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·18. September 2026
Der Fall Baumann: Was Klopp von Nagelsmann unterscheidet

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·18. September 2026

Der Hoffenheimer akzeptiert die Aussortierung durch den neuen Bundestrainer. Die alte Rechnung aber gehört dessen Vorgänger Julian Nagelsmann.
„Die Entscheidung gefällt mir nicht, das ist klar“, sagte Oliver Baumann nach dem 0:2 der TSG Hoffenheim beim griechischen Pokalsieger OFI Kreta. Ein paar Stunden zuvor hatte er erfahren, dass der neue Bundestrainer Jürgen Klopp nicht mehr auf ihn baut. Und trotzdem klang der 36-Jährige in diesem Moment fast versöhnlich: „Jürgen hat so entschieden. Das muss ich akzeptieren.“
Dann aber fiel das Stichwort Akzeptanz ein zweites Mal, und die Stimme des TSG-Kapitäns bekam einen anderen Ton. Nicht der aktuelle Bundestrainer traf ihn, sondern dessen Vorgänger. Baumanns Bitterkeit gilt nicht Klopp, sie gilt Julian Nagelsmann.
„Das im Sommer tat deutlich mehr weh, wie das gelaufen ist – das war unfassbar“, sagte Baumann am Nitro-Mikrofon. Gemeint war die Degradierung kurz vor der WM-Endrunde: Nagelsmann hatte den Torwart erst zur Nummer eins ausgerufen und dann Manuel Neuer zurückgeholt. Ohne Erfolg. Es war ausgerechnet Baumanns alter Trainer aus Hoffenheimer Zeiten, der ihm den größten Karrieremoment nahm, kaum dass er ihn versprochen hatte.
Man kann Baumann vorhalten, dass ein Keeper mit 36 Jahren im DFB-Tor nie über die Nebenrolle hinauskam und aus einer sportlich überschaubaren Enttäuschung mehr macht, als sie wiegt. Klopp nominiert für die Zukunft: den 23 Jahre alten Bambasé Conté etwa, der von seinem Telefonat mit dem Bundestrainer als „Gänsehautmoment“ schwärmt und beweisen will, „dass ich auf dem Niveau mithalten kann“. Für einen Umbruch braucht es keine Routiniers.
Nur trifft dieser Vorhalt Klopps Schnitt, nicht Nagelsmanns Rechnung. Der Unterschied liegt in der Behandlung. Klopp kündigt einen anderen Weg an und lässt keinen Zweifel offen. Nagelsmann dagegen baute erst eine Erwartung auf, um sie im letztmöglichen Moment einzureißen. Das eine ist eine Entscheidung, das andere ist ein Versprechen, das zurückgenommen wurde.
Dass Baumann seine Rechnung nun öffentlich begleicht, hat mit dem Zeitpunkt zu tun. Nagelsmann, Neuer und Baumann sind Geschichte beim DFB. Erst als niemand von ihnen mehr etwas zu verlieren hat, spricht der Torwart aus, was im Sommer unterging. Der Kader ist besetzt, die Tür zu – da kostet Offenheit nichts mehr, außer sie tut noch gut.
Und die Sache verfolgt ihn weiter. Am 15. Oktober kommt Besiktas Istanbul nach Sinsheim, und im Tor der Türken steht Alexander Nübel, den Klopp in seinen XXL-Kader berufen hat. Der eine spielt in Sinsheim für die Nationalmannschaft vor, der andere schaut ihm dabei zu. Ein bittereres Bühnenbild lässt sich für einen Ausgebooteten kaum bauen.
Der sportliche Rahmen macht es nicht leichter. Beim Bundesliga-13. lief in Griechenland wenig zusammen, „ein Effizienzthema“, wie Baumann es nannte, und Trainer Christian Ilzer sprach von „kein guter Start in die Europa League“. Am Sonntag geht es beim Aufsteiger SC Paderborn weiter, dann gegen Besiktas. Der Alltag lässt für alte Wunden wenig Raum, aber er verdeckt sie nicht.
Baumann hat mit dem Wort „akzeptieren“ zwei sehr verschiedene Dinge gemeint. Klopps Nein nimmt er hin. Nagelsmanns Ja, das keines war, nimmt er ihm bis heute übel.
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