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·7. Februar 2026
Ronaldos Streik entlarvt das Dilemma des saudischen Fußballprojekts

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·7. Februar 2026

Cristiano Ronaldo fehlt Al-Nassr offenbar aus Protest gegen die Transferpolitik. Die Liga mahnt, doch die Fans halten zu ihm. Das saudische Fußballprojekt steht vor einem Dilemma.
Cristiano Ronaldo fehlt, und die Fans feiern ihn trotzdem. Was bei jedem anderen Spieler als Arbeitsverweigerung gegeißelt würde, wird beim Portugiesen zur Solidaritätsaktion. In der siebten Minute hielten die Zuschauer bei Al-Nassrs 2:0 gegen Al-Ittihad Plakate mit seiner Trikotnummer hoch. Eine bemerkenswerte Szene, die viel über den Status des 41-Jährigen aussagt – und noch mehr über die Verhältnisse im saudischen Fußball.
Ronaldo hat offenbar die Arbeit niedergelegt, weil ihm die Transferpolitik seines Klubs nicht passt. Die portugiesische Zeitung A Bola berichtete von einem Streik, ausgelöst durch Unzufriedenheit mit der Vereinsführung unter dem saudischen Staatsfonds PIF. Bereits das 1:0 gegen Al-Riyadh am Montag verpasste er, nun folgte das nächste Fernbleiben. Der Verein schweigt zu den Gründen, Ronaldo selbst postete lediglich ein Trainingsfoto mit zwei Herzen in den Klubfarben.
Die Reaktion der saudischen Pro League fiel erwartbar aus. Kein Einzelner, wie bedeutend er auch sein mag, dürfe sich über seinen Verein erheben, ließ ein Sprecher verlauten. Ein Satz, der in seiner Allgemeingültigkeit kaum zu bestreiten ist. Nur trifft er auf eine Realität, die das Gegenteil beweist: Ronaldo ist größer als Al-Nassr, größer als die Liga, möglicherweise größer als das gesamte saudische Fußballprojekt.
Genau darin liegt das Problem für alle Beteiligten. Saudi-Arabien hat Milliarden investiert, um den Fußball als Instrument der Imagepolitik zu nutzen. Ronaldo war der prominenteste Baustein dieser Strategie. Doch wer einen Spieler holt, dessen Ego mindestens so groß ist wie sein Talent, muss mit den Konsequenzen leben. Der fünfmalige Weltfußballer hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er Ansprüche stellt. Dass er diese nun auch in Riad durchzusetzen versucht, überrascht niemanden, der seine Karriere verfolgt hat.
Die Solidarität der Fans ist dabei das eigentlich Erstaunliche. Sie zeigt, dass Ronaldos Strahlkraft selbst dann funktioniert, wenn er nicht auf dem Platz steht. Für Al-Nassr ist das Fluch und Segen zugleich. Der Klub gewinnt auch ohne seinen Star, aber die Geschichte des Abends schreibt trotzdem der Abwesende.
Ob Ronaldo zurückkehrt, wann er zurückkehrt und zu welchen Bedingungen – all das bleibt offen. Sicher ist nur: Ein 41-Jähriger, der seinen Arbeitgeber öffentlich unter Druck setzt, hat entweder sehr gute Karten oder gar keine mehr. Bei Ronaldo spricht vieles für Ersteres. Die Frage ist, ob Saudi-Arabien bereit ist, diesen Preis zu zahlen. Bisher deutet alles darauf hin.








































