Borussia Dortmund
·24. August 2026
In partnership with
Yahoo sportsBorussia Dortmund
·24. August 2026
Im Sommer 2021 kam der Schweizer zum BVB. Nur Emre Can ist noch länger im Verein – seit Januar 2020. Kobel hat 217 Pflichtspiele in Schwarz und Gelb bestritten. Eine runde Sache wartet direkt zum Ligastart auf den 28-Jährigen: das 200. Bundesliga-Spiel.
Gregor Kobel ist ein Garant für Zuverlässigkeit und zum Gesicht der Mannschaft geworden. 2025/26 war er der beste Keeper der Bundesliga; in vier der zurückliegenden fünf Spielzeiten wurde er zum besten Torwart der Liga gekürt.
Niko Kovac sagt über ihn: „Er hat hier fantastische Arbeit geleistet, schon bevor ich kam. Wir haben einen großartigen Torhüter in unseren Reihen. Er strahlt Ruhe und Gelassenheit aus und hält das, was er halten muss. Und wenn es eine übermenschliche Parade braucht, ist er auch dazu in der Lage.“
Ist ein solcher Satz die Bestätigung für jahrelange harte Arbeit?„Es ist sehr schön, so etwas zu hören, vor allem vom eigenen Coach. Er hat auch schon einige Stationen hinter sich und vieles gesehen. Von daher bedeutet mir eine solche Aussage sehr viel.“
Der Sohn eines früheren Eishockey-Erstliga-Profis wurde am Nikolaustag des Jahres 1997 in Zürich geboren und beim Grasshopper Club ausgebildet. Er wechselte 2014 als Sechzehnjähriger in die Nachwuchsabteilung der TSG Hoffenheim. Nach ersten Einsätzen unter Trainer Julian Nagelsmann bei den Profis wurde er im Januar 2019 an den FC Augsburg verliehen, wo er 16 von 17 möglichen Rückrundenspielen bestritt. Im Sommer 2019 wechselte er zum damaligen Zweitligisten VfB Stuttgart. Mit dem Klub stieg er ein Jahr später in die Bundesliga auf. Seit 2021 steht der 1,96 Meter große Athlet bei Borussia Dortmund unter Vertrag; vorzeitig verlängert bis Juni 2028.
„Für den BVB auf dem Platz zu stehen, ist eine Ehre. Wir haben viele schöne, viele harte Momente erlebt. Ich bin dankbar für jeden Tag, wenn ich meinen Sport machen darf.“
In welchem Alter hast Du den BVB zum ersten Mal wahrgenommen?„Früh, sehr früh. Wir haben ja einige Schweizer Jungs hier gehabt, die sehr gut gespielt haben und auch große Erfolge feiern durften. Sei es Stéphane Chapuisat, Alex Frei oder Philipp Degen, der heute mein Berater ist.“
Du hast mit dem BVB das Champions-League-Finale erreicht und die Klub-WM gespielt, verbunden mit tollen Erinnerungen. Aber noch fehlt etwas, was man in Händen hält ...„Als ambitionierter Sportler spielst du immer dafür, dass du auch Trophäen gewinnst. Das ist uns leider nicht gelungen, auch wenn wir 2023 in der Meisterschaft und 2024 in der Champions League sehr nah dran waren. Aber ich denke trotzdem, dass wir bisher sehr viel Schönes und sehr viel Gutes erlebt haben. Und ich habe hier ja auch noch zwei Jahre Vertrag. Mal sehen, was wir hinkriegen.“
Welchen Einfluss hatten Deine Eltern auf Deine Karriere? Man liest, Du hättest auch einen guten Eishockeyspieler abgegeben. Zum Fußballspielen seist Du gekommen, als Deine Mutter Tennisstunden nahm ...„Neben dem Tennisverein meiner Mom war der Fußballplatz – und da habe ich Fußball bestaunen können und wollte dann auch mit meinen Klassenkameraden da auf dem Platz sein. Als es dann später darum ging, mich für den Fußball zu entscheiden und das Ziel Profisport sehr klar war, hat mein Vater eine große Rolle gespielt, weil er das Profigeschäft kannte und mir vieles mitgeben konnte. Ich bin meinen Eltern sehr dankbar für alles, was sie mir mitgegeben haben.“
Was können Fußballprofis von Sportlern anderer Sportarten lernen?„Du kannst von den meisten Sportarten etwas mitnehmen: das Mindset, die Arbeit, den ganzen Aufwand, den du betreiben musst. Ich mag es, mich von anderen Sportlern und von anderen Sportarten inspirieren zu lassen.“
Du bist mit 16 von zuhause weg, von Zürich nach Hoffenheim. Wie war das?„Im Nachhinein war es ein sehr, sehr großer Schritt, der mir damals gar nicht so derart bewusst war. Heute sage ich: Es war super für mich, allein zu wohnen, für mich verantwortlich zu sein, mein eigenes Geld zu managen. Dieses Erwachsenwerden hat mir vieles gebracht – auch für meinen Sport.“
In Hoffenheim hat der junge Gregor Kobel den erfahrenen Oliver Baumann vor sich – und in ihm einen hervorragenden Lehrmeister. Zwölf Jahre später hätten sich die Wege beinahe wieder gekreuzt. Während der Deutsche Baumann kurz vor der WM degradiert wird (und sich als außergewöhnlicher Team-Player erweist), machen Kobel und die Schweizer die WM zu ihrer WM. Erst im Viertelfinale endet ihr Traum.
Zahlreiche Paraden von Gregor Kobel während der 120 Minuten gegen Kolumbien und ein gehaltener Schuss im Elfmeterschießen haben die Eidgenossen in die Runde der besten acht Teams der Welt gebracht. Erstmals seit 1954 stand die Schweiz in einem WM-Viertelfinale. Kobel folgt 72 Jahre später auf den legendären Schweizer Nationaltorhüter Eugène Parlier.
Welche Erinnerungen an die Fußball-WM 2026 bleiben besonders haften?„Es war sehr speziell, so ein Turnier spielen zu können. Man spürt die Tragweite und die Kraft, die so ein Turnier beinhaltet. Und dann die Finalspiele zu spielen in den verschiedenen Städten, war eine großartige Erfahrung für mich, und ich bin sehr happy, dass ich meinem Team helfen konnte. Ich bin sehr stolz auf die Jungs. Sie haben wirklich einen guten Job gemacht. Und ja, es war ein cooler Erfolg, den wir alle miteinander feiern konnten.“
Die Nummer eins beim BVB, die Nummer eins in der Nati – bist Du mit 28 da angekommen, wovon Du als kleiner Junge geträumt hast?„Aktuell, im Tagesgeschäft, bin ich viel zu nah dran, um mir solche Gedanken zu machen. Ich möchte erfolgreich sein, ich möchte mit Borussia Dortmund erfolgreich sein. Wir haben viel vor dieses Jahr; wir haben viele neue Spieler, die wir unterstützen, die wir an Borussia Dortmund heranführen müssen. Von daher freue ich mich sehr auf die Aufgaben – und alles andere ist dann weit in der Zukunft. Wenn du bei Borussia Dortmund spielst, willst du früher oder später Titel gewinnen. Du willst jedes Spiel gewinnen. Ob es ein Trainingsspiel ist, ob es ein Freundschaftsspiel ist oder ob es ein Meisterschaftsspiel ist.“
Für den kicker ist Kobel 2025/26 der beste Keeper der Liga und steht auf Rang eins der „Rangliste des deutschen Fußballs“. Kobel vor Atubolu (Freiburg), Heuer Fernandes (HSV), Urbig (München), Backhaus (Bremen, jetzt Freiburg) und Nicolas (Gladbach).
Was bedeutet Dir diese Auszeichnung?„Es ist für jeden sehr schön, wenn er für harte Arbeit, für alles, was er investiert und geleistet hat, Anerkennung bekommt. In erster Linie versuche ich mein Spiel zu spielen, der Mannschaft zu helfen, um erfolgreich zu sein. Alles andere kommt ein bisschen nebenher.“
Eine über Jahre manifestierte Rangordnung – ganz oben Manuel Neuer, danach die anderen Arrivierten – ist komplett durcheinandergewürfelt. Wie siehst Du das?„Ich war sehr lange einer der jüngsten Torhüter in der Liga, fast ungewöhnlich lange. Jetzt ist es schön zu sehen, dass ein paar jüngere nachkommen, die auch gute Leistungen bringen, die zeigen, was sie können. Auch für Deutschland ist es wichtig, dass da ein paar sehr gute Torhüter nachkommen. Manu (Manuel Neuer, d. Red.) war über Jahre lang der Torwart in Deutschland. Er hat wahnsinnige Leistungen gezeigt.“
Wie lange willst Du spielen? Neuer ist ja mit 40 immer noch dabei.„Es ist wunderschön, wenn du deinen Sport als Beruf ausüben kannst. Es lohnt sich dann auch, es so lange wie möglich zu genießen, solange du auch wirklich Top-Leistungen bringen kannst. Und ich bin ja immer noch relativ jung für einen Torwart. Solange der Antrieb da ist und der Körper mitmacht, kannst du als Torwart sicher noch einige Zeit spielen.“
Hat die beste Phase Deiner Karriere gerade begonnen? „Wenn man den Vergleich mit anderen zieht, kann man sagen, dass die Torhüterjahre von 28 bis 34 die besten sind. Ich bin nach wie vor sehr affin auf das Thema, weiter an mir zu arbeiten, Bock zu haben, Spaß zu haben, der Mannschaft helfen zu wollen.“
Manche Spielvorgaben verlangen ein riskantes Aufbauspiel von Mannschaften aus dem Strafraum heraus. Wie riskant darf es Deiner Meinung nach sein?„Es kommt immer auf die Umstände an. Man kann es also nicht pauschal beantworten. Wie oft passiert es denn, dass ein Spielzug vom eigenen Tor geplant bis zum gegnerischen Tor führt? Das ist verschwindend gering. Auch dies muss einbezogen werden in der Abwägung, wieviel Risiko genommen wird. Du musst eine gewisse Variabilität in deinem Spiel behalten. Gegen welchen Gegner spielst du? In welcher Formation spielt er? Wie ist deine Mannschaft im Moment drauf? In was für einer Spielphase befindest du dich? Ist der Gegner gerade am Drücker? Da gibt’s sehr viele Sachen, die einfließen. Wie ist dein Mitspieler heute drauf? Wie hart wird er gepresst? Daran musst du dich orientieren und dann die richtige Entscheidung treffen.“
Du hast jetzt seit fast zwei Jahren kein Spiel verpasst – Zufall oder Ergebnis präventiver Maßnahmen?„Man lernt seinen Körper bei so hoher Belastung sehr gut kennen und weiß, auf was man hören muss und wie man am besten reagiert. Ich habe einiges angepasst. Dieser Drei-Tage-Rhythmus verlangt dir mehr ab, gerade die ganze Reiserei. Es ist kein Zufall, dass ich jetzt diese lange Phase habe, in der ich durchspielen kann. Es gehört viel Einsatz dazu, ein gutes Team, aber auch ein guter Ausgleich, eine gewisse Lockerheit.“
Der 28-Jährige lebt mit seiner Verlobten und der ein Jahr alten Tochter etwas außerhalb von Dortmund. Zuhause kann er abschalten. Bücher lesen, bevorzugt Biografien.







































