Miasanrot
·13. April 2026
Max Eberl mal wieder in der Kritik: Stellt sich der FC Bayern bald neu auf?

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·13. April 2026

Max Eberl steht beim FC Bayern München offenbar trotz der Erfolge immer noch in der Kritik. Bald braucht es eine Entscheidung über seine Zukunft.
Der FC Bayern München spielt bisher eine der erfolgreichsten Spielzeiten der eigenen Vereinsgeschichte. Am vergangenen Wochenende knackten die Münchner den Torrekord in der Bundesliga.
Im Vorfeld der Partie gegen den FC St. Pauli gab es sogar eine kleine Geburtstagsfete für Trainer Vincent Kompany. Kurz vor dem Rückspiel im Viertelfinale der Champions League gegen Real Madrid scheint gerade alles rosarot in München zu sein. Fast alles.
Denn rund um eine Person kommt keine Ruhe rein: Max Eberl steht seit Monaten in der Kritik. Mal wird diese lauter geäußert, mal etwas leiser. Ein Bericht des kicker bringt die Gerüchteküche nun wieder zum Brodeln.
Darin heißt es, dass Eberl und Christoph Freund nicht so gut zusammenarbeiten, wie das nach außen hin oftmals wahrgenommen wird. Von einer „Zweckehe“ ist sogar die Rede. Es hätten sich zwei Lager rund um die beiden Protagonisten in der sportlichen Leitung gebildet. Grund für den Zwist sei unter anderem, dass Eberl Personalentscheidungen am Campus getroffen habe, die Freund nicht gefielen.
Eine Debatte zur Unzeit oder nachvollziehbare Prozesse?
Tatsächlich hatte Eberl unter anderem Markus Weinzierl und André Hechelmann in wichtigen Positionen am Nachwuchsleistungszentrum installiert. Einer wird im Sommer ersetzt, der andere ist nach Mönchengladbach gewechselt. Auch Nils Schmadtke war ein Eberl-Transfer.
Die Kritik am Sohn des einstigen Bundesliga-Managers Jörg Schmadtke war von Beginn an groß. Zwar hatte er bei diversen Stationen durchaus Erfahrungen gesammelt, aber der ganz große Arbeitsnachweis für eine derart verantwortungsvolle Position wie die des Scouting-Leiters fehlte in Form von eindeutig nachweisbaren Erfolgen im Spitzenbereich.
Nach einigen Monaten und Jahren muss konstatiert werden, dass der Personalwandel nicht sonderlich erfolgreich war. Weinzierl agierte farblos und hinterließ keinerlei Spuren. Im Scouting gab und gibt es unter Schmadtke eine riesige Fluktuation. Mitarbeiter kommen und gehen, Kontinuität gibt es nicht. Nach Miasanrot-Informationen ist man in München nicht zufrieden mit diesen Entwicklungen.
Der kicker wiederum rückt in dieser Sache vor allem Eberl in den Mittelpunkt. Der konkrete Vorwurf: Eberl habe Vertraute installiert, statt nach der jeweils bestmöglichen Lösung zu suchen. Unter anderem wird vielen der Personalien eine Nähe zu Berater Marc Kosicke nachgesagt.
Miasanrot hatte sich im August 2025 mit dem Vorwurf der „Spezlwirtschaft“ am Campus auseinandergesetzt und eingeordnet, dass dieser zu kurz greift. Trotzdem war schon damals absehbar, dass nicht jede Personalentscheidung zwingend logisch wirkte.
Interessant an der ganzen Geschichte ist aber, dass viele Vorwürfe an Eberl schon weit zurückliegen. Sei es jetzt im aktuellen Bericht zu diesem Thema oder in denen vor einigen Wochen. So wird aktuell wieder hervorgekramt, dass der Sportvorstand es nicht geschafft habe, Gehaltskosten einzusparen und die finanzielle Situation zu verbessern.
