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·24. Februar 2026
Rot-Weiss Essen: Doch nicht auf Augenhöhe mit der Ligaspitze?

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Das Spitzenspiel beim VfL Osnabrück war eine klare Standortbestimmung mitten auf dem Weg in die wichtigste Saisonphase – und Rot-Weiss Essen lieferte mit der 0:3-Pleite jede Menge Fragezeichen. Doch auch der Umgang mit der Niederlage sät Zweifel, ob der gesamte Verein bereits aufstiegsreif ist.
"Mehr Augenhöhe geht kaum" – so hatte RWE-Trainer Uwe Koschinat das Osnabrück-Spiel im Vorfeld angepriesen. Und wer die Interviews und Pressekonferenzen des 54-Jährigen aufmerksam verfolgt, der weiß: Dieser Mann macht sich rund um den Sport, den er so liebt, jede Menge kluger Gedanken. Er kann Zusammenhänge richtig einordnen und ist überhaupt jemand, der sich rhetorisch äußerst gut verkaufen kann.
Entsprechend nah lag es nun, ein enges Spiel an der Bremer Brücke zu erwarten, vielleicht einen Abnutzungskampf auf lila-weiße Art, vielleicht ein unverhofftes Spektakel nach Rezept von RWE. Am Ende pointierte das Spiel sämtliche Stärken der Niedersachsen und alles, was den Mannen aus dem Ruhrgebiet zu einer Spitzenmannschaft fehlt. 0:3 – das mochte sich vielleicht ein Tor deutlicher anhören, als es verdient war. Doch über die Niederlage gab es aus Essener Sicht wenig zu diskutieren. Da war nichts auf Augenhöhe. Und das war besorgniserregend.
Die Liste an Erklärungen war umso länger. Da fielen Begriffe wie Kampf, Griffigkeit, Kraft und Leidenschaft – aber vieles, was in diesen 90 Minuten in Osnabrück in Stückwerk gemündet war, blieb schwer nachvollziehbar. War es ein Eingeständnis, dass RWE die spieltaktischen Elemente fehlten, hervorragend eingestellten Osnabrückern Probleme zu bereiten? Spielte womöglich auch der Druck eine Rolle, nach zuletzt wenig überzeugenden Auftritten in Aachen (3:3) sowie selbst beim knappen Heimsieg über Regensburg (3:2) wieder eines Spitzenteams würdig auftreten zu wollen? Vielleicht sogar endlich mal wieder die Null halten zu wollen?
Auch wenn das Ergebnis primär dank gnadenloser Effizienz so deutlich ausfiel, sind die Fakten nicht zu leugnen: Essen hat wieder drei Treffer kassiert, 41 (!) Gegentore bedeuten Platz 14 in der Liga. Mehr als neidisch musste da der Blick auf den direkten Gegner geworfen werden, der bereits seine 13. weiße Weste sammelte – RWE steht immer noch bei drei Zu-Null-Spielen, keines davon im laufenden Jahr.
Ein unwürdiger Wert für eine Defensivreihe, die mit Michael Schultz, Tobias Kraulich und Jose-Enrique Rios Alonso aus drei langjährigen Spitzenkräften der 3. Liga besteht. Doch wöchentlich sieht mindestens ein Akteur aus diesem Trio nicht gut aus – am Samstag war es Schultz. Doch mehr noch sorgte der 32-Jährige im Nachgang mit einem emotionalen Interview für Aufsehen: Jeder mache Fehler, auch er. Doch er habe das Gefühl, dass in Essen auf Fehler gewartet würde, vermutete der 32-Jährige, um daraufhin umso mehr den Zusammenhalt zu beschwören.
In Essen dürfte er damit einen wunden Punkt treffen, denn die Ambitionen des Umfelds sind hinlänglich bekannt und werden durch konstant verbesserte finanzielle Ausgangslagen von Jahr zu Jahr mehr unterfüttert. Der damit verbundene Druck ist aber längst auf besorgniserregendem Niveau angekommen. Es erinnert an gar nicht weit entfernte Zeiten, als RWE gut ein Jahrzehnt damit verbrachte, aus den Niederungen von Regional- und teils sogar Oberliga emporzuklettern – und sich genau in dieser Zeit der Saison stets von kleinen Rückschlägen schwer verunsichern ließ.
Der Frust und Unmut, der aus dem Osnabrücker Gästeblock in Richtung Rasen schallte, war jedenfalls ein klares Zeichen: Längst ist der positive Ausgang dieser Saison klar mit der Zweitliga-Rückkehr verknüpft. Gelingt dies RWE nicht, haben Spieler, Trainer und sportliche Leitung an der Hafenstraße einen ganz schweren Stand. So oder so werden insbesondere die Heimspiele weiterhin unangenehm, da dort wirklich nichts mehr schief laufen darf, um weitere Pfiffe und Verunsicherung zu vermeiden. Lauter werdende Fan-Kritik an Koschinat, wenn sie sich auch noch auf Kommentare im Netz beschränkt, bestätigt das. Auch wenn den – nun auch psychologisch maximal geforderten – Fußballlehrer sicherlich nicht die Alleinschuld an der vertrackten Situation trifft.
Was hilft es: Nun hat Essen der jährlichen Unruhe die Tür aufgemacht und das Ungemach mindestens im Windfang, wenn nicht schon im ganzen Haus. Wie wird man es möglichst schnell wieder los? Der Blick auf die Tabelle hilft nur bedingt: Drei Punkte beträgt der Rückstand auf die Plätze 2 und 3 nun, dazu hat das Torverhältnis kräftig gelitten. Die kommende Aufgabe ist unter diesen Umständen reizvoll und gefährlich zugleich: Erneut geht es in die Fremde. Diesmal wartet Hansa Rostock, das noch bedeutend schlechter in Form ist. Auch weil sich parallel Cottbus und Verl zwangsläufig Punkte stehlen, könnten die Rot-Weißen der Katerstimmung schnell Herr werden. Aber wehe, wenn nicht..
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