Strittige Szenen am 6. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati | OneFootball

Strittige Szenen am 6. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati | OneFootball

In partnership with

Yahoo sports
Icon: liga3-online.de

liga3-online.de

·17. September 2026

Strittige Szenen am 6. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati

Artikelbild:Strittige Szenen am 6. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati

Die nicht gegebenen Elfmeter für Aachen (3), Saarbrücken und Mannheim, das 1:2 von Münster, die Platzverweise gegen Mausehund und Chaikhoun, der Ellenbogenschlag von Coskun, der Strafstoß für Rostock, das 2:2 von Stuttgart II, das Tor von Regensburg sowie der verwehrter Treffer von Düsseldorf. Am 6. Spieltag hat sich Ex-FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati für liga3-online.de 13 strittige Szenen genauer angeschaut.

Hintergrund: Babak Rafati war viele Jahre Bundesliga- & FIFA-Schiedsrichter. Insgesamt leitete der heute 56-Jährige 84 Erst-, 102 Zweit-, 13 Drittliga- und zahlreiche internationale Spiele. Exklusiv für liga3-online.de analysiert der erfahrene Schiedsrichter seit März 2015 jeden Spieltag die strittigen Szenen, die durch die Redaktion im Vorfeld ausgewählt werden. Zudem ist er Kolumnist und TV-Experte für Bundesliga-Spiele. Im Hauptberuf arbeitet Rafati heute als Mentalcoach für Profifußballer und Manager und ist ein viel gefragter Referent in der freien Wirtschaft, unter anderem bei DAX-Unternehmen zum Thema Stressmanagement und Motivation. Mehr Infos unter babak-rafati.de.


OneFootball Videos


Artikelbild:Strittige Szenen am 6. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati

Szene 1: Mika Schroers (Aachen) läuft auf das Tor zu und geht im Duell mit Marko Rajkovacic (Würzburg) zu Fall. Kein Elfmeter, sagt Schiedsrichter Martin Wilke. [TV-Bilder – ab Minute 0:40]

Babak Rafati: Bei dieser Aktion springt Keeper Rajkovacic in den Zweikampf mit Schroers und riskiert Kopf und Kragen. Dabei trifft er erst den Gegner in die Füße, bringt ihn dadurch zu Fall und kann erst unmittelbar danach den Ball aufnehmen. Der Fußtreffer (Foulspiel) passiert zuerst, zudem wäre eine anschließende Balleroberung womöglich ohne das zuvor begangene Foulspiel gar nicht möglich gewesen, sodass ein Foulspiel vorliegt. Somit hätte es einen Elfmeter geben müssen. Eine Karte wäre nicht erforderlich. Eine Fehlentscheidung dennoch, dieses Foulspiel des Keepers nicht zu ahnden.

Szene 2: Im Strafraum bekommt Ebrahim Farahnak (Würzburg) den Ball nach einem Schuss von Louis Köster (Aachen) an den Arm, das Spiel läuft weiter. [TV-Bilder – ab Minute 4:00]

Babak Rafati: Der Ball kommt nach einem Schuss von Köster zunächst aus kurzer Distanz Richtung Tor. Farahnak bekommt dabei den Ball erst an den rechten Oberschenkel, und von da aus springt das Spielgerät an den rechten Arm, der aber angelegt ist. Der Verteidiger versucht sogar noch, den Arm wegzuziehen, was ihm aber nicht ganz gelingt. Das ist somit kein absichtliches Handspiel, sodass es nicht strafbar ist. Eine richtige Entscheidung, weiterspielen zu lassen und keinen Elfmeter zu geben.

