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·12 de fevereiro de 2026

Wie Thioune den „neuen“ SV Werder ausrichtet

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Ein neuer Trainer, frische Impulse – und doch dieselben Sorgen: Werder Bremen geht mit einem spannenden Mix aus vorsichtigem Aufbruch und knallharter Realität ins Duell mit dem FC Bayern am Samstag (15:30 Uhr). Der Club steckt nach elf sieglosen Bundesligaspielen tief im Tabellenkeller, vertraut nun aber auf Daniel Thioune, einen Coach, der weniger mit großen Schlagworten, sondern mit klaren Prinzipien überzeugen will. In Freiburg (0:1) blieb der große Stilbruch zwar noch aus, doch zwischen aggressivem Pressing, vertikalem Risiko im Aufbau und einer neu gedachten Rolle der Außenbahnen zeichnete sich bereits ab, wohin er diesen SVW führen möchte. Vor der Partie gegen den deutschen Rekordmeister stellt sich deshalb eine Frage ganz besonders: Wie gefährlich ist dieses Werder, das noch zwischen alter Unsicherheit und neuer Idee pendelt, tatsächlich?

Die spürbare Aufbruchsdynamik nach dem Trainerwechsel an der Weser ist vorerst einer nüchternen Bestandsaufnahme gewichen. Beim 0:1 in Freiburg setzte Daniel Thioune bewusst auf Verlässlichkeit statt radikalen Umbruch, veränderte die Startelf nur auf einer Position – Keke Topp rückte für Samuel Mbangula in den Angriff – und hielt auch in der grundsätzlichen Spielanlage vieles zusammen. Das Bremer Spiel folgte über weite Strecken bekannten Mustern, mit denselben Ansätzen, aber eben auch den vertrauten Problemen im letzten Drittel. „Wir müssen es auf ein Eins gegen Eins reduzieren“, sagte Thioune nach der Partie beim Sport-Club. „Der Unterschied war die Schärfe in den Strafräumen. Das muss die Mannschaft lernen und besser machen.“


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Der Blick auf die Zahlen verschärft das Bild: Elf Bundesligaspiele in Folge wartet Werder inzwischen auf einen Sieg, insgesamt stehen erst vier Erfolge in dieser Saison zu Buche – klar zu wenig für die eigenen Ansprüche. Mit 19 Punkten rangiert der SVW aktuell auf dem Relegationsplatz, hat zwar noch Sichtkontakt zum Mittelfeld, steckt aber faktisch tief im Abstiegskampf. Auffällig ist dabei die Diskrepanz zwischen Aufwand und Ertrag: Bremen kommt bereits auf 287 Abschlüsse und 219 Flanken aus dem Spiel heraus – in beiden Kategorien liegt der Club ligaweit weit vorne –, hat aber erst 22 Tore erzielt. Nur drei Teams sind vor dem gegnerischen Tor noch weniger durchschlagskräftig. Auch physisch gibt es Fragezeichen: In der Laufstatistik belegt Werder mit 2.463 abgespulten Kilometern ebenfalls Rang 16 (zum Vergleich: der FC Bayern steht auf Platz eins bei 2.597 Kilometern), und in der Luft tut sich die Mannschaft schwer – lediglich 320 gewonnene Kopfballduelle bedeuten auch hier Platz 16.

Thioune: Pragmatiker mit klaren Prinzipien

Daniel Thioune ist in Bremen mit dem Ruf gestartet, seine Spielweise konsequent am Profil seines Kaders auszurichten – und genau das war bei seinem Einstand in Freiburg bereits zu erahnen, auch wenn der große Paukenschlag ausblieb. Statt eines kompletten Stilbruchs wählte der 51-Jährige einen kontrollierten Einstieg, beließ die Fünferkette im Grundgerüst und veränderte vor allem die Rollen innerhalb dieser Struktur. Das 5-3-2 mit Topp und Justin Njinmah vorn sowie Romano Schmid im zentralen Mittelfeld war weniger eine Revolution als ein behutsames Nachjustieren. Thioune sendete damit eine klare Botschaft: Erst das Fundament stabilisieren, dann an den Details arbeiten. Die strukturellen Schwächen im letzten Angriffsdrittel – fehlende Präsenz im Strafraum, zu wenig Klarheit bei der letzten Aktion – traten aber auch unter ihm unübersehbar zutage. Der Expected Goals-Wert von unter eins ist ein deutliches Indiz dafür.

Gleichzeitig ließ sich erkennen, welche Fußball-Idee er mit Werder perspektivisch verknüpfen möchte. Thioune denkt weniger in statischen Grundordnungen als in wiederkehrenden Prinzipien: Aggressivität gegen den Ball, Mut im vertikalen Passspiel, hohes Tempo nach Ballgewinnen. Seine bisherigen Stationen hatten eines gemeinsam: Die Formation ergab sich aus den Spielerprofilen, nicht umgekehrt. Das macht ihn zum Pragmatiker, der sich an seinem Kader orientiert, ohne die eigenen Leitlinien aufzugeben. „Wenn ich die Elf dann ein stückweit anzünden kann, ist es mit gepaart mit ein paar Inhalten das, was die Jungs brauchen“, sagte Thioune.

Der 51-Jährige schreckt vor einem risikoreichen Pressing nicht zurück, nimmt in Kauf, dass seine Mannschaft hohe Wege gehen muss. Doch die Partie beim SCF offenbarte auch die Kehrseite: Das energieintensive Anlaufen ließ sich nicht über 90 Minuten aufrecht erhalten. Nach rund einer halben Stunde rückte die Bremer Linie tiefer zusammen, das Pressing wurde zurückhaltender, Freiburg fand leichter in die eigenen Strukturen. Er wird die Aufgabe haben, Intensität und Kompaktheit so zu balancieren, dass Werder nicht nur in Phasen, sondern über komplette Spiele hinweg konsequent verteidigt.

Mit Ball nahm der neue Coach erste Anpassungen vor, ohne das bekannte Gerüst zu sprengen. Aus der Fünferkette entstand im Aufbau immer wieder ein variables 4-3-3. Das passt zu Thiounes grundsätzlicher Herangehensweise: Er bevorzugt ein Spiel, das früh in die Tiefe denkt, statt lange in der Horizontalen zu zirkulieren. „Meine Idee ist, schnell zum Tor zu kommen und lieber tief als breit zu spielen – nicht mit langen Bällen, sondern über Kurzpassspiel“, sagte Thioune bei seinem Amtsantritt und sprach die Defizite klar an: „Im Umschaltprozess sind wir nicht da, wo wir sein sollten, denn das Fenster ist ein stückweit zu groß.“

Ein Kernprinzip lautet: Zuerst vertikal, dann breit. Die Abwehr soll, wann immer möglich, direkt in die nächste Linie spielen, die Angreifer klatschen lassen, die Achter rücken nach – ein vertikales Kombinationsmuster, das mit wenigen Kontakten Raumgewinne erzielen soll. Erst in Tornähe wird die Breite konsequent gesucht, um die gegnerische Kette auseinanderzuziehen. In Bremen könnte das die Rolle der Außen nachhaltig verändern: Sie sollen deutlich häufiger bis zur Grundlinie vorrücken, statt früh aus dem Halbraum zu flanken. Das wäre eine direkte Antwort auf eines der größten Probleme der vergangenen Wochen: viele Hereingaben, aber wenig klare Torchancen.

In Freiburg sah man erste Konturen dieses Ansatzes – etwa in der Phase nach der Roten Karte gegen den Sport-Club. Thioune löste die Fünferkette auf, stellte auf eine offensivere Linie um und besetzte beide Flügel doppelt. Links attackierten die eingewechselten Samuel Mbangula und Felix Agu, rechts drückten Yukinari Sugawara und Marco Grüll permanent nach vorne. Werder kam aus dieser Struktur auf eine enorme Anzahl an Flanken (43), ohne dabei jedoch den entscheidenden Zugriff im Strafraum zu finden – ein altbekanntes Muster. Die Richtung stimmt, die Präzision im letzten Drittel bleibt das große Thema.

In seinen Aussagen nach dem Freiburg-Spiel wurde deutlich, dass Thioune die Gemengelage an der Weser nicht nur taktisch, sondern auch psychologisch denkt. Die lange Serie ohne Sieg wirkt in die Köpfe hinein, das spürt man an der Zögerlichkeit in Überzahl, am fehlenden Mut im Abschluss, an der Unsicherheit in den Strafräumen. „Der schwerwiegendste Stein ist die Serie an nicht gewonnenen Spielen. Das macht etwas mit den Jungs“, sagte Thioune. Wenn er davon spricht, einen „leeren Rucksack“ mitzubringen, in den die Spieler ihren Ballast abladen sollen, ist das mehr als ein Bild: Thioune will einer verunsicherten Mannschaft nicht nur neue Abläufe, sondern auch ein neues Gefühl geben.

Dazu gehört, dass er vorerst an der Dreierkette festhielt, sie aber als Basis versteht, von der aus er Anpassungen vornimmt. Er betont, dass Veränderungen möglich sind und Flexibilität gefordert sein wird – auch das passt zu seinem Bild als Trainer, der lieber auf Spielprinzipien als auf dogmatische Grundordnungen setzt. Die große Herausforderung: die Mischung aus taktischer Klarheit und emotionaler Entlastung zu finden, damit Werder in den Strafräumen wieder mit Überzeugung agiert – defensiv wie offensiv.

Bayern vs. Werder: Lehren aus dem Hinrunden-Duell

Das Hinspiel gegen den FC Bayern (4:0 aus Sicht des Rekordmeisters), damals noch unter der Regie von Horst Steffen, liefert dennoch wertvolle Hinweise darauf, wie Werder im Grundsatz gegen einen Gegner dieser Qualität agiert – und wo sich Räume für die Münchner ergeben können. Die Norddeutschen verteidigten über weite Strecken in einem 4-4-2-Mittelfeldpressing, das stark auf darauf angelegt war, die Räume im Zentrum eng zu halten. Die beiden Stürmer orientierten sich nah beieinander und versuchten, den Passweg auf den zentralen Innenverteidiger zu erschweren, während die Achter darauf achteten, dass Bayerns Spieler zwischen den Linien nicht unbedrängt aufdrehen konnten.

Im Verlauf der Partie wurde deutlich, wie schwer es Werder fiel, die vielen Positionswechsel und Überladungen im bayerischen Spiel konstant zu kontrollieren. Bayern staffelte sich mit einrückenden Angreifern, abkippenden Achtern und hoch schiebenden Außenverteidigern immer wieder so, dass im Halbraum Überzahlen entstanden. Spieler wie Konrad LaimerTom Bischof und Serge Gnabry nutzten die Zwischenräume im Zehnerraum, ließen sich fallen, zogen Gegenspieler heraus oder sprinteten aus der Tiefe in die Schnittstellen.

Bremens Offensivspiel mit Luft nach oben

Mit Ball gerieten Werders Zuspiele regelmäßig zu ungenau, die Abstände im Mittelfeld waren groß, die Unterstützung um den ersten Anspielpunkt herum fehlte. So blieb das Bremer Offensivspiel in vielen Phasen Stückwerk, während die Münchner ihrerseits mit frischen Kräften und hoher Intensität die Kontrolle immer stärker an sich zogen. Am Ende stand ein souveräner, verdienter FCB-Sieg – und aus Bremer Sicht die Erkenntnis, dass reine Stabilität im Mittelfeldblock nicht reicht, wenn im Aufbau Präzision und im letzten Drittel Konsequenz fehlen.

Genau an dieser Schnittstelle zwischen Struktur, Mut und Effizienz wird Thioune nun ansetzen müssen, um aus dem vorsichtigen Aufbruch einen nachhaltigen Kurswechsel zu formen. „Unser Ziel für das Spiel muss sein, so zu agieren, dass es kein Selbstläufer für die Bayern wird“, sagte Thioune vor der Partie gegen den Tabellenführer. „Die Hürde ist natürlich sehr groß, aber es ist Fußball, da ist alles möglich.“

Die Fakten zum Duell in Bremen:

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