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·27 April 2026

Fan-Krawalle in Dresden: Ultras lehnen Gespräche mit Polizei ab

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Es sind inzwischen drei Wochen vergangen, seit der Partie zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC. Das Hochrisikospiel wurde überschattet durch Fan-Ausschreitungen, die für eine 20-minütige Unterbrechung sorgte. Von polizeilicher Seite gibt es jetzt ein Update.

Das Chaos von Dresden

Die Stadt Dresden sprach vor der Partie von einer „entsprechenden Gefahr eines hohen Gewaltpotenzials“ und erließ eine Allgemeinverfügung. Fans beider Vereine sorgten zu Beginn des Zweitliga-Topspiels für eine großartige Atmosphäre, geschmückt durch ihre Choreos. Doch während der Partie sind einzelne Anhänger der Dresdner „über die Dachkonstruktion bis zum oberen Ende hinter den Gästeblock“ vorgedrungen, wie die Herthaner Ultra-Gruppierung Harlekins Berlin 98 auf ihrer Website schreibt, und haben so eine Zaunfahne entwendet.


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Gegenüber Fussballdaten erklärte die Polizei, dass ihnen die Aussage bekannt ist. Weiter wolle man sich dazu aber nicht äußern, da die konkreten Abläufe Gegenstand des laufenden Ermittlungsverfahrens sind. Das Chaos entbrach, Fans der Hertha sind in den Innenraum gesprungen. Weitere Dynamo-Anhänger befanden sich schließlich ebenfalls in den Innenraum und stürmten quer über das Spielfeld in Richtung Gästeblock. Dort bewarf man sich mit Pyrotechnik und beschoss sich mit Raketen, bis die Polizei beide Fan-Lager trennte.

Polizei und DFB ermitteln

Noch in der Nacht teilte die Dresdner Polizei mit, dass „mehr als ein Dutzend Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruch, gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung, Beleidigung sowie Ticketbetrug“ eingeleitet wurden. Zudem wurde die Ermittlungsgruppe (kurz EG) Fahne ins Leben gerufen, bestehend aus 14 Beamten. Auch richtete man ein Hinweisportal ein, über das inzwischen 36 Hinweise eingegangen sind. Die Qualität der Hinweise ließe sich aber bislang nicht einschätzen.

Die EG steht mit der Berliner Polizei im Austausch. Falls im Rahmen der Auswertung des Videomaterials, von welchem inzwischen knapp 600 Gigabyte zur Verfügung steht, ein Tatverdacht gegen Hertha-Fans ableiten lässt, werde man die Unterstützung aus Berlin ersuchen, heißt es weiter. Zuvor war von etwa 330 Gigabyte an Videomaterial die Rede. Aufgrund der großen Menge an Material, werde die vollständige Sichtung noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Auch der DFB ermittelt, wollte sich auf Fussballdaten-Anfrage zu dem laufenden Prozess aber nicht äußern. Wie lange die Ermittlungen andauern werde, sei nicht möglich zu prognostizieren.

„Super-Recognizer“ sind im Einsatz

Bei der Identifikation der Täter setzt die Dresdner Polizei auf sogenannte „Super-Recognizer“. Hier handelt es sich um Personen, „die über die seltene Fähigkeit der Gesichtserkennung verfügen“, klären die Regelhüter auf. „Sie können sich extrem gut Gesichter einprägen und immer wieder abrufen“ – das würde bei der „Auswertung von Video- und Bildmaterial und der sich anschließenden Identifizierung von Tatverdächtigen“ besonders helfen. Bedeutet, die „Super-Recognizer“ basieren nicht auf KI-gestützte Videotechnik, die vom Berliner GdP-Landesverband Hertha BSC vorgeschlagen wurde.

Hier wäre eine Technik gemeint, die während eines Fußballspiels verdächtige Bewegungsmuster von Personen erkennen und wenn nötig Alarm auslösen kann. Videoüberwachung mit Gesichtserkennung sei nicht nötig. Zuvor erklärte Hertha-Geschäftsführer Dr. Peter Görlich, dass man „Mittel und Wege zur Verfügung“ stehen habe, um gewaltbereite Fans zu identifizieren. Das war seine kurze Antwort auf die harten Worte von Sachsens Innenminister Armin Schuster, der mit Strafen drohte, sollte es keine „drakonischen“ Konsequenzen vonseiten der Vereine geben als Reaktion auf das Dresden-Spiel.

Kommunikation mit Fans und Verein

Thema Austausch. Diesen gibt es zwischen der Polizei und Dynamos Ultra-Szene nicht: „Alle Gesprächsangebote unter Beteiligung der Polizei wurden bisher von den Ultragruppierungen abgelehnt“. Das Fanprojekt soll aber „am ehesten der Ansprechpartner/das Einfallstor zu den Fangruppierungen“ sein, heißt es. Die Berliner Polizei erklärte gegenüber Fussballdaten, dass man mit Herthas aktiven Fanszene „auf Basis etablierter Gesprächsformate insbesondere auch über die Fanbetreuung Hertha BSC“ im Austausch stehe.

Besonders positiv hebt die Dresdner Polizei die Zusammenarbeit und Kommunikation mit der SGD hervor: „Das gemeinsame Auftreten aller wesentlichen Vereinsgremien – Präsident, Aufsichtsrat und Geschäftsführer – nach dem Herthaspiel sind genauso ein Beleg dafür wie das schnelle Maßnahmenbündel, welches der Verein öffentlich angekündigt hat.“

Die Sportgemeinschaft hat bereits erste Maßnahmen ergriffen, die „das Ergebnis einer intensiven, gemeinsamen Nachbereitung von Verein und Polizei sowie dem sächsischen Innenministerium“ sind. Die Gespräche sind „in einer sehr offenen und konstruktiven Atmosphäre“ erfolgt. Weiter schreibt die Polizei, dass Dynamo „die Vorschläge der Polizei mehrheitlich positiv aufgegriffen und sich auch in der Öffentlichkeit deutlich dazu bekannt“ hat.

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