Szene 3: Mehdi Loune (Aachen) dringt in den Strafraum ein und geht zu Fall. Wilke wertet die Szene als Schwalbe und zeigt Loune Gelb. [TV-Bilder – ab Minute 2:12:25]

Babak Rafati: Loune tickt im gegnerischen Strafraum den Ball an und legt sich das Spielgerät am Gegenspieler vorbei. Dieser holt mit dem Fuß aus, um zum Ball zu gehen, zieht dann aber wieder zurück, um kein Foulspiel zu begehen. Gleichzeitig will ein weiterer Verteidiger den Fuß zurückziehen, um ein Foulspiel zu vermeiden – was er auch durch beide erhobene Arme signalisiert -, allerdings trifft er Loune am Fuß und bringt ihn dadurch zu Fall. Auch wenn diese Aktion vom Verteidiger unbeabsichtigt ist, liegt ein Foulspiel vor, sodass es einen Elfmeter hätte geben müssen. Eine Fehlentscheidung, auf Schwalbe zu entscheiden.

Artikelbild:Strittige Szenen am 6. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati

Szene 4: Für zwei Foulspiele sieht Yannick Mausehund (Havelse) von Schiedsrichterin Davina Lutz jeweils Gelb und muss vom Platz. [TV-Bilder – ab Minute 2:23:25]

Babak Rafati: Bei der ersten Aktion bemerkt Mausehund, dass er nicht an den Ball kommt und will daher seinen Gegenspieler hindern, das Spielgerät zu erreichen. Daher nimmt er den Ellenbogen heraus und setzt ihn als Werkzeug ein, sodass der Gegenspieler diesen an den Hals bzw. ins Gesicht bekommt. Da kein Schlag vorliegt, vielmehr ein Herausnehmen des Armes, mit dem Bewusstsein, den Gegner damit abzuhalten, was auch gelingt, ist die gelbe Karte eine richtige Entscheidung. Bei der zweiten Aktion ist nach einem langen Ball der Blick von Mausehund nur zum Gegner gerichtet und somit gegnerorientiert. Dabei gibt er ihm einen Check und bringt ihn dadurch zu Fall. Auch das ist ein rücksichtsloser Einsatz, somit ist auch diese gelbe Karte, die folglich zu einer gelb-roten Karte führt, eine richtige Entscheidung.

Szene 5: Can Coskun (Duisburg) checkt Robin Velasco (Havelse) per Ellenbogenschlag weg. Geahndet wird die Szene nicht. [TV-Bilder – ab Minute 3:10]

Babak Rafati: Außerhalb des Blickfeldes des Schiedsrichtergespanns checkt Coskun seinem Gegenspieler Velasco den Ellenbogen ins Gesicht. Das ist unumstritten ein Schlag, der mit der roten Karte geahndet werden muss. Eine Fehlentscheidung, dieses Vergehen nicht entsprechend zu ahnden. Man muss aber auch ehrlicherweise feststellen, dass dieses Vergehen untergehen kann, da sich die Szene in einem Bereich abspielt, bei dem niemand damit rechnen kann, dass etwas passieren könnte. Selbst die Spieler auf dem Platz haben davon nichts mitbekommen und reagieren erst, nachdem Velasco am Boden liegt. Daher kein Vorwurf an das Gespann, auch wenn der Ärger der Havelser nachvollziehbar ist.

Artikelbild:Strittige Szenen am 6. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati

Szene 6: Bei einem Zweikampf im Mittelfeld kommt Kai Brünker (Saarbrücken) gegen Torge Paetow (Münster) zu Fall, Schiedsrichter Simon Schreiner lässt weiterlaufen. Aus dem Angriff fällt das 1:2 für Münster. [TV-Bilder – ab Minute 1:40]

Babak Rafati: Bei diesem Zweikampf im Mittelfeld ist Paetow in der besseren Position zum Ball. Brünker geht selbst von hinten in den Zweikampf und kommt durch den Arm von Paetow zu Fall. Allerdings ist der Arm von Paetow durch eine natürliche Bewegung in der Position und darf auch dort sein. Durch die Bewegungsabläufe der beiden Spieler zum Ball ist der Arm in diese Position geraten und wird nicht bewusst im Zweikampf zu Hilfe genommen, um Brünker zu foulen. Das ist ein reines Positionsgerangel, das im Fußball üblich und regelkonform ist. Somit liegt kein Foulspiel vor, sodass es die richtige Entscheidung ist, diesen Zweikampf weiterlaufen zu lassen und den anschließenden Treffer anzuerkennen.

