feverpitch.de
·18. September 2026
Marc-André ter Stegen: Die deutsche Nummer 1 auf Abruf

In partnership with
Yahoo sportsfeverpitch.de
·18. September 2026

14 Pflichtspiele in zwei Jahren, 15 Monate ohne Länderspiel: Klopps erste Torhüter-Entscheidung steht auf erstaunlich dünnem Boden.
Drei Wörter reichen, um eine Personalie ins Wanken zu bringen: „für den Moment“. Mit diesem Zusatz machte Jürgen Klopp am Donnerstag auf dem DFB-Campus in Frankfurt Marc-André ter Stegen zur Nummer eins im Tor der Nationalmannschaft. Ein Bundestrainer, der seinen Stammkeeper beruft und im selben Atemzug ein Verfallsdatum mitliefert, sagt mehr, als ihm lieb sein dürfte.
Denn die Berufung von ter Stegen ist keine Entscheidung, sie ist ein Versuch. Klopp baut sie auf ein Fundament, das er selbst nicht für tragfähig hält, sonst müsste er es nicht zweifach absichern: „für den Moment“ und „immer von der Leistung abhängig“. Wer so formuliert, hat die Nummer eins nicht vergeben, sondern verliehen.
Die Zahlen erklären, warum. Seit seinem Patellasehnenriss im September 2024 hat ter Stegen (34/Ajax Amsterdam) nur zwölf Klubspiele bestritten: drei für den FC Barcelona, zwei für den FC Girona, sieben für Ajax. Dazu zwei Länderspiele im Juni 2025. Vierzehn Pflichtspiele in zwei Jahren – das ist die Bilanz eines Mannes, den man nun ins Tor einer Nationalmannschaft stellt. Sein bislang letztes Länderspiel liegt 15 Monate zurück, das 0:2 gegen Frankreich am 8. Juni 2025 in Stuttgart, in der Nations League.
Klopp begründet die Wahl mit Fitness und Erfahrung. „Er ist fit und bringt die notwendige Erfahrung mit“, sagte er. Und er stellt klar: „Wir haben keinerlei Torhüterproblem.“ Das ist der Satz, der die ganze Konstruktion halten soll – und der sie zugleich verrät. Denn wer kein Problem hat, muss keine Einschränkung mitliefern.
Die sieben Ajax-Spiele lassen sich anders lesen. Sie zeigen einen Torhüter, der wieder regelmäßig auf dem Platz steht, der die lange Leidenszeit hinter sich hat und Rhythmus findet. Erfahrung wiegt in dieser Position schwer, und ter Stegen war schon einmal die Nummer eins – unter Julian Nagelsmann, nach Manuel Neuers Rücktritt nach der EM 2024. Man könnte sagen: Klopp setzt auf Verlässlichkeit statt auf Experiment, und wählt den Mann, der den Posten kennt.
Nur reichen sieben Spiele für einen Verein eben nicht als Beweis für ein Land. Der Unterschied zwischen der Eredivisie im Klub und einem Länderspiel gegen die Niederlande in Amsterdam am 24. September ist kein gradueller. Und das Pikanteste an der Sache liegt gar nicht bei ter Stegen selbst, sondern bei dem, der fehlt: Oliver Baumann (TSG Hoffenheim) gehört nicht zum Aufgebot. Denselben Baumann hatte Nagelsmann lange im Glauben gelassen, der WM-Torhüter zu sein – bis er doch noch einmal Neuer zurückholte.
Genau dieses Muster droht sich zu wiederholen. Ein Bundestrainer beruft einen Keeper zur Nummer eins, sichert sich mit einer Formel ab und lässt die anderen im Ungewissen. Klopps Doppel-Kader ist voll davon: Finn Dahmen für alle vier Spiele, Alexander Nübel nur für zwei, Jonas Urbig (FC Bayern) und Noah Atubolu (Eintracht Frankfurt) für die beiden anderen. Vier Torhüter, klar sortiert nach Spielen – und obendrauf eine Nummer eins mit Rückfahrschein.
So wird aus einer klaren Ansage eine Ausschreibung mit Vorentscheidung. Ter Stegen darf gegen die Niederlande spielen, weil er im Moment der Beste zu sein scheint, den Klopp zur Verfügung hat. Das ist keine Schwäche der Wahl, sondern eine Schwäche der Lage: Vierzehn Pflichtspiele in zwei Jahren geben keinem Trainer die Sicherheit, die er ausstrahlen will.
Klopp sagt, es gebe keinerlei Torhüterproblem. Wer aber seine Nummer eins nur für den Moment beruft, hat sein Problem schon benannt.







































