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·17. Juli 2026
Nationalelf und Bundesliga brauchen die Amateure

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·17. Juli 2026

Fehlende Plätze und Trainer bremsen den Breitensport. Verbände sollen zu selbstbewussten Interessenvertretern von Millionen Amateuren werden.
Sprechen wir über die Zukunft des deutschen Fußballs, reden wir meistens über Nationalelf, Bundesliga und Champions League. Überall wird leidenschaftlich diskutiert, oft mit beschränkter Fachkenntnis, aber es scheint Spaß zu machen. Doch die eigentliche Zukunft des Fußballs entscheidet sich nicht am Tresen oder in der Mittagspause, sondern auf den Sportplätzen der Amateurvereine.
Und genau dort wachsen die Probleme.
Immer mehr Vereine erleben dieselbe Entwicklung: Die Nachfrage nach Fußball steigt, die Möglichkeiten sinken, Kinder stehen auf Wartelisten. Plätze, Trainer, Betreuer und Menschen, die Verantwortung übernehmen, fehlen. Bei vielen Vereinen in den Ballungsräumen gibt es einen Trend, die Zahl der Teams zu begrenzen. Das geschieht meist nicht aus Überzeugung, sondern aus Mangel an Ressourcen. Und es hat Folgen.
Niemand weiß, welches Talent von morgen wir heute verlieren. Vielleicht spielt der nächste Lamine Yamal, Jude Bellingham, Kylian Mbappé oder Lionel Messi gar nicht Fußball, weil sich kein Trainer gefunden hat. Talentförderung beginnt nicht erst im Nachwuchsleistungszentrum der Profivereine. Sie beginnt dort, wo ein Sechsjähriger zum ersten Mal in einer Mannschaft trainiert und Spaß am Sport erlangt.
Deshalb müsste auch der Profifußball ein elementares Interesse an starken Amateurstrukturen haben. Wer jedes Jahr Millionen in Transfers investiert, sollte wissen, dass die wertvollste Investition viel früher beginnt – auf den Plätzen der Breitensportvereine. Sieht man sich das Treiben rund um den neuen Bundestrainer an, scheint es nur noch um die Summe des Salärs und um Werbeverträge zu gehen. Auf den Amateurplätzen löst das eine weitere Entfremdung zum DFB und seinen Teams aus.
Die Verantwortung für bessere Bedingungen liegt vor allem bei den 21 Landesverbänden. Deren Aufgabe besteht nicht nur darin, den Spielbetrieb zu organisieren oder Satzungen zu verwalten. Sie müssen die Lobby des Amateurfußballs vor Ort sein. Sie müssen Politiker, Verwaltungen und Unternehmen immer wieder daran erinnern, welchen gesellschaftlichen Wert Fußballvereine haben. Sie müssen Kampagnen entwickeln, positive Geschichten erzählen und deutlich machen, dass Amateurfußball weit mehr ist als das Ergebnis vom Sonntag.
Wer sich in ein Verbandsamt wählen lässt, muss auch danach handeln! Die Ehrenkarte im Kuchenblock des Bundesligastadions oder die Reise zum Länderspiel sind es nicht, womit man die für die Amateurclubs nötigen Impulse schafft.
Die Vereine übernehmen Integrationsarbeit, fördern Gesundheit, vermitteln Teamgeist, schaffen Heimat und soziale Bindung. Ansgar Thiel, Rektor der Sporthochschule Köln, hat das gerade anschaulich skizziert. Sie erreichen Kinder, die viele andere Institutionen längst nicht mehr erreichen. Kaum ein anderer gesellschaftlicher Bereich bringt Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion, Bildung oder finanzieller Möglichkeiten so selbstverständlich zusammen wie der Fußballplatz. Die heterogene Zusammensetzung ist eine der größten Stärken.
Der Amateurfußball darf niemals zu einem Angebot für diejenigen werden, die es sich leisten können. Er muss offen für alle bleiben. Kinder aus einkommensschwachen Familien ebenso wie junge Menschen mit Fluchtgeschichte oder aus bildungsfernen Haushalten müssen am Fußball teilhaben können. Auch dort schlummern Talente, sportlich wie menschlich.
Wer ein Drittel der Kinder nicht erreicht, verzichtet zwangsläufig auch auf ein Drittel seines Potenzials. Gesellschaftlich ist das fatal. Sportlich ist es fahrlässig. Würden Kilian Mbappé oder Lamine Yamal bei uns überhaupt die Chance haben, einen Verein zu finden?
Das ist nicht seriös zu beantworten, aber eins steht fest: Der Amateurfußball braucht mehr als warme Worte. Er braucht politische Priorität. Sonst kann er seine Möglichkeiten nicht ausspielen. Fragen bleiben aber.
- Warum gibt es nicht viel mehr Kooperationen zwischen Schulen und Vereinen?
- Warum werden Trainer und Jugendleiter nicht stärker gefördert?
- Warum entstehen nicht mehr hauptamtliche Strukturen, die Ehrenamtliche entlasten?
- Warum gelingt es den Verbänden nicht, den Fußball trotz seiner Popularität auf die politische Agenda zu setzen?
Der Amateurfußball darf nicht als Nervensäge oder gar Problem betrachtet werden. Er ist eine Investition: in Gesundheit, Integration, Bildung und am Ende auch in den Spitzensport. Im Berliner Wahlkampf spielt der Sport (mit Ausnahme nicht sehr realistischer Olympischer Spiele) keinerlei Rolle. Und das, obwohl gut 800.000 Menschen Mitglied im Landessportbund sind, mehr als ein Viertel davon aus dem Fußball.
Die wichtigste Aufgabe der kommenden Jahre lautet: Der Amateurfußball muss aufhören, sich als Bittsteller zu verstehen. Und die Verbände müssen endlich die Rolle einnehmen, für die sie geschaffen wurden – als starke, selbstbewusste Interessenvertreter von Millionen Fußballerinnen und Fußballern.
Wie heißt es dort so gern: „Wir sind kein Problem, wir sind Teil der Lösung!“ Dann handeln wir doch bitte auch danach!
So viel ist sicher: Wenn das Fundament bröckelt, werden auch die Bundesliga und die Nationalmannschaft die Weltspitz nicht wieder erklimmen. Egal, wer Bundestrainer ist und wie hoch das Gehalt ausfällt.







































