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·30 juillet 2026

Verletzungswelle vor dem Start? Die Zahlen sagen nein

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Ein Torwart mit lädierter Oberschenkelrückseite, ein Flügelspieler mit ruinierter Vorderseite, beide im Mannschaftstraining, beide bis Ende September weg. Beim VfB Stuttgart passt die Erzählung von der Verletzungswelle perfekt. In der übrigen Liga passt sie nicht.

Der Fall, der die These trägt: zwei Oberschenkel in einer Einheit

Am 22. Juli meldeten die Stuttgarter binnen einer Mitteilung zwei Ausfälle. Dennis Seimen, 20, hatte sich eine Muskelverletzung an der Oberschenkelrückseite zugezogen, Justin Diehl, 21, eine an der Vorderseite. Beide im normalen Mannschaftstraining, nicht im Testspiel, nicht im Trainingslager – das Camp in Grassau steigt erst ab dem 3. August.


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Der Zeitpunkt ist für den Champions-League-Teilnehmer eine Zumutung. Seimen sollte nach dem Ende der dreijährigen Nübel-Leihe die neue Nummer eins werden, nachdem er beim SC Paderborn alle 34 Zweitliga-Partien plus zwei Relegationsspiele gestanden hatte, neunmal ohne Gegentor, laut kicker-Noten bester Spieler der Aufstiegsmannschaft. Jetzt fehlt er in der ersten Pokalrunde, an den ersten vier Bundesliga-Spieltagen und am ersten Champions-League-Spieltag. Sportvorstand Fabian Wohlgemuth nannte es „definitiv schlechte Nachrichten“ und ließ eine Nachverpflichtung im Tor offen. Nach Sky-Angaben will der VfB zunächst abwarten und auf Fabian Bredlow setzen.

Bei Diehl ist es die Wiederholung eines Musters – der Offensivmann hatte schon in der Vorsaison mehrfach muskuläre Probleme. Auch das ist ein Befundteil, den man nicht dem Athletiktrainer anlasten kann.

Zwei Klubs, null Ausfälle – so sieht die „Welle“ tatsächlich aus

Wer die Liga-Übersicht durchgeht, findet gut drei Dutzend Namen. Der überwiegende Teil davon steht dort seit Monaten: Kreuzbandrisse, Achillessehnen, Knochenbrüche aus der abgelaufenen Saison. Neu hinzugekommen ist in den letzten zwei Wochen dieses Bild:

Neun frische Fälle, davon drei bestätigte Muskelverletzungen. Der Rest sind Bänder, Gelenke, Überlastungsentzündungen und ein Tritt aufs Sprunggelenk. Und zwei Bundesligisten, Eintracht Frankfurt und der FC Augsburg, führen derzeit überhaupt keinen Ausfall. Von einem Flächenphänomen ist das weit entfernt.

Warum Muskelrisse selten am Trainingsplan liegen

Die medizinische Datenlage ist hier eindeutiger als die Schlagzeilen. Nach Auswertungen der UEFA Elite Club Injury Study ist rund jede dritte Verletzung im europäischen Spitzenfußball muskulär, betroffen sind vor allem hintere Oberschenkelmuskulatur, Adduktoren und Wade. Der stärkste Risikotreiber ist dabei nicht das Trainingspensum, sondern die Regenerationszeit zwischen Belastungen. Dazu kommen Langstreckenflüge, Zeitverschiebung und Hitze – bei einer Liga, die im Juli in Japan, Südkorea und Nordamerika unterwegs ist, keine Randnotiz.

Dazu eine Zahl, die den ganzen Wandel erklärt: Frühere Profigenerationen erreichten selten Sprintgeschwindigkeiten über 30 km/h, heute überschreiten viele Spieler regelmäßig 35 km/h. Die Muskulatur arbeitet dauerhaft am Anschlag. Wer Bündelrisse ausschließlich als Fitnessproblem liest, hat die Biomechanik nicht verstanden – es sind Vorermüdung, Sprintspitzen, kurze Pausen und mikroskopische Vorschäden, die zusammenkommen.

