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·8. September 2026
Großbaustelle in der Defensive des 1. FC Köln – Abreißen oder umbauen?

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Elias Schnaubelt
8 September, 2026
Am Freitagabend hagelte es schwäbische Watschen für den 1. FC Köln. Vier Gegentore waren es – und es hätten noch deutlich mehr sein können. Gnadenlos wurden die Schwachstellen im Kölner System entlarvt, bespielt und bestraft. So wirklich überraschend kam dieses Ergebnis jedoch nicht. Gegen Werder Bremen muss der FC ein anderes Gesicht zeigen.
Luka Lochoshvili beim Kopfball
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Bereits in den vergangenen Spielen konnten die Kölner ihren Kasten nicht sauber halten, obwohl einer alles dafür tat: Marvin Schwäbe hielt, was er konnte – und oft sogar noch mehr. Der gehaltene Strafstoß gegen die TSG Hoffenheim ebnete erst den Weg dafür, dass Thijs Dallinga zum Held des Spiels werden konnte. Trotzdem kassierte die Wagner-Elf gegen die Sinsheimer zwei Treffer, gegen Würzburg einen und in den beiden finalen Tests gegen Paderborn gleich sieben Gegentore. Zuletzt folgte das Defensiv-Debakel gegen den VfB, bei dem vor allem Neuzugang Luka Lochoshvili keine gute Figur abgab. Beim ersten Gegentreffer stellte sich der Georgier in den Weg von VfB-Angreifer Bilal El Khannous. Dieser schien wenig beeindruckt zu sein, tunnelte den Hünen und netzte unbedrängt ein.
Viel erbarmungsloser offenbarte allerdings Ermedin Demirovic im zweiten Durchgang das erhebliche Tempodefizit von „Locho“. Das Duell der beiden erinnerte an den legendären Sprint von Gareth Bale gegen Barcelona, als der Waliser Marc Bartra auf zehn Metern fünf abnahm. Mit dem Unterschied, dass Bale ein herausragendes Tempo besaß, während Demirovic in der abgelaufenen Saison eine Höchstgeschwindigkeit von lediglich 32,35 km/h erreichte. Damit stellt sich die entscheidende Frage: Sollte Lochoshvili ein isoliertes Laufduell an der Außenlinie führen müssen? Oder bringt ihn erst ein unausgereiftes Spielsystem in solch ungünstige Situationen?
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Obwohl der Georgier am Freitag keinen guten Tag erwischte, bringt er viele wertvolle Qualitäten in das Kölner Spiel ein. Der Neuzugang ist ein Anführer, ein solider Aufbauspieler und vor allem ein absolutes Kopfballungeheuer. Einen solchen Verteidiger möchte man bestenfalls immer auf dem Platz haben. In der Viererkette kommen seine Schwächen jedoch vermehrt zur Geltung, weil er mehr Raum in der Spielfeldbreite verteidigen muss. Wo der 28-Jährige das nicht müsste? Als zentraler Spieler in einer Dreierkette.
Tatsächlich hat Thomas Kessler, womöglich unbewusst, einen Kader zusammengestellt, der auch das passende Personal für eine Dreierkette bietet. Neben dem gