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·27. Januar 2026
Nach Fabelstart beim FC Bayern: Lennart Karl erlebt sein erstes Formtief

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·27. Januar 2026

Nach einem furiosen Start und einer Hinrunde, die ihn schlagartig ins Rampenlicht katapultierte, erlebt Lennart Karl beim FC Bayern erstmals die Kehrseite des Profifußballs. Und das ausgerechnet zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.
Der 17-Jährige war eine der großen Überraschungen der Bundesliga-Hinrunde. Unter Vincent Kompany entwickelte sich der offensive Mittelfeldspieler vom Campus-Talent zu einer festen Größe im Bayern-Kader. Mit seiner Unbekümmertheit, seinem Tempo und seiner technischen Qualität passte Karl perfekt zum offensiven Ansatz der Münchner, die eine historische erste Saisonhälfte spielten. Doch seit dem Jahreswechsel stockt der Motor des Youngsters – sportlich wie mental.
Dabei begann alles wie ein Märchen. Schon bei seinem Pflichtspieldebüt für den FC Bayern, dem 10:0 bei der Klub-WM, deutete Karl an, welches Potenzial in ihm steckt. In der Vorbereitung traf er gegen Tottenham und die Grasshoppers, Kompany schenkte ihm früh Vertrauen, und spätestens mit seinem ersten Startelfeinsatz in der Bundesliga gegen Hoffenheim war klar, dass hier kein gewöhnliches Talent heranwächst. Karl rechtfertigte das Vertrauen mit einer Vorlage, wenig später folgte sein erstes Pflichtspieltor in der Champions League. Max Eberl schwärmte von seiner „Rotzfrechheit“, die er vom Trainingsplatz direkt auf den Rasen übertragen habe.
Insgesamt absolvierte Karl bislang 27 Pflichtspiele, erzielte sieben Tore und bereitete zwei weitere vor. Zahlen, die für einen 17-Jährigen außergewöhnlich sind – und die ihn zu einem wichtigen Faktor der nahezu perfekten Hinrunde machten. Doch genau dieser rasante Aufstieg bringt nun neue Herausforderungen mit sich.

Foto: IMAGO
Der erste Bruch kam nicht auf dem Rasen, sondern abseits davon. Karls Aussagen über seinen „Traumverein“ Real Madrid sorgten Anfang des Jahres für erheblichen Wirbel. Was wohl als jugendlicher, unbedachter Satz gemeint war, entwickelte sich in den sozialen Netzwerken zu einer handfesten Kontroverse. Kritik, Häme und sogar Abwanderungsforderungen prasselten auf den Teenager ein, der daraufhin seine Kommentarspalten schloss und sich wenig später entschuldigte.
Sportvorstand Max Eberl versuchte zu beruhigen und ordnete die Situation ein. Dennoch bleibt der Eindruck, dass diese Episode Spuren hinterlassen hat. In den vergangenen Spielen wirkte Karl gehemmt, verlor Bälle, traf unglückliche Entscheidungen und strahlte kaum noch Torgefahr aus. Gegen Leipzig, Saint-Gilloise und Augsburg blieb er weit hinter seinem Hinrunden-Niveau zurück – ein erstes echtes Formtief in seiner jungen Karriere.
Erschwerend kommt hinzu, dass Jamal Musiala zurückgekehrt ist. Der 22-Jährige, den Karl während dessen monatelanger Verletzungspause eindrucksvoll vertreten hatte, meldet sich zunehmend zurück. Schon beim Comeback gegen Leipzig setzte Musiala ein Ausrufezeichen, gegen Augsburg sammelte er weitere Minuten. Mit jedem Spiel wächst die Wahrscheinlichkeit, dass Musiala im offensiven Mittelfeld wieder gesetzt sein wird – gerade in der Champions League.
Für Karl bedeutet das: Der Konkurrenzkampf verschärft sich spürbar. Auf der Zehnerposition droht er zunächst wieder ins zweite Glied zu rücken, auf dem Flügel ist Michael Olise derzeit kaum zu verdrängen. Einsatzminuten sind plötzlich keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern müssen neu erkämpft werden.
Für den FC Bayern ist diese Entwicklung kein Grund zur Sorge, sondern Teil eines normalen Reifeprozesses. Für Lennart Karl hingegen ist es die erste echte Bewährungsprobe seiner Karriere. Entscheidend wird sein, wie er mit diesem Rückschlag umgeht. Der Fabelstart hat Erwartungen geschürt – jetzt geht es darum zu zeigen, dass er auch mit Druck, Kritik und Konkurrenz umgehen kann. Genau darin liegt der nächste, vielleicht wichtigste Entwicklungsschritt.









