Als wesentlicher Grund dafür werden kostspielige Vertragsverhandlungen, die hohen Gehälter und Zusatzzahlungen wie Handgeld und Beraterhonorare bei Transfers genannt. Allerdings sollte hier differenziert werden. Zu lesen ist beispielsweise oft, dass Eberl einige Verträge zu kostspielig verlängert habe. Der kicker nennt Dayot Upamecano und Jamal Musiala als Beispiele.
Um das seriös bewerten zu können, bräuchte es aber weitere Informationen, die im Artikel nicht genannt werden. Wie sahen die Forderungen der Spieler aus? Welche Alternativen hatten sie konkret? Hätte es überhaupt eine realistische Chance gegeben, mit ihnen zu deutlich geringeren Konditionen zu verlängern? Wenn die Alternative gewesen wäre, nicht mit ihnen zu verlängern, hätte Eberl dann jetzt im selben Artikel die Kritik bekommen, dass er mit Schlüsselspielern nicht verlängern konnte?
Es ist kompliziert. Letztendlich haben die Bayern hier eine gemeinsame Entscheidung getroffen. Nicht Eberl hat im Alleingang die Verträge verlängert, sondern der Sportvorstand hat mit einem Budget, das ihm vom Aufsichtsrat genehmigt wurde, gehandelt. Auf der anderen Seite bedeutet das nicht automatisch, dass es nicht legitim wäre, ihn dafür zu kritisieren, viel Geld auszugeben.
Hier gibt es einen Interessenkonflikt zwischen Aufsichtsrat und Vorstand, der in jedem Unternehmen normal ist. Die eine Seite hat das Interesse, das operative Geschäft voranzutreiben und das Unternehmen zum Erfolg zu führen – hier Eberl, der den Kader perfektionieren und für alle Wettbewerbe optimal aufstellen möchte. Die andere Seite will wirtschaftlichen Erfolg sehen und achtet darauf, dass das Unternehmen gesund geführt wird. Überspitzt formuliert: Am liebsten ohne große Ausgaben maximal erfolgreich sein.
In diesem Konflikt braucht es Kompromisse. Und hier dürfte deutlich eher der Kern der Kritik liegen als nun bei der Frage, ob Eberl zwei, drei Spieler überbezahlt hat, die ohne diese Gehaltssumme vermutlich gar nicht mehr da wären. Allerdings ist diese Komponente schwerer zu greifen – vor allem von außen.
Was sich anhand der Trainersuche im Jahr 2024, den gescheiterten Transfers mancher Spieler und vor allem auch der Unruhe rund um den Verkauf von Kingsley Coman und der Leihe von Nicolas Jackson aber gewiss feststellen lässt: Die Kommunikation zwischen Aufsichtsrat und Sporvorstand war nicht gut und ist es vielleicht immer noch nicht. Auch der Auftritt von Uli Hoeneß im Doppelpass im vergangenen Sommer, als er Eberl erstaunlich offensiv angriff, unterstreicht das.
Verschiedene Medienberichtete deuteten zudem darauf hin, dass Eberl bei einigen Verlängerungen mit dem Aufsichtsrat nachverhandeln musste, um sein Budget zu erhöhen. Die Gerüchte rund um die Verlängerung von Joshua Kimmich hinterließen damals den Eindruck, dass es zunächst eine Einigung zwischen Spieler und Eberl gab, Letzterer aber nicht die Genehmigung des Budgets dafür vom Aufsichtsrat hatte. Ähnlich soll es bei der Frage danach gewesen sein, ob Eberl nach dem Coman-Verkauf noch einen Spieler einkaufen dürfe.
Hoeneß kritisierte damals, dass der Sportvorstand zu viele Alleingänge wagen würde. „Es wäre auch für Max gut, wenn er endlich begreift, dass man das auf mehrere Schultern verteilt“, merkte er an. Er glaube, dass der Sportvorstand das Gefühl hat, er müsse das alleine machen. Alleingänge wurden Eberl auch bei anderen Stationen schon vorgeworfen. Ganz aus dem Nichts kommt diese Kritik also nicht.
