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·30. September 2026

Duelle mit Serbien: Als Ballack Deutschland vom EM-Titel träumen ließ

Artikelbild: Duelle mit Serbien: Als Ballack Deutschland vom EM-Titel träumen ließ

Wer vor dem anstehenden Nations-League-Heimspiel am Donnerstag (ab 20.45 Uhr, live im ZDF) in München eine Bilanz der Länderspiele gegen Serbien ziehen will, hat es nicht ganz einfach. Im Kicker-Almanach werden 29 Partien aufgeführt, beginnend 1939 mit einem Spiel gegen Jugoslawien, das es heute nicht mehr gibt und Deutschland allein sechsmal bei WM-Endrunden gegenüberstand - darunter waren auch Spieler aus Kroatien, Matedonien oder Montenegro. Im Februar 2003 zerfiel der Balkan-Staat, und Serbien bildete mit Montenegro einen eigenen, unter diesem Namen absolvierte man nur ein Länderspiel gegen Deutschland. Seit 2007 gibt es nur noch den Staat Serbien, und unter diesem Namen fanden drei Duelle mit den Deutschen statt, auf die sich der DFB.de-Rückblick beschränkt.

31. Mai 2008: Sieg mit Zahnweh

Joachim Löw plagten vor dem letzten EM-Test Probleme, die weder er noch seine Mannschaft beheben konnte. Das stand schon vor Anpfiff 2008 in Gelsenkirchen fest. Denn Löw hatte Zahnschmerzen, und "da muss ich mich genauso durchbeißen wie die Mannschaft". Dem Bundestrainer half dann kurzfristig ein Zahnarzt noch vor der Partie. Unter den Augen von Kanzlerin Angela Merkel gab es nach Rückstand durch Bosko Jankovic (18.) noch einen 2:1-Heimsieg, den der 35-jährige Joker Oliver Neuville von Zweitligist Borussia Mönchengladbach nur vier Minuten nach seiner Einwechslung (74.) und Kapitän Michael Ballack (83.) im Endspurt sicherten.


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"Ballack reißt uns alle mit", titelte die Bild am Sonntag und folgerte: "Er kann uns zum Titel führen." ARD-Experte Günter Netzer lobte: "So habe ich ihn mir immer gewünscht. Er wird bei der EM den Unterschied machen." Ballack war einer von drei Legionären in der Startformation, neben Torwart Jens Lehmann von Arsenal London und Verteidiger Christoph Metzelder von Real Madrid. Die Sonntagszeitung war nach diesem Spiel, in dem die Abwehr vor der Pause wackelte, skeptisch: "Lieber Herr Löw, über die Besetzung der Abwehr müssen Sie in den nächsten Tagen noch mal nachdenken." Metzelder gestand einen Fehler beim Gegentor ein, beruhigte aber die Fans: "Ich war vor den Turnieren immer umstritten, aber wenn es losging eine feste Größe." Am verdienten Sieg gab es wenig Zweifel, wie beispielsweise ein Eckenverhältnis von 8:0 belegte.

18. Juni 2010: Pechtag bei WM in Südafrika

Zwei Jahre späte folgte das zweite Spiel gegen Serbien und erstmals ging es um Punkte. Die bekam der Gegner, weshalb man in Port Elizabeth bei der WM in Südafrika erneut einen unglücklichen Bundestrainer sah. Diesmal besonders während der Partie, dem zweiten Gruppenspiel. Frustriert lehnte Löw da sekundenlang an der Bande und wollte nicht mehr hinsehen. Es war Ausdruck der persönlichen Enttäuschung auf dem Höhepunkt eines verkorksten Nachmittags, an dem Deutschland eigentlich ins Achtelfinale einziehen wollte.

Aber es blieb nur beim Vorsatz, nichts war mehr zu sehen vom Kombinationswirbel und der Spielfreude zum Auftakt gegen Australien (4:0). In jenem Moment, als Lukas Podolski in der 60. Minute als dritter deutscher Elfmeterfehlschütze bei einer WM in die DFB-Historie einging und am serbischen Torwart scheiterte, ahnte es auch der Bundestrainer - heute sollte es einfach nicht sein. Später sah man Löw noch Wasserflaschen werfen, nach dem Abpfiff rannte er wild gestikulierend in die Kabine. So wütend kannte die Nation ihren "Jogi" noch nicht.

