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·23. September 2026
SC Freiburg in der Nationalmannschaft: Warum Klopp auf die SC-Fußballschule baut

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Besser hätte das Timing nicht sein können: Anfang Oktober feiert die Fußballschule des SC Freiburg ihr 25-jähriges Bestehen. Das passende Geschenk kommt vom Bundestrainer. In Jürgen Klopps 44-köpfigem Aufgebot stehen sieben Spieler, die im Breisgau ausgebildet wurden, dazu mit Derry Scherhant ein weiterer aktueller Freiburger. Was macht die Talentschmiede im Dreiländereck so besonders?

Yannik Engelhardt treibt den Ball für den SC Freiburg im Bundesliga-Spiel gegen Werder Bremen im Europa-Park-Stadion am 30. August 2026 nach vorne. (Daniela Porcelli / Getty Images)
Vier aktuelle SC-Profis sind erstmals für die A-Nationalmannschaft nominiert: Philipp Treu, Yannik Engelhardt, Max Rosenfelder und Derry Scherhant. Dazu kommen vier Spieler, die einen großen Teil ihrer Ausbildung in Freiburg verbracht und dort ihre ersten Schritte als Profi gemacht haben: Mika Baur (Celtic Glasgow), Nico Schlotterbeck (Borussia Dortmund), Kevin Schade (FC Brentford) und Noah Atubolu (Eintracht Frankfurt).
„Freiburg macht es super und das nicht erst seit Kurzem, sondern schon eine ganze Weile“, lobte Klopp bei der Kadervorstellung. „Ganz oft wird über Mentalität gesprochen. Ich habe es gerade erst gelesen, ich glaube, De Zerbi hat es gesagt: Mentalität kann man nicht kaufen. Aber entwickeln und haben kann man sie. Die Freiburger haben das, die bringen das schon mit.“
Wie durchlässig der Weg von der Jugend zu den Profis in Freiburg ist, zeigte sich im Mai beim größten Spiel der Vereinsgeschichte. Das Europa-League-Finale in Istanbul ging gegen Aston Villa zwar mit 0:3 verloren. Doch in der Startelf von Julian Schuster standen mit Treu, Matthias Ginter, Atubolu, Nicolas Höfler und Johan Manzambi gleich fünf ehemalige Fußballschüler. Rosenfelder, Christian Günter und Jordy Makengo wurden eingewechselt, Bruno Ogbus und Maximilian Philipp saßen auf der Bank.

Matthias Ginter nach dem verlorenen Europa-League-Finale gegen Aston Villa am 20. Mai 2026 in Istanbul. Mit ihm standen zehn Eigengewächse der Freiburger Fußballschule im Aufgebot. (Maja Hitij / Getty Images Europe via Getty Images)
Um die Jahrtausendwende war Freiburg unter Volker Finke noch ein Wackelkandidat zwischen erster und zweiter Liga. Trotzdem steckte der Verein unter Manager Andreas Rettig rund 20 Millionen Mark in den Bau der Fußballschule, bei einem Jahresumsatz von geschätzt 45 bis 50 Millionen Mark. Jochen Saier, heute Sportvorstand und von 2003 bis 2013 Leiter der Fußballschule, spricht von einem „außerordentlichen Commitment zum Motto ‚Steine statt Beine‘, in einer Zeit, in der nicht wenige nach teuren Neuzugängen riefen“. Finke habe den Schritt vorangetrieben, „obwohl klar war, dass es Jahre dauern könnte, bis erste Früchte sichtbar sind“.
Anfang der 2000er-Jahre war Freiburg damit Vorreiter für den folgenden Boom der Nachwuchsleistungszentren. Christian Streich prägte die Fußballschule als U19-Trainer und holte 2008 die deutsche A-Jugend-Meisterschaft, unter anderem mit Oliver Baumann, Ömer Toprak und Nicolas Höfler. Laut Verein haben in 25 Jahren 73 Absolventen beim SC ihr Profidebüt gegeben oder im Profikader gestanden. Aktuell lernen rund 175 Fußballschüler dort, 16 davon im Internat.
Im Freiburger Nachwuchs dürfen die Trainer länger auf Entwicklungssprünge warten als anderswo. Rouven Tarnutzer etwa galt in der U15 und U16 nicht als herausragend, schaffte aber den Sprung zu den Profis. Auch Manzambi war nicht sofort das große Toptalent, als er im Januar 2023 mit 17 Jahren von Servette Genf kam. Er wurde Schritt für Schritt entwickelt und wechselte im Sommer für eine Sockelablöse von 63 Millionen Euro zu Aston Villa, der mit Abstand größte Verkauf der Vereinsgeschichte.
Dazu kommt enorme Kontinuität. NLZ-Leiter Andreas Steiert ist seit 2013 im Amt, Martin Schweizer seit 2016 Sportlicher Leiter der Fußballschule. Cheftrainer Julian Schuster arbeitete nach seinem Karriereende sechs Jahre lang als Verbindungstrainer zwischen Profis, U23 und Nachwuchs, ehe er 2024 Streichs Nachfolger wurde.
Typisch für Freiburg ist auch, dass der Verein Spieler bewusst ziehen lässt, sie aber nie aus den Augen verliert. Treu und Engelhardt überzeugten gemeinsam in der damaligen Drittliga-Mannschaft, galten aber noch nicht als reif für die Profis. 2023 wechselte Treu zum FC St. Pauli, Engelhardt zu Fortuna Düsseldorf. Später spielte Engelhardt noch für Como und Mönchengladbach. Für die Rückkehr zahlte der SC 5,5 Millionen Euro (Treu, 2025) und 7,5 Millionen Euro (Engelhardt, diesen Sommer), und zwar aus Überzeugung: Ohne Leihstatus entwickeln sich manche Profis freier.
Bei Baur zog Freiburg die Rückkaufklausel dagegen nicht, weil Schuster im zentralen Mittelfeld auf Engelhardt und Rihito Yamamoto setzte. Über Baurs Nominierung freut man sich im Breisgau trotzdem. Schlotterbeck, Schade und Atubolu brachten dem Verein zusammen fast 60 Millionen Euro Ablöse ein, die den Freiburger Weg mitfinanziert haben. Scherhant ist als Einziger der acht nicht in der Fußballschule ausgebildet worden. Der Berliner hat keine klassische NLZ-Laufbahn hinter sich und sich in seinem ersten Jahr unter Schuster enorm entwickelt.
Das bekannteste Produkt der Fußballschule ist Matthias Ginter. Der gebürtige Freiburger durchlief ab der U12 alle Stufen, wurde 2014 Weltmeister und kommt auf 51 Länderspiele und fast 600 Profispiele. Nach seinen Leistungen hätte auch er eine Nominierung verdient gehabt, nach einem Telefonat mit Klopp blickt er aber versöhnt auf seine DFB-Laufbahn zurück. Er steht für eine Ausbildungsstrategie, die nun auch dem deutschen Fußball aus der Krise helfen soll.
Den kompletten Kader mit allen Freiburgern gibt es in unserer Übersicht zum aktuellen DFB-Kader, alle Entwicklungen im Liveticker zu Klopps erstem Kader.