Woran es nun aber konkret liegt, dass die Kommunikation zwischen beiden Seiten nicht optimal verlaufen ist und vielleicht immer noch verläuft, lässt sich aber kaum analysieren. Beide Seiten haben sich dahingehend nicht optimal präsentiert, auf beiden Seiten lassen sich Kritikpunkte finden, die dafür verantwortlich sind, dass sich die Entscheidungsprozesse verlangsamt haben und Bayern in vielen Themen auf dem Transfermarkt zuletzt unglücklich agierte.
Ein weiterer Punkt im kicker-Artikel ist, dass Eberl zahlreiche Spieler verliehen hat, die im Sommer wieder zurückkommen und dem FC Bayern dann wieder auf der Tasche liegen. Tatsächlich gibt es das eine oder andere Leihkonstrukt, bei dem exakt das absehbar war. Andererseits kann Eberl auch keine Angebote aus dem Hut zaubern.
Wäre die Kritik kleiner, hätte er João Palhinha für zehn Millionen Euro an irgendeinen anderen Klub verscherbelt, um den Transfer attraktiver zu machen? Wäre die Kritik kleiner, wenn er die Leihe abgelehnt hätte und der Portugiese immer noch im Kader stünde? Letztlich hat Eberl nach Lösungen gesucht, die kurzfristig helfen, um sich und den Spielern Zeit zu verschaffen, in der sich die Ausgangslage verändern könnte.
Einige dieser Spieler waren nicht seine Wunschtransfers. Bei Palhinha übernahm er offenkundig das, was bereits vor seiner Zeit abgesprochen wurde. Zwar kommt Eberl hier nicht so einfach davon, denn er hätte dennoch und vor allem als neuer Sportvorstand sagen können, dass er andere Pläne hat. Doch sich direkt von Beginn an so deutlich gegen die vorherigen Entscheidungsträger zu stellen, die immer noch im Verein waren, erfordert großen Mut.
Generell ist der Punkt der Leihen eher ein schwacher. Es macht viel mehr den Eindruck, dass die anderen Themen schwerer wiegen und jetzt aus dem internen Bereich Dinge nach außen gestochen werden, die für das breite Publikum greifbarer sind als das übliche Wirtschafts-Bla-Bla. Als würde jemand versuchen, aktiv gegen Eberl zu arbeiten und seine Position zu schwächen.
Natürlich eine reine Spekulation, die sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht belegen lässt. Aber ein nicht unüblicher Prozess. Nimmt man an, dass im Aufsichtsrat zunehmend die Meinung vertreten wird, dass Eberl nicht mehr der richtige Mann für den FC Bayern ist, dann muss relativ bald eine Entscheidung getroffen werden. Und diese Entscheidung wird öffentlich dadurch erschwert, dass die Mannschaft aktuell außerordentlich erfolgreich Fußball spielt.
Für die meisten Fans, die sich mit all den Hintergründen nicht auseinandersetzen wollen, wäre ein Ende der Zusammenarbeit erstmal ein Schock und etwas, was sie aufgrund des Erfolgs nicht nachvollziehen könnten. Entsprechend würde es nicht verwundern, sollte jemand mit durchgesteckten Informationen am Stuhl sägen.
Denn eines ist auch klar: Nur weil der Klub gerade erfolgreich ist, heißt das einerseits nicht, dass dieser extrem eng mit Eberl verknüpft sein muss. Und andererseits heißt das nicht, dass der Zeitpunkt für eine Trennung schlecht wäre. Eberls Vertrag läuft 2027 aus. Es wäre fatal, ohne Sicherheit über seine Zukunft in die neue Saison zu gehen.
