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·10. Februar 2026
RWE: Stimmung besänftigt, Stabilitätsprobleme offenbart

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Was taten sie aus Sicht von Rot-Weiss Essen gut, die beiden Tore von Neuzugang Dickson Abiama in der Schlussphase auf dem Aachener Tivoli. RWE bleibt schwer zu schlagen, das bewahrheitete sich beim 3:3-Remis einmal mehr. Doch über die Art und Weise muss geredet werden – und auch über das nächste Kapitel in der Causa Ahmet Arslan.
Es gibt Medikamente, die gehen direkt an die Ursache – und solche, die bekämpfen lediglich kurzfristig die Symptome. Der Stimmungsaufheller, den Rot-Weiss Essen seinen 3.000 mitgereisten Fans in der Schlussphase beim Gastspiel in Aachen spät bescherte, war eindeutig der zweiten Kategorie zuzuordnen: Dieser Abiama-Doppelpack gegen allmählich müde Hausherren rettete irgendwie einen eigentlich völlig gebrauchten Nachmittag. Und doch verbietet es sich, die vorherige Leistung schönzureden, denn diese hätte die lange erwartete 1:3-Niederlage wohl auch in der Höhe verdient gehabt: Eine "herausragende Alemannia", das musste selbst RWE-Coach Uwe Koschinat anerkennend erwähnen, hatte dem nominellen Favoriten über die gesamte Spieldauer kaum Luft zum Atmen gelassen und eine echte Schwachstelle des Mitfavoriten präsentiert.
Giftig, gallig, unbequem und mit großem Herz hatte Aachen jegliche individuelle Qualitätsnachteile vergessen gemacht und mit den wenigen Spielern, die in dieser Liga zur Premium-Ware gehören – in Worten etwa Lars Gindorf und Mika Schroers – Nachlässigkeiten der RWE-Defensive schwer bestraft. Waren es bei der Hinspiel-Niederlage (2:3) noch erstaunliche drei Elfmeter, so bewies der TSV dieses Mal bei allen Treffern, dass Essen auch aus dem Spiel heraus verwundbar ist. Immer wieder verloren die Gäste Zweikämpfe, die Koschinat als "Fifty-Fifty-Duelle" bezeichnete, und wurden danach mit schnellen Pässen ausgespielt.
Die offensive Abhängigkeit von Marek Janssen mochte dank Joker Abiama und dem zwischenzeitlichen Ausgleichs-Schützen Kaito Mizuta erst einmal in den Hintergrund rücken, dafür ist es nun einmal mehr die – zumindest derzeit – lange nicht zweitliga-taugliche Defensivstatistik, die Fragen aufwirft. Schließlich bedeuten die Gegentore 34 bis 36 rein numerisch einen Wert auf Augenhöhe mit den Abstiegskandidaten Aue und Saarbrücken. Die Vorjahres-Aufsteiger Bielefeld (36) und Dresden (40) holten im ganzen Saisonverlauf ungefähr so viele Bälle aus den Netzen, wie RWE kurz nach Rückrundenbeginn. Hochgerechnet auf 38 Partien würde Essen bei fast 60 (!) Gegentoren enden. Kleiner Muntermacher: Es gab tatsächlich schon einen Drittligisten, der trotz dieser Defensivschwäche den direkten Aufstieg schaffte – die Würzburger Kickers im Jahr 2020.
Kurzfristig sehen die Vorzeichen wenig besser aus. Stammtorhüter Jakob Golz wird noch für einige Spieltage verletzungsbedingt zusehen müssen, und obgleich sein Ersatz Felix Wienand in Aachen nicht schwer patzte, fehlte die Sicherheit der etatmäßigen Nummer Eins. In der erfahrenen, aber am Sonntag ebenso nicht stabilen Dreierkette Kraulich/Rios Alonso/Schultz fehlt mit Letztgenanntem beim Heimspiel gegen Regensburg erneut ein Stützpfeiler, Wintertransfer Ben Hüning dürfte die nächste Bewährungschance erhalten. Klar erkennbar verstärkt sich das Statikproblem ohne Klaus Gjasula; der 36-Jährige fehlte in Aachen aufgrund einer Sprunggelenksverletzung und mit ihm jene Prise Mentalität, die der Alemannia-Spielweise hätte entgegengebracht werden müssen.
Koschinat sah nach dem Comeback zurecht auch Positives und zitierte eine "innere Stabilität", unter anderem nach je einem frühen Gegentreffer pro Halbzeit noch wiederzukommen und die aufkommende Aachener Müdigkeit mit frischer Qualität von der Bank auszunutzen. Es war die vielleicht einzige nachgewiesene Spitzenteam-Qualität, die RWE an diesem 23. Spieltag im Gepäck hatte – und das übrigens erneut, ohne auf die Dienste von Ahmet Arslan zu setzen. Der wohl deutlichste Fingerzeig von Koschinat zum Standing jenes Akteurs, der vor einem Jahr noch der vielleicht wichtigste Faktor des rot-weissen Sturms aus dem Tabellenkeller war. In der Gegenwart verzichtete der RWE-Trainer beim Stand von 1:3 lieber auf den ihm zustehenden fünften Spielerwechsel.
Letztlich gehört zur Gesamtbetrachtung jenes Abends: Die erst drei Saisonniederlagen und eine Serie von aktuell acht Partien am Stück ohne Nullrunde sind kein reines Zufallsprodukt und sprechen klar für die intakte Moral der Mannschaft. Bleibt aus Sicht des Deutschen Meisters von 1955 nur zu hoffen, dass die Entwicklung des Aachen-Spiels eine einmalige bleibt. Auch die deutliche Fan-Unzufriedenheit, die trotz der vermiedenen Niederlage im Gästeblock des Tivoli zu spüren war, lassen an der Hafenstraße vermuten: RWE ist mal wieder nur einen Patzer von echter Katerstimmung entfernt – entsprechend viel Gewicht lastet auf der vermeintlichen Pflichtaufgabe daheim gegen Jahn Regensburg am kommenden Wochenende.
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