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·11. April 2026
Wer Musiala wirklich schützen will…

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Trotz Rückschlägen und laufendem Heilungsprozess planen FC Bayern und DFB mit Musiala für die WM. Kahn fordert Verzicht – doch niemand spricht die Konsequenz aus.
Ein Tor, zwei Vorlagen, neun Bundesliga-Einsätze. Das ist die Bilanz von Jamal Musiala seit seinem Comeback am 17. Januar – 196 Tage nach dem Wadenbeinbruch und der Sprunggelenksluxation bei der Klub-WM gegen Paris Saint-Germain. Wer diese Zahlen liest und gleichzeitig hört, wie Max Eberl erklärt, man könne einem Sportler nicht sagen, er solle das größte Ereignis seines Sports „sausen" lassen, der spürt den Widerspruch, noch bevor er ihn benennen kann. Oliver Kahn hat bei Sky in „Triple" einen Satz gesagt, der unbequem ist, aber nicht falsch: Musiala „sollte auf eine Teilnahme bei der WM verzichten. Wenn ich spüre, dass etwas in meinem Spiel nicht stimmt, dann muss ich an mir arbeiten, wieder bereit zu sein." Eberl widerspricht – und widerlegt sich dabei selbst. Denn im selben Interview räumt er ein, die Reintegration brauche Zeit, „sowohl physisch, aber auch für den Kopf". Musiala müsse den „Mut" wiederfinden, in ein Spiel zu gehen, „ohne drüber nachzudenken, zwickts jetzt da unten". Das ist keine Beschreibung eines WM-Kandidaten. Das ist die Beschreibung eines Spielers, der noch mitten im Heilungsprozess steckt. Der Widerspruch wird noch greifbarer, wenn man Eberls Rückfalloption liest. Selbst wenn Musiala „nicht in dieser hundertprozentigen Toptopfit-Situation" sei, wolle man ihn bei der WM „gerne auf der Bank, um diese besonderen Momente zu kreieren". Also: Ein 23-Jähriger, der nach einem schweren Bruch immer wieder von Rückschlägen gestoppt wird – zuletzt Verklebungen im Knöchel nach dem Spiel gegen Atalanta Bergamo, dann fehlende Länderspiele wegen Beschwerden am Sprunggelenk –, soll als Joker mit nach Nordamerika fliegen, weil seine Strahlkraft größer ist als sein aktueller Beitrag auf dem Platz. Das ist kein sportlicher Plan. Das ist Hoffnung als Strategie. Bundestrainer Julian Nagelsmann stützt die Erzählung – und lässt gleichzeitig durchblicken, wie eng es wird. „Er hat nicht mehr so viel Zeit, das steht außer Frage", sagte er Ende März. Nagelsmann traut Musiala zu, „auf 100 Prozent" zu kommen. Aber Zutrauen ersetzt keine Evidenz. Elf meist kurze Einsätze seit Januar, drei Tore wettbewerbsübergreifend, ein Spieler, der nie wirklich fit wirkte: Das sind keine Indizien für einen bevorstehenden Durchbruch. Das sind Indizien für einen Körper, der Signale sendet. Kahn hat in dieser Debatte einen Vorteil, den Eberl nicht hat: keine Abhängigkeit. Eberl führt einen Klub, der mit 73 Punkten nach 28 Spieltagen die Bundesliga dominiert, aber weiß, dass der Unterschied zwischen Meisterschaft und Champions-League-Titel an einem einzigen Spieler hängen kann. Der DFB wiederum verkauft eine WM-Erzählung, die ohne Musiala ihren Protagonisten verliert. Beide Seiten brauchen ihn – und genau deshalb traut sich niemand, die unbequeme Wahrheit auszusprechen: dass eine echte Pause jetzt mehr bringen könnte als ein Turnierplatz im Sommer. Eberl sagt, „irgendwann kommt dieser Moment, wo was Außergewöhnliches passiert, und alles wird wie weggeblasen sein." Vielleicht stimmt das. Vielleicht kommt dieser Moment aber nicht in einem überhitzten WM-Stadion in Houston oder Mexiko-Stadt – sondern in einer ruhigen Vorbereitung ohne Druck, ohne Erwartung, ohne die Last, das Gesicht zweier Institutionen sein zu müssen. Wer Jamal Musiala wirklich schützen will, muss bereit sein, auf ihn zu verzichten. Genau das macht diese Entscheidung so schwer – und genau deshalb fällt sie niemand.









































