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·11. Mai 2026

Rummenigges Vorstoß: Schluss mit dem überflüssigen Schauspiel am VAR-Monitor!

Artikelbild:Rummenigges Vorstoß: Schluss mit dem überflüssigen Schauspiel am VAR-Monitor!

Karl-Heinz Rummenigge will die Kompetenz vom Platz in den Videokeller verlagern und so Schiedsrichter entlasten sowie Zeit im Spiel sparen.

Karl-Heinz Rummenigge hat im Interview mit dem kicker einen Vorschlag gemacht, der die bisherige Arbeitsteilung zwischen Platz- und Videoschiedsrichter auf den Kopf stellen würde. Der 70-Jährige plädiert dafür, dem VAR die Kompetenz zu geben, Entscheidungen direkt zu treffen, statt sie dem Mann auf dem Rasen zur finalen Bestätigung vorzulegen. Bislang sehen die Statuten vor, dass der Schiedsrichter auf dem Feld immer das letzte Wort hat. Rummenigge hält das für eine Konstruktion, die eher Zeit kostet, als Klarheit schafft.


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Sein Kronzeuge ist der Faktor Zeit. Wer sich Bundesligaspiele anschaut, weiß, wovon er spricht: Der Pfiff, das Zögern, der Gang zur Seitenlinie, das lange Hin- und Herwechseln der Perspektiven am kleinen Monitor, und am Ende die Geste, die längst jeder im Stadion erwartet hat. Rummenigge formuliert es nüchterner: „Der Schiedsrichter auf dem Platz muss nicht die finale Entscheidung fällen." Wenn im Keller ohnehin Profis sitzen, die Zugriff auf sämtliche technischen Hilfsmittel haben, warum sollte man die Entscheidung dann noch einmal durch einen Mann laufen lassen, der sie unter Zeitdruck, Lärm und Sichtversatz bestätigen soll?

Dahinter steht eine Logik, die schwer zu widerlegen ist. Der VAR greift, so Rummenigges These, „in den meisten Fällen" nicht unbegründet ein. Das heißt im Umkehrschluss: Wenn sich die Kollegen melden, ist etwas passiert. „Wir wissen, sobald es diesen Call gibt, passiert etwas. Sonst hätten die Kollegen im Keller sich nicht eingeschaltet", sagt er. Die Frage, die er aufwirft, ist also keine kleine Kosmetik an der Regelauslegung, sondern eine der Zuständigkeit: Wer entscheidet dort, wo am besten entschieden werden kann?

Bemerkenswert ist, wie Rummenigge die Perspektive dreht. Er präsentiert seinen Vorschlag nicht als Misstrauensvotum gegen die Schiedsrichter, sondern als Entlastung. „Man hilft ihnen", sagt er. Die aktuelle Praxis sei ein „überflüssiges Schauspiel", das einen Mann in die Verantwortung bringe, „der nicht mehr exklusiv verantwortlich ist, weil im Keller die Entscheidung längst gefallen ist." Das ist der wunde Punkt der gegenwärtigen Konstruktion: Die formale Autorität liegt auf dem Platz, die tatsächliche Bewertung der Bilder findet längst woanders statt. Wer den Widerspruch auflöst, schafft nach Rummenigges Lesart weniger Macht für einen Einzelnen, dafür mehr Klarheit für alle.

Der Einwand liegt auf der Hand: Das Spiel lebt vom Platz, von der Unmittelbarkeit, von einem Unparteiischen, der es in der Hand hat. Dieses Bild hat Fußballgenerationen geprägt, und es ist nicht umsonst in den Statuten verankert. Andererseits lässt sich kaum bestreiten, dass diese Idee durch die Einführung des VAR ohnehin schon verwässert wurde – nur eben halbherzig, in einer Zwischenform, die niemandem richtig hilft. Rummenigge macht den Vorschlag, diesen Zwischenzustand zu beenden, indem man ihn zu Ende denkt.

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