Szene 7: Im Strafraum bekommt Niko Bretschneider (Saarbrücken) den Ball von Montell Ndikom (Münster) an den Arm. Kein Elfmeter, sagt Schreiner. [TV-Bilder – ab Minute 2:00:55]

Babak Rafati: Ndikom will sich den Ball im Strafraum an zwei Verteidigern vorbeilupfen. Dabei bekommt Bretschneider den Ball aus kurzer Entfernung an den Arm, wobei der Arm angelegt ist. Als der Ball an den Arm kommt, versucht der Verteidiger sogar diesen wegzuziehen. Somit liegt eine natürliche Haltung vor, sodass es kein strafbares Handspiel ist. Eine richtige Entscheidung, weiterspielen zu lassen und keinen Elfmeter zu geben.

Artikelbild:Strittige Szenen am 6. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati

Szene 8: Andreas Voglsammer (Rostock) geht im Strafraum gegen Jerik von der Felsen (Stuttgart II) zu Fall, Schiedsrichter Leonidas Exuzidis zeigt auf den Punkt. [TV-Bilder – ab Minute 1:20]

Babak Rafati: Voglsammer wird im Strafraum angespielt und will sich den Ball erlaufen, da kommt Keeper von der Felsen aus seinem Tor herausgeeilt und wirft sich in den Zweikampf, um den Ball zu spielen. Dabei verpasst er das Spielgerät, trifft stattdessen Voglsammer unten am Fuß und bringt ihn zu Fall. Das ist ein Foulspiel, und somit liegt eine richtige Entscheidung vor, auf Elfmeter zu entscheiden. Auch wenn der Stürmer diesen Kontakt dankend annimmt, ändert das nichts an der Richtigkeit der Entscheidung. Eine gelbe Karte gegen den Keeper ist nicht vorgeschrieben, da das Foulspiel im Kampf um den Ball passiert.

Szene 9: Auf Vorlage von Nicolas Sessa trifft Veit Stange zum 2:2 für Stuttgart II. Hansa reklamiert Abseits, der Treffer zählt. [TV-Bilder – ab Minute 2:35]

Babak Rafati: Zum Zeitpunkt des Abspiels von Sessa steht Mitspieler Stange knapp in Abseitsposition, sodass eine Fehlentscheidung vorliegt, diesen Treffer anzuerkennen. Das kann man bei 2:58 Minuten von der Hintertorkamera am besten erkennen. Stange steht mit dem linken Fuß und seinem Knie knapp näher zur Strafraumlinie (Strafraumlinie als Orientierung, regeltechnisch ist die Torlinie relevant) als der Verteidiger. Man könnte aus dieser Perspektive allerdings meinen, dass das Bein des Verteidigers durch den Spreizschritt das Abseits aufhebt, allerdings muss man berücksichtigen, dass es das rechte Bein ist – also auf der abgewandten Seite -, sodass das nicht zutrifft.

Artikelbild:Strittige Szenen am 6. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati

Szene 10: Im Strafraum nimmt Nassim Boujellab (Regensburg) den Ball an, hat das Bein dabei gegen Jorrit Hendrix (Düsseldorf) aber sehr hoch. Schiedsrichter Timo Gansloweit pfeift nicht, direkt danach fällt das 1:0. [TV-Bilder – ab Minute 1:05]

Babak Rafati: Das Bein von Boujellab ist bei der Ballannahme im Zweikampf einfach zu hoch, sodass Hendrix nicht richtig zum Kopfball kann. Auch wenn er überhaupt nicht berührt wird, liegt ein zu hohes Bein vor, sodass regeltechnisch wegen eines „gefährlichen Spiels“ hätte abgepfiffen werden müssen. Die Spielfortsetzung wäre dann ein indirekter Freistoß für Düsseldorf, sodass das Tor von Regensburg nicht hätte zählen dürfen. Eine Fehlentscheidung, weiterspielen zu lassen und das zu hohe Bein nicht zu ahnden. Womöglich war der Schiedsrichter nicht fokussiert genug, da er sich kurz zuvor wegducken muss, um den Ball nicht abzubekommen. Hätte er sich kurz vor der Flanke zu Boujellab weiter nach links orientiert, um nicht im Weg zu stehen, wäre er vielleicht konzentrierter gewesen und hätte die Szene besser wahrnehmen und richtig einschätzen können.

Szene 11: Philipp Förster bringt den Ball zum 2:1 im Tor unter, allerdings pfeift Gansloweit ein Offensivfoul von Anas Slimani im Angriff. [TV-Bilder – ab Minute 57:25]

Babak Rafati: An der Seitenlinie außerhalb des Blickfeldes des Schiedsrichters hält Slimani seinen Gegenspieler am Arm fest und bringt ihn zu Fall. Das wird offensichtlich vom Assistenten erkannt und schlussendlich geahndet. Somit liegt eine vertretbare Entscheidung vor, auch wenn solche Vorgänge – die etwas weiter weg vom Geschehen passieren und nicht gravierend sind wie in dieser Szene – in der Praxis durchgewunken werden.

Artikelbild:Strittige Szenen am 6. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati

Szene 12: Im Strafraum kommt Julian Ulbricht (Mannheim) an den Ball und geht im Duell mit Janne Sietan (Essen) zu Fall. Einen Elfmeter gibt Schiedsrichter Jarno Wienefeld nicht. [TV-Bilder – ab Minute 1:23:10]

Babak Rafati: Im Strafraum kommt es zu einer undurchsichtigen und für den Schiedsrichter schwierigen Szene, bei der Sietan zwar ein wenig den Ball spielt, aber im gleichen Bewegungsablauf auch Ulbricht entscheidend am Fuß trifft. Das ist im Gesamtbild ein Foulspiel, sodass es einen Elfmeter hätte geben müssen. Eine Fehlentscheidung, weiterspielen zu lassen und keinen Elfmeter zu geben. Die Flugbahn des Balles ist so zu erklären, dass der Verteidiger den Ball leicht spielt, dieser dann an den Fuß des Angreifers prallt und von da aus unkontrolliert nach links fliegt anstatt Richtung Tor.

Artikelbild:Strittige Szenen am 6. Spieltag: Die Analyse von Babak Rafati

Szene 13: Ayoub Chaikhoun (Wiesbaden) dringt in den Strafraum ein und kommt gegen Georg Strauch (Köln) zu Fall. Doch statt auf Elfmeter zu entscheiden, wertet Schiedsrichter Timon Schulz die Szene als Schwalbe und zeigt dem bereits verwarnten Chaikhoun die gelb-rote Karte. [TV-Bilder – ab Minute 3:00]

Babak Rafati: Bei diesem Zweikampf knapp außerhalb des Strafraumes grätscht Strauch zum Ball, verfehlt das Spielgerät, berührt aber höchstwahrscheinlich Chaikhoun, der sich dann fallen lässt. Ob diese höchstwahrscheinliche Berührung ausreicht, um zu Fall zu kommen, kann nur spekuliert werden. Ob aber auch Chaikhoun durch den Bewegungsablauf nur aus der Balance kommt oder nicht, kann auch nicht zweifelsfrei bewertet werden. Wenn man aber eine Schwalbe pfeift, muss diese so klar sein, dass keine Zweifel bestehen. Bei dieser Entscheidung des Schiedsrichters bleiben aber viel mehr Zweifel, als dass man diese Entscheidung nachvollziehen kann. Somit liegt eine Fehlentscheidung vor, dem bereits verwarnten Chaikhoun die gelb-rote Karte zu zeigen. Besser wäre es gewesen, weiterspielen zu lassen und nicht unnötig in das Spielgeschehen einzugreifen.

Impressum des Publishers ansehen