also trotz des Kompany-Widerspruchs einen Punkt haben. Tatsächlich fiel in den letzten Wochen auf, dass die Bayern im Pressing nicht mehr so griffig waren, wie sie es schon waren. Dass mancher Weg nicht mehr ganz so konsequent gegangen wurde. Es fiel ebenfalls auf, dass Gegner wie Real Madrid oder PSG in der Lage waren, Umschaltmomente der Münchner für sich zu nutzen.

Nicht nur die klassischen Umschaltmomente aus den berühmten vier Phasen nach Louis van Gaal (Ballbesitz, Ballverlust, Pressing, Ballgewinn), sondern auch im Umschalten von hohem (nicht erfolgreichen) Pressing in ein tieferes Pressing. Diese Rückwärtsbewegung dauert oft einen Tick zu lange und ermöglicht es Gegnern, Räume zu bespielen.

Bischofs Beobachtung könnte also trotzdem richtig sein: Das Gegenpressing war schon mal wuchtiger und präziser. Aber Kompany hat die passende Einordnung geliefert. Wenn die Bayern ihre Arbeit gegen den Ball nicht so oft während der 90 Minuten brauchen, sind sie auch griffiger und präziser, wenn sie pressen müssen. Laufen sie allerdings zu oft an, geht die Präzision irgendwann verloren und entscheidende Meter werden nicht gemacht.

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