Die WM war der Verursacher, nicht das Trainingslager

Und genau hier dreht sich die Kausalität des Sommers. Die prominentesten muskulären Ausfälle der Bundesliga entstanden nicht in Kitzbühel oder am Tegernsee, sondern in Nordamerika. Lennart Karl riss sich im Abschlusstraining vor dem Turnier das Muskelbündel im linken Oberschenkel und verpasste die WM komplett – er ist bis heute im Aufbautraining. Nico Schlotterbeck fiel für den Rest des Turniers aus und fehlt dem BVB weiter. Alphonso Davies zog sich eine Oberschenkelverletzung zu und reiste in keines der beiden Bayern-Camps, sondern arbeitet in München. Serge Gnabry laboriert seit über drei Monaten an einem Adduktorenabriss.

Was die Klubs in den Camps machen, ist das Gegenteil von Draufhauen. Bayern ließ die WM-Fahrer gestaffelt zurückkehren, die erste Gruppe bestand aus Bischof, Ibrahimović und Boey. Jamal Musiala nutzte das frühe DFB-Aus gegen Paraguay für die längst fällige Entfernung der Metallplatte aus dem Fuß – bewusst im Sommer statt in der kurzen Winterpause. Ab dem 31. Juli individuelles Programm, Ziel ist der Supercup am 22. August. Niko Kovač verzichtete beim ersten Japan-Test komplett auf seine Nationalspieler; Kobel, Bensebaini, Ryerson und Sabitzer steigen erst nach der Asienreise ein.

Ein Vorbehalt bleibt: In Osaka war der Borussia die harte Trainingsarbeit der Vortage bei 0:1 und schwüler Hitze deutlich anzusehen. Wer glaubt, moderne Belastungssteuerung sei ein Zauberstab, sollte sich diese 90 Minuten anschauen.

Die Rechnung kommt nicht im August, sie kommt im Oktober

Der Kalender ist das eigentliche Thema, und darüber wird längst juristisch gestritten. Seit 2024 hat die UEFA die Champions League um vier Termine ausgeweitet, die FIFA die Klub-WM eingeführt und die Weltmeisterschaft auf 48 Teams plus Sechzehntelfinale vergrößert. FIFPRO hat gemeinsam mit dem europäischen Ligenverband, in dem die Bundesliga organisiert ist, Beschwerde bei der EU-Kommission eingelegt. FIFPRO-Strategiedirektor Alexander Bielefeld begründet das schlicht damit, dass Arbeitszeit in europäischem Recht reguliert sei. Die FIFA selbst hat mindestens 72 Stunden zwischen Spielen und eine garantierte 21-tägige Sommerpause in den Raum gestellt.

Für die Bundesliga bedeutet das eine schlichte Verschiebung des Risikos. Die WM-Fahrer haben eine verkürzte Vorbereitung mit reduzierter Grundlagenarbeit. Das schützt sie im Juli – und macht sie anfällig, sobald ab Ende August Pflichtspiele im Dreitagesrhythmus kommen, mit Champions League, Pokal und Länderspielfenster Ende September. Die Frage ist nicht, ob die Klubs in der Vorbereitung zu hart trainiert haben. Sie haben es überwiegend nicht. Die Frage ist, ob ihre Spieler für das durchhalten, was danach kommt.

Vier Wochen bis zum Anstoß, und die Statistik ist noch auf ihrer Seite

Am 28. August eröffnen Bayern und der VfB Stuttgart die Saison, ausgerechnet der Klub, den es bislang am härtesten getroffen hat. Bis dahin bleibt Zeit, und die Ausfalllisten sind für einen WM-Sommer bemerkenswert kurz. Ein Trainingslager macht selten kaputt, was ein Terminkalender vorher morsch getreten hat. Wer im Juli aus neun Ausfällen eine Welle macht, hat im Oktober keine Worte mehr übrig, wenn sie wirklich kommt.

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