Eine Entscheidung fällt idealerweise vorher, um sich entsprechend vorbereiten zu können auf das, was danach kommt. Dass im Zuge dieser Evaluierung, die jetzt gerade stattfindet, es genauso gut sein kann, dass jemand die Chance wittert, Eberls Position zu schwächen, sollte ebenfalls bedacht werden.
Eberl wird nicht ausschließlich daran gemessen, ob das Team erfolgreich ist. Schaut man sich an, wie der Transfer von Luis Díaz zustande kam, dann muss man den Faktor Zufall entsprechend gewichten. Zunächst wollte man Florian Wirtz, dann gab es noch zwei, drei andere Kandidaten und zwischendurch schien Eberl sogar wieder eine Verlängerung von Leroy Sané in Betracht zu ziehen. Erst dann ergab sich die Chance bei Díaz.
Schaut man sich an, wie der Transfer von Kompany zustande kam, dann ist das Fazit ebenfalls, dass mehr Glück als Plan dahinter stand. Natürlich gab es auch strategisch kluge Transfers wie Tom Bischof oder Jonathan Tah. Aber auch die Einbindung junger Spieler wirkte nicht wie ein mittel- oder langfristig angelegter Plan. Bevor Lennart Karl die Chance hatte, sich so zu zeigen, wie er es in dieser Saison tut, gab es einige Absagen anderer Offensivspieler und nach Miasanrot-Informationen auch konkrete Gedanken beim Spieler, den Verein zu verlassen, um sich besser entwickeln zu können.
Ein Unternehmen erfolgreich zu führen, heißt auch, Entscheidungen der Vergangenheit nicht allein aus dem Jetzt heraus zu beurteilen, sondern die Prozesse dahinter zu analysieren und so Indizien für die dahinterliegende Nachhaltigkeit zu erfassen.
Was Eberl zweifellos gelungen ist: Er hat den Verein in der Außendarstellung beruhigt. Gemeinsam mit Kompany und auch Freund. Sein Auftreten ist meist stimmig, seine Präsenz tut dem FC Bayern gut. Aber ob seine Arbeit auch inhaltlich nachhaltig ist, ist etwas, was in Frage gestellt werden kann. Argumente gibt es dahingehend für beide Seiten.
Für den Aufsichtsrat ist zudem nicht nur der bloße sportliche Erfolg entscheidend. Gerade im finanziellen Bereich sollte der Verein aber einige Grundsatzentscheidungen treffen. Vergegenwärtigt man sich die Aussagen von Hoeneß und Co. in den letzten Jahren, könnte man den Eindruck gewinnen, dass es dem FC Bayern finanziell sehr schlecht geht. Gleichzeitig wird immer noch gefordert, dass man um alle Titel mitspielen kann.
Sowohl intern, als aber auch vor allem in der Außendarstellung braucht es eine klarere Linie. Eine, an der man die Arbeit eines Sportvorstands besser messen kann. Wenn man die Gehaltskosten deutlich senken und auch bei Ablösesummen weniger ausgeben möchte, dann muss man die sportlichen Ziele gegebenenfalls korrigieren. Wären Musiala, Upamecano und Kimmich in einem alternativen Szenario gewechselt, dann hätte es kaum Budget für Eberl gegeben, um nachzulegen.
Wie wäre diese Saison dann wohl verlaufen? Welche Kritikpunkte gäbe es dann? Am Ende scheint all die Unruhe um Eberl aber mehr zu sein als bloße Agenda. Viele Punkte erscheinen valide. Die Unzufriedenheit scheint sich nicht zu legen. Bald wird eine Entscheidung anstehen und es sieht so aus, als wäre eine weitere Neuaufstellung im Bereich des Möglichen.
In Zeiten, in denen vieles durch den Erfolg rosarot vernebelt wird, wäre das sicher eine Entscheidung mit gewissem Risiko. Aber irgendjemand sägt seit Monaten am Eberl-Stuhl. Und das zumindest nicht komplett unbegründet.









































