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·20. August 2026
Zwischen klimpernden Kassen und weniger Konstanz – Der 1. FC Köln erlebt das Dilemma der Transformation zum Entwicklungsclub

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Elias Schnaubelt
20 August, 2026
Mit Jakub Kaminski gab es diesen Sommer schon einen lukrativen Verkauf für den 1. FC Köln, mit Said El Mala bahnt sich ein weiterer an. Das bringt eine Menge Geld, aber auch Nachteile mit sich.
Sportgeschäftsführer Thomas Kessler transformiert den FC zum Entwicklungsclub
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Ein jeder Verein befindet sich in einem konstanten Zwiespalt. Zum einen liegt der Fokus auf dem maximalen sportlichen Erfolg im Hier und Jetzt. Zum anderen tickt die Zeit als unaufhaltsame Kraft, niemand kann sich ihr widersetzen. Auch die besten Spieler werden alt und junge Talente müssen frühzeitig integriert werden. Es ist kein Novum, dass ein Verein diesen stetigen Umbruch zu lange aufschiebt. Nur um dann plötzlich mit einem Kader voller Teilzeit-Senioren konfrontiert zu sein.
Der 1. FC Köln hat aus der Not eine Tugend gemacht. Aufgrund der Transfersperre und des Abstiegs 2023/24 wurde man mehr oder weniger zu seinem Glück gezwungen. Junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs bildeten eine wichtige Achse im Zweitligakader. Die Rechnung ging vollends auf. Allen voran begeisterten Damion Downs und Tim Lemperle als gut harmonierendes Sturmduo, in der Defensive präsentierte sich zudem Julian Pauli. Nach dem Aufstieg folgte, was unweigerlich kommen musste: Southampton legte acht Millionen Euro auf den Tisch und verpflichtete Damion Downs. Sein kongenialer Partner Tim Lemperle schloss sich ablösefrei der TSG Hoffenheim an. Und zusätzlich wurde Max Finkgräfe ein roter Bulle. Jonas Urbig wechselte für nahezu zehn Millionen zu den Bayern. Schmerzliche Verluste auf der einen Seite, allerdings konnte man in kurzer Zeit Spieler weiterentwickeln und teilweise zu Geld machen – und der FC fand augenscheinlich Gefallen daran.
In diesem Sommer überragt der 17 Millionen Euro schwere Abgang von Jakub Kaminski. Das stellt nach nur einer Saison des Polens in Weiß und Rot einen beeindruckenden return on investment dar. Zudem will RB laut Medienberichten bis zu 60 Millionen Euro für Said El Mala offerieren (inklusive Boni), der somit nach ebenfalls nur einer Saison beim FC zum Rekordabgang avancieren würde. Das Investment in die Entwicklung von Spielern zahlt sich bislang vollends aus.
Der aktuelle Kader strotzt abermals vor talentierten Spielern. In jeder Achse der Mannschaft finden sich Akteure, bei denen nur noch auf den nächsten großen Schritt gewartet wird – Und somit auf den nächsten großen Transfer. Dabei scheint es, als entwickle sich der FC Stück für Stück zum Ausbildungsverein, den sich ein Christian Keller einst gewünscht hat. Welche Vorteile das mit sich bringt, ist schnell erfasst. Zum einen ist da die Chance auf exorbitante Ablösesummen, die jeder Verein gerne in seinen Finanzbüchern liest. Durch cleveres Agieren auf dem Markt können diese innerhalb eines kurzen Zeitraums generiert werden, was das Spekulieren auf junge Spieler umso attraktiver macht.
Zum anderen profiliert sich der 1. FC Köln mit jedem weiteren Talent auch immer mehr als interessante Adresse für eben diese Spieler. Transfers haben immer auch eine Signalwirkung inne. Realistischerweise gibt es für den FC bei dieser Riege an Spielern auch nur einen sehr begrenzten Zeitraum, in welchem man die Chance auf eine Verpflichtung hat. „Wir wollen mit dem FC eine Nische besetzen, da wir bei der Verpflichtung von Spielern in Konkurrenz zu allen anderen Clubs stehen“, erklärte Tim Steidten, Direktor Recruiting und Kaderplanung, die Transferaktivitäten. Um dieser Konkurrenz aus dem Weg zu gehen, muss man sehr früh dran sein, ansonsten sind die Talente bereits zu umworben und nicht mehr bezahlbar. Je jünger ein Spieler ist und je weniger er bisher auf der großen Bühne zeigen konnte, desto größer ist selbstverständlich aber auch das Risiko.
Als Fan ist es unbestritten auch schön, junge und aufregende Spieler im eigenen Stadion auflaufen zu sehen. In einer Art hoffnungsvollen Naivität malt man sich häufig aus, dass das umworbene Talent ja vielleicht doch noch einige Jahre beim Verein bleibt. Hier und da gibt es mal so Spieler wie einen Jonas Hector, doch das ist die Ausnahme. Bei der Verpflichtung eines Neuzugangs hört man häufig die Floskel des „perfekten nächsten Schritts“, doch nie sagt jemand: „Ich bin am Ziel angekommen. Hier will ich für viele Jahre bleiben.“ Durch die ständigen Umbrüche im Kader stellt sich auch die Frage nach der Identität. Möchte man ein Verein sein, in dem alle zwei Jahre die Hälfte des Kaders ausgetauscht wird. Oder blicken nicht viele Vereine heimlich etwas neidisch auf den SC Freiburg, wo die Konstanz im und um das Team das Wichtigste ist. Zumal der sportliche Erfolg den Breisgauern Recht gibt. Und was passiert eigentlich, wenn die nachrückende Riege an Talenten nicht die Qualität ihrer Vorgänger besitzt, gleichzeitig aber auch ein stabiles Gerüst an Routiniers fehlt?
Viele Vereine haben den Weg des Ausbildungsvereins bereits bestritten. Fakt ist aber auch: Die meisten wollen irgendwann wieder davon wegkommen. Der Wunsch nach Konstanz kehrt ab einem gewissen Punkt immer wieder ein. Nichtsdestotrotz kann es im Moment der richtige Weg für den 1. FC Köln sein, wobei man die Wichtigkeit eines funktionierenden Gerüsts an Spielern nicht außer Acht lassen sollte. Wer hoch bauen möchte, der benötigt ein stabiles Fundament, damit das Konstrukt nicht zusammenbricht.
Mehr zum Thema:>> Wird der FC unter Kessler zum Entwicklungsclub?>> Darum können die Kaminski-Millionen nicht voll ausgegeben werden







































