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·3. Oktober 2026
Ballack fordert, was Schweinsteiger am Sonntag im Fernsehen vorgemacht hat

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Michael Ballack hat vor zehn Tagen einen Satz gesagt, der seither in der Diskussion über die Nationalmannschaft nachhallt: „Mich hat zum Beispiel niemand vom DFB nach meinem Laufbahnende angesprochen, den Trainerschein zu machen. Der Verband sollte hier deutlich mehr Anreize schaffen.“ Das war im Interview mit der Sport Bild, noch vor Jürgen Klopps erstem Spiel als Bundestrainer. Seitdem ist eine Länderspielphase fast vorbei, die seinem Argument eine unerwartete Illustration geliefert hat.
Der Kern seiner Kritik ist nicht der Bundestrainer, sondern die Struktur. Der DFB, so der 49-Jährige, verschenke Potenzial, weil er seine früheren Leistungsträger nicht gezielt an den Verband binde. „Er sollte versuchen, die besten Spieler – wie etwa einen Toni Kroos oder zuvor Bastian Schweinsteiger, die ihre Karriere beendeten – für sich zu gewinnen.“
Ballack weiß, dass das nicht einfach ist. Die früheren Stars seien finanziell unabhängig und müssten nicht alles machen. „Man sollte sie mit Begeisterung und Inhalten packen. Denn für den deutschen Fußball wäre es enorm wertvoll, wenn die großen Persönlichkeiten ihr Wissen an die jüngeren Generationen weitergeben. So wie es Rudi Völler noch macht.“
Die Folge des Status quo fasst er in einem Satz: „Derzeit geht viel an Wissen verloren.“ Deshalb brauche es mehr Spitzenleute in wichtigen Positionen. „Das müssen später dann nicht immer Trainer sein.“
Als Gegenmodell nennt Ballack den FC Bayern. Dort habe es mit Uli Hoeneß als Manager und Karl-Heinz Rummenigge als Präsident „über viele Jahre herausragend geklappt“ – zwei frühere Spieler, die ihre Erfahrung in Führungsrollen eingebracht haben. Ein neuer Bundestrainer allein reiche nicht; der Verband müsse strukturell dafür sorgen, dass diese Erfahrung künftig stärker genutzt werde.
Am vergangenen Sonntag saß einer der beiden Namen, die Ballack nannte, nach dem 0:1 gegen Griechenland im ARD-Studio. Bastian Schweinsteiger, Weltmeister von 2014, lieferte eine Analyse, die tagelang zitiert wurde: „Wir sind keine Top-Mannschaft mehr. Wir sind im Mittelmaß angekommen.“ Er benannte die griechischen Unterschiedsspieler, die Abhängigkeit vom Spielaufbau über Joshua Kimmich, schlug vor, Karim Adeyemi öfter links außen einzusetzen. Kapitän Kimmich gab ihm hinterher recht.
Man muss Schweinsteigers Urteil nicht teilen, um festzustellen, worauf Ballack hinauswollte: Die Expertise ist da. Sie sitzt nur nicht im Verband, sondern im Fernsehstudio. Ob Schweinsteiger überhaupt eine Rolle beim DFB wollte, ist eine andere Frage. Ballacks Vorwurf zielt darauf, dass niemand fragt.
Ganz so einfach ist das Bild allerdings nicht. Der DFB hat in den vergangenen Monaten ehemalige Nationalspieler in Schlüsselpositionen geholt: Rudi Völler bleibt Sportdirektor, Per Mertesacker wird zum 1. Januar 2027 Geschäftsführer Sport, Sven Bender gehört zu Klopps Trainerteam. Das ist genau die Art Einbindung, die Ballack fordert – nur eben nicht in der Breite, die er sich vorstellt.
Und Ballack selbst hat in der Vergangenheit eine eher distanzierte Haltung zur Verbandsstruktur gezeigt. Schon 2019 stellte er die Trainerausbildung des DFB grundsätzlich infrage: „Warum muss das unbedingt unter dem Dach des DFB geschehen?“ Damals bot ihm Oliver Bierhoff an, ihn mit Weiterbildungen zu unterstützen, falls er eine Trainer- oder Managerrolle anstrebe. Bekannt geworden ist nicht, dass Ballack darauf eingegangen wäre.
Bemerkenswert ist, dass Ballack seine Kritik mit Zuversicht verbindet. Klopp habe „in seiner Karriere auf all seinen Stationen viel bewegt“, man müsse seine Ansätze und Methoden akzeptieren. Nach einem 1:1, einem 0:1 und einem 2:0 gegen Serbien hat der Bundestrainer in dieser Länderspielphase vor allem gezeigt, dass er Neues ausprobiert – vier Debütanten an einem Abend, darunter der tausendste Nationalspieler der Geschichte.
Ob der Verband auch strukturell Neues ausprobiert, ist die Frage, die Ballack gestellt hat. Antworten wird sie nicht der Bundestrainer, sondern die Verbandsspitze.







































