Rund um den Brustring
·15. Februar 2026
Undamirovic!

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·15. Februar 2026

Gegen den 1. FC Köln zeigt der VfB zunächst eine Reaktion auf das enttäuschende Spiel in Hamburg, bevor er sich wieder selber das Leben schwer macht. Zum Glück haben wir zwei, die den Unterschied machen.
Jaja, ich weiß. Es ist alles ganz schlimm, wie auch der Vertikalpass unlängst mit satirischem Ton feststellte. Der VfB verlor bei St. Pauli und schon ist das Saisonziel in Gefahr, die Transferpolitik eine Katastrophe und überhaupt, wo waren eigentlich Deniz Undav und Ermedin Demirovic in Hamburg? Betrachtet man bei unserem 50-Millionen-Euro-Sturm mal ganz nüchtern die Zahlen in dieser Saison, so stellt man fest: Undav traf in 29 Pflichtspielen 16 Mal, Demirovic in 20 Partien zehn Mal — mit anderen Worten in mindestens jedem zweiten Spiel trifft einer von ihnen. Meist trifft im einen Spiel der eine, im anderen der andere, diesmal traf in Hamburg niemand und im Heimspiel gegen Köln: beide.
Wenn man wissen will, warum die Brustringträger das Spiel gegen den abstiegsbedrohten FC nach dominanter Anfangsphase und gedankenlosen Ballverlusten am Ende doch noch gewannen, landet man unweigerlich bei den beiden Stürmern des VfB. Natürlich dürfen wir in der Bewertung des aktuellen Erfolgs auch Spieler wie Jamie Leweling — der Demirovic sehenswert den Führungstreffer auflegte und in Hamburg ebenswo sehenswert traf — oder Chris Führich nicht vergessen. Aber es sind eben am Ende Undav und Demirovic die maßgeblich dazu beitragen, dass der VfB aktuell erneut eine der erfolgreichsten Spielzeiten seiner Bundesliga-Geschichte spielt.
Das wäre an sich nicht der weiteren Diskussion wert, wenn es nicht im Umfeld des VfB dieses unstillbare Verlangen danach gäbe, jetzt aber endlich mal nachweisen zu können, dass man in Bad Cannstatt seit drei Jahren in einer Fantasiewelt lebt und irgendwann, bestimmt ganz bald, das böse Erwachen kommen wird. Undav sei zu dünnhäutig heißt es da und lasse die offensichtlichsten Chancen liegen und Ermedin Demirovic, der in 69 Pflichtspielen für den VfB 27 Treffer erzielte, passe ohnehin nicht ins System und werde hoffentlich im Sommer abgegeben. Wer sieht, wie er die bereits erwähnte Kopfballablage von Leweling oder die Flanke aus vollem Lauf von Hendriks im Tor unterbringt, dürfte anderer Meinung sein. Und ja, Deniz Undav hätte bereits nach wenigen Sekunden das Spiel in Richtung des VfB lenken können — dafür machte er in den letzten Sekunden den Deckel drauf.
Worüber wir aber reden müssen, ist die Nachlässigkeit, mit der sich der VfB erneut selber in die Bredouille brachte. Gegen Bern schon ließ man das eigene Spiel nach der Führung schleifen, nach Jeff Chabots halbgarem Pass aus dem eigenen Strafraum und dem daraus resultierenden Ausgleich bettelte die Mannschaft gerade zu um den nächsten Gegentreffer, bevor sie sich fing und das Spiel am Ende doch zu machte. Nach einer (fast) ganzen Woche auf dem Trainingsplatz inklusive zwei freier Tage zur Regeneration ziemlich unverständlich, denn wir sollten nach dem St.-Pauli-Spiel eigentlich heiß darauf sein, diese Partie gegen lange harmlose Kölner früh zu entscheiden, um sich dann gegebenenfalls schon etwas für das schwere Spiel in Schottland am Donnerstag zu schonen. Stattdessen schob der VfB wieder Überstunden, um die drei Punkte einzutüten.
Diese Beharrlichkeit, diese Fähigkeit am Ende doch noch einmal hochzufahren, ist natürlich auch eine Qualität, die wir brauchen werden. Gleichzeitig können wir uns solche Schwächephasen immer weniger leisten. St. Pauli hat schon gezeigt, was passiert, wenn man gegen einen determinierten Gegner nicht richtig in den flow kommt. Die Gegner werden in den Pokalwettbewerben nicht leichter und in der Liga nicht weniger verzweifelt. Was die Mannschaft kann, lässt sie in den vergangenen Spielen in Phasen immer wieder aufblitzen. Gegen Celtic werden wir in beiden Spielen längere Phasen brauchen, um ins Achtelfinale einzuziehen — und Undamirovic in Topform!
Zum Weiterlesen: Der Vertikalpass zieht eine Zwischenbilanz: “Was bleibt? Das gute Gefühl, dass der VfB Stuttgart im Jahr 2026 weiterhin liefert. Wettbewerbsübergreifen zehn Partien gespielt und sieben davon gewonnen. Eine Bilanz, die sich sehen lassen kann.”
Titelbild: © Christian Kaspar-Bartke/Getty Images









