Kein Wunder. Nach diesen aufregenden 90 Minuten war die heile deutsche Fußballwelt in Unordnung geraten. Und während Boulevardzeitungen nach dem Auftaktsieg schon die Gründe aufgezählt hatten, warum es diesmal zum vierten WM-Triumph reichen dürfte, war nun Untergangsstimmung angesagt. "Welt-online" titelte: "Kloses Foul stürzt Deutschland ins Chaos". Denn alles Übel begann in der 37. Minute, als der einzige deutsche Stürmer ungeachtet seiner Verwarnung im Mittelfeld ein überflüssiges Foul beging, das zumindest dieser Schiedsrichter als Gelb-würdig erachten musste. Das durfte keinen mehr überraschen: Senor Alberto Undiano aus Pamplona hatte bereits zu diesem Zeitpunkt vier von am Ende acht Karten gezückt und seine kleinliche Linie mehr als deutlich gemacht. Dennoch ging Klose das Risiko ein und wurde zu Recht vom Platz gestellt. Franz Beckenbauer grollte im Fernsehstudio: "Der Schiri ist für sein kleinliches Pfeifen bekannt. Das muss man wissen, und dann darf man da nicht so hingehen."

Das bis dahin ausgeglichene Spiel kippte nun binnen 60 Sekunden zu Gunsten der Serben, die die deutsche Schockstarre gnadenlos ausnutzten und durch Milan Jovanović schon in der 38. Minute zum Siegtreffer kamen. Denn diesem Tor liefen zehn Deutsche 52 Minuten lang aufopferungsvoll und doch vergebens nach, noch Sekunden vor der Pause traf Sami Khedira die Latte. Aus der Tatsache, dass sie immerhin in Unterzahl mehr Chancen hatten als die Serben im ganzen Spiel, zogen nicht nur Daueroptimisten hinterher ihre Zuversicht.

Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann wollte sogar "ein Riesenspiel" der Deutschen gesehen haben, und weder DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger noch Joachim Löw hegten öffentlich den leisesten Zweifel am Weiterkommen der Deutschen. "Wir haben es in der eigenen Hand, das Achtelfinale zu erreichen, und das werden wir auch machen", verkündete Löw eine halbe Stunde nach dem Abpfiff dem ZDF - und so kam es dann auch. Für die Serben dagegen war nach der Vorrunde Schluss.

20. März 2019: Joker-Tor beim Neustart

Spiel Nummer drei stieg in Wolfsburg, und nun gab es ein Unentschieden. Das Testspiel, immer noch unter Löw, endete 1:1. Es stand im Zeichen des Neuaufbaus nach der WM 2018, nach der Löw mit einiger Verzögerung drei Altgediente aussortiert hatte. Nun war es das Spiel eins nach Mats Hummels, Jerome Boateng und Thomas Müller, die deutlich verjüngte Mannschaft kam auf einen Altersschnitt von 24,66 Jahren. Löw forderte "Tempo, Dynamik und Zielstrebigkeit“ ein und sah in den Serben den idealen Gegner vor den folgenden EM-Qualifikationsspiel in den Niederlanden vier Tage später, "weil sie uns darauf vorbereiten werden, was uns am Sonntag erwartet."

Schon nach zwölf Minuten sah er sich bestätigt, als der damalige Frankfurter Luka Jovic nach einer Ecke das 0:1 köpfte. Das war, wie bereits in den ersten beiden Partien, auch der Halbzeitstand. Vor ausverkauftem Wolfsburger Haus (26.101 Zuschauer) erhöhte die DFB-Auswahl, in der erstmals drei Spieler von RB Leipzig (Timo Werner, Marcel Halstenberg und Debütant Lukas Klostermann) standen, den Druck. Wie schon vor der Pause vergaben insbesondere die Stürmer Timo Werner, Marco Reus und Leroy Sané etliche gute Chancen, was auch am hervorragenden Gästekeeper Marko Dmitrovic lag. Als Ersatzkapitän Ilkay Gündogan ihn umspielte, rettete ein Verteidiger für ihn auf der Linie.

Einmal war aber auch er machtlos: Nach 69 Minuten nahm der gerade eingewechselte Leon Goretzka ein Zuspiel von Marco Reus an der Strafraumgrenze auf, drehte sich um seinen Gegenspieler und zog unhaltbar mit rechts ab. Nach Torschüssen stand es da schon 10:1, nach Toren war es nur der 1:1-Ausgleich. Dabei blieb es schließlich in einem Spiel, nach dem der Kicker über die DFB-Auswahl urteilte: "Sie zeigte aber auch, dass sie eine Menge drauf hat, und hätte in der überzeugenden zweiten Halbzeit den Sieg klar machen müssen." Den schafften sie dann in Amsterdam (3:2).

Sieben Jahre später sind mit Marc-André ter Stegen, Jonathan Tah, Joshua Kimmich und Kai Havertz noch vier Spieler von der Partie in Wolfsburg Mitglieder der deutschen Nationalmannschaft, ein Wiedersehen gibt es aber nicht, denn sie sind aktuell schon abgereist.

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