Analyse: Nicht zu stoppen! Wie Luis Díaz den FC Bayern besser macht | OneFootball

Analyse: Nicht zu stoppen! Wie Luis Díaz den FC Bayern besser macht | OneFootball

In partnership with

Yahoo sports
Icon: Miasanrot

Miasanrot

·9. Februar 2026

Analyse: Nicht zu stoppen! Wie Luis Díaz den FC Bayern besser macht

Artikelbild:Analyse: Nicht zu stoppen! Wie Luis Díaz den FC Bayern besser macht

Luis Díaz ist beim 5:1-Sieg gegen die TSG Hoffenheim der beste Mann auf dem Platz. Wie der Kolumbianer den FC Bayern besser macht.

Artikelbild:Analyse: Nicht zu stoppen! Wie Luis Díaz den FC Bayern besser macht

Zweimal bricht Luis Díaz gefährlich durch, zweimal gibt es kurz darauf Elfmeter. Einmal umstritten, einmal ohne Zweifel. Doch zu diesen Situationen kommt es überhaupt erst, weil der Kolumbianer so agiert, wie er eben agiert. Am Ende steht ein 5:1 gegen die TSG Hoffenheim, das deutlicher aussieht, als es lange war.


OneFootball Videos


Auch wenn der Offensivspieler im Sommer nicht der absolute Wunschspieler des FC Bayern München war, ist er mittlerweile zu einem echten Glücksfall geworden. Während der FC Liverpool den 29-Jährigen schmerzlich vermisst, hat Díaz den FCB auf ein neues Level gehievt.

Doch wie gelingt ihm das und welche Qualitäten sind besonders wichtig im System von Vincent Kompany? Miasanrot hat den Rechtsfuß analysiert.

  • FC Bayern Frauen: Traumeinstand für Edna Imade
  • Diese Probleme mit Ballbesitz muss der FC Bayern lösen
  • Zur aktuellen Podcast-Folge

Luis Díaz gegen die TSG Hoffenheim: Der Unterschied für den FC Bayern

Gegen Hoffenheim war Díaz der Spieler, der den Unterschied gemacht hat. Nicht nur mit seinen drei Toren und den beiden Elfmeterszenen. Laut den Daten von Wyscout hatte er fünf Abschlüsse, gewann vier von acht Dribblings und bereitete fünf Abschlüsse der Münchner vor. Statistisch wären 0,51 Assists erwartbar gewesen – zusätzlich zu den herausgeholten Elfmetern.

Hinzu kommen sieben progressive Läufe – also Situationen, in denen er mit dem Ball am Fuß einen bestimmten vertikalen Raumgewinn erzeugt. Je näher er am gegnerischen Tor ist, desto weniger Distanz muss er zurücklegen, damit der Lauf gewertet wird.

Wie groß sein Einfluss war, zeigt eine weitere Statistik: „Deep Completions“. Der Wert gibt an, wie viele Pässe oder Flanken ein Spieler erfolgreich in den Raum spielt, der mit einem Radius von 20 Metern zum gegnerischen Tor entfernt ist – also direkt in die Gefahrenzone. Díaz spielte fünf Pässe und eine Flanke in diesen Bereich – Bestwert aller Bayern-Spieler.

Und auch in der Arbeit gegen den Ball lieferte er wieder ab. Vier Balleroberungen verbuchte Díaz in der Hoffenheimer Hälfte und zwei Pässe fing er ab – einer davon war die Balleroberung vor dem ersten Elfmeter.

Artikelbild:Analyse: Nicht zu stoppen! Wie Luis Díaz den FC Bayern besser macht

Alle Balleroberungen von Díaz waren nah am gegnerischen Tor. (Via Wyscout)

Díaz schaltet nicht ab – und hält den FC Bayern damit regelmäßig im Spiel

Eine Szene, die zeigt, warum der Nationalspieler so wichtig für Kompany ist: Er bleibt immer und zu jeder Zeit in der Situation und schaltet nicht ab. Díaz spielt mit einer Wucht, einer Klarheit und einem Fokus, der ihn von vielen anderen Spielern unterscheidet. Zunächst erobert er den Ball selbst und läuft dann einen großen Bogen, um schließlich Harry Kane durch die Schnittstelle anzuspielen.

Statt abzuschalten, lief er direkt durch – vermutlich in Erwartung eines Doppelpasses. Doch Kane hatte Schwierigkeiten und der Ball versprang. Nur weil Díaz fokussiert bleibt, gelingt ihm die Rückeroberung und er holt den Elfmeter heraus.

Ein weiteres Beispiel aus einem anderen Spiel ist sein 1:0 gegen Paris Saint-Germain. Die Bayern erobern den Ball im Mittelfeld und schalten blitzschnell um. Díaz hat zunächst mit der Situation gar nicht viel zu tun, sieht vor sich aber einen riesigen Raum. Obwohl er weit hinter Achraf Hakimi startet, übersprintet er ihn und ist eine theoretische Anspielstation für Michael Olise. Olise schließt ab, scheitert aber und der Abpraller landet schließlich bei Díaz, der das Tor macht.

Artikelbild:Analyse: Nicht zu stoppen! Wie Luis Díaz den FC Bayern besser macht

Sein Energielevel ist neben all der anderen Qualitäten, die er hat, ein großes Plus für das sehr intensive Spiel unter Kompany.

Luis Díaz glänzt mit enormer Laufintelligenz

Doch er setzt seine Energie nicht blind ein. Díaz ist ein extrem laufintelligenter Spieler. Es sind immer wieder kleine Bewegungen, mit denen er sich Vorteile verschafft.

Artikelbild:Analyse: Nicht zu stoppen! Wie Luis Díaz den FC Bayern besser macht

Gegen Heidenheim erzielte er das 3:0 beispielsweise mit einem Richtungswechsel. Zunächst lief er gerade auf das Tor zu, dann stockte er plötzlich ab und zog nach innen. Sein Gegenspieler lief weiter in Richtung Torlinie, Díaz war frei und köpfte den Ball ins Tor.

Artikelbild:Analyse: Nicht zu stoppen! Wie Luis Díaz den FC Bayern besser macht

Das 3:1 gegen Hoffenheim erzielte er nach einem sehr wellenartigen Lauf. Díaz hat ein sehr gutes Gespür dafür, wie er in die toten Blickwinkel seiner Gegenspieler kommt. Vladimir Coufal konzentrierte sich in einer offenen Stellung unter anderem darauf, Kane im Blick zu behalten. Deshalb driftete Díaz zweimal absichtlich etwas nach außen.

Einerseits zieht er damit die Schnittstelle für Kane auf, wenn Coufal darauf reagiert. Andererseits verschafft er sich zwei, drei Meter mehr Raum, wenn der Ball in die Tiefe kommt. Und er kann das Tempo besser kontrollieren, um auf der Abseitslinie zu bleiben. Sein Abschluss ist am Ende technisch sehr fein und gut getimt.

Abteilung Attacke: Díaz spielt mit viel Zug zum Tor

Artikelbild:Analyse: Nicht zu stoppen! Wie Luis Díaz den FC Bayern besser macht

Und auch bei Seitenverlagerungen ist Díaz ein Spielertyp, der sofort für Druck sorgt. Sobald er den Ball bekommt und etwas Raum sieht, sucht er den Weg in Richtung Gegenspieler. So wie hier in Stuttgart, als ein Seitenwechsel bei ihm landet und er Tempo aufnimmt. Dabei dribbelt er diagonal nach innen, um den Verteidiger zurückweichen zu lassen und ihn unter Druck zu setzen. Wenn der Verteidiger diagonal nach hinten Verteidigen muss, ist das kognitiv schwerer als das geradlinige Mitlaufen.

Eine Stärke von Díaz ist, dass er nicht nur einen Laufweg hat, den er immer wieder abspult. Mal dribbelt er konsequent auf dem „Robben-Weg“ nach innen, mal zieht er wie hier am Verteidiger vorbei in Richtung Grundlinie und probiert es dann mit einer scharfen Flanke nach innen oder dem Pass in den Rückraum.

Im Kader hat Díaz aktuell in allen Wettbewerben die zweitmeisten erfolgreichen Angriffsaktionen pro 90 Minuten: 4,88. Olise spielt mit 7,67 in einer eigenen Liga und Jamal Musiala hat zwar 5,72, fällt mit einer zu kleinen Stichprobe von 173 Minuten aber erstmal raus. Ein Thema war bei Díaz in dieser Saison die Chancenverwertung. Im Moment gehen aber rund 21 Prozent seiner Abschlüsse ins Tor – die zweitbeste Quote im FCB-Angriff. Kane kommt auf 32 Prozent, Nicolas Jackson auf 19 Prozent, alle anderen liegen deutlich dahinter.

Etwas mehr als vier progressive Läufe pro 90 Minuten sind – erneut hinter Olise (5) – ebenfalls zweitbester Wert im Kader. Und auch bei den oben erklärten „Deep Completions“ ist Díaz nach Olise (3,4) der beste Bayern-Spieler mit relevanter Spielzeit (2,7).

Luis Díaz: Weiträumiger Angreifer

Wo Díaz ist, da ist auch Gefahr. Und das Schöne für die Bayern ist, dass er nicht nur am Flügel klebt. Wie seine durchschnittliche Heatmap in dieser Saison zeigt, bearbeitet er nahezu die komplette linke Offensivhälfte für die Münchner.

Artikelbild:Analyse: Nicht zu stoppen! Wie Luis Díaz den FC Bayern besser macht

Auch gegen Hoffenheim war er in seiner Positionierung sehr flexibel. Das liegt daran, dass er auch als Kombinationsspieler eine immense Bedeutung hat. Viel wird über Kane gesprochen, wenn er sich ins Mittelfeld fallen lässt. Aber auch Díaz nutzt die Zwischenräume in der gegnerischen Abwehrformation klug und findet dort Räume zum engmaschigen kombinieren mit seinen Mitspielern.

Artikelbild:Analyse: Nicht zu stoppen! Wie Luis Díaz den FC Bayern besser macht

Damit entlastet er das Aufbauspiel und sorgt dafür, dass sich Offensivräume für Mitspieler öffnen. Hier hätte er im simplen Dreiecksspiel zu einer brauchbaren Situation kommen können, in der mit klugem Aufdrehen Druck auf die Abwehr ausüben kann. Eine weitere Stärke des Sommerneuzugangs: Seine Vororientierung ist so gut, dass er beim Aufdrehen mit dem Rücken zu Gegenspielern meistens die richtige Entscheidung trifft.

Gegen den Ball extrem wertvoll

Díaz ist ein Komplettpaket für den FC Bayern. Er ist stark mit dem Ball, er ist stark in beiden Umschaltphasen und er ist stark gegen den Ball. Auch wenn seine Daten im Defensivbereich sich nicht wirklich von anderen Offensivspielern beim FCB abheben, merkt man sein Fehlen im Pressing enorm, wenn er mal nicht spielt.

Es sind vor allem die vielen hohen Ballgewinne, die er zuverlässig liefert. Beim 2:2 gegen Mainz 05 fehlte Díaz wegen einer Gelbsperre. Auch gegen Sporting und Arsenal fehlte er gesperrt. Während die Bayern die Partie gegen die Nullfünfer deutlich hätten gewinnen müssen, fiel vor allem gegen die Gunners auf, wie zahnlos das Pressing mitunter war.

Artikelbild:Analyse: Nicht zu stoppen! Wie Luis Díaz den FC Bayern besser macht

Fairerweise ging es da gegen das beste Team der Champions League. Trotzdem waren es nur sechs Balleroberungen im Angriffsdrittel und nur elf in der gegnerischen Hälfte. Wobei die höchste „Balleroberung“ von Leon Goretzka nicht wirklich eine war, sondern aus einem Duell bei einem Standard mit in die Statistik einfloss.

Ob es mit Díaz deutlich besser gelaufen wäre? Das lässt sich kaum beweisen. Wenn man aber sieht, wie konstant der Rechtsfuß in dieser Saison abliefert, dann ist es zumindest keine allzu steile These, dass es geholfen hätte, ihn auf dem Feld zu haben.

Díaz ist Mr. Zuverlässig

Umso besser für die Bayern, dass Díaz einen weiteren Vorteil gegenüber vielen Flügelspielern hat, die in den letzten Jahren beim FC Bayern spielten: Er ist verfügbar und fällt fast nie aus. In dieser Saison hat er bereits 2.695 Minuten für die Münchner absolviert (Wyscout rundet die Spielzeit nicht, sondern zählt die Nachspielzeiten mit, deshalb ist der Wert höher als bei anderen Anbietern).

Mit 32 Torbeteiligungen ist er schon jetzt auf bestem Wege, eine der besten Saisons aller Flügelspieler in der Geschichte des FC Bayern zu spielen. Franck Ribéry gelangen 2011/12 44 Torbeteiligungen, Arjen Robben schaffte in der Saison 2013/14 38 Scorerpunkte. In diesen Bereich könnte Díaz in seiner ersten Bayern-Saison ebenfalls direkt vorstoßen – wenn auch in einem deutlich offensiveren System. Ein System, in dem er sich extrem wohl fühlt und in dem er die Bayern auf ein neues Niveau hieven konnte.

Hier weiterlesen

Buenos Díaz: FC Bayern schickert Hoffe heim

FC Bayern Frauen in Freiburg: Eine starke rechte Seite und ein kurzer Kontrollverlust

Die Zukunft von Miasanrot: Transparenzbericht und Umfrage zur Monetarisierung unseres Projekts

Impressum des Publishers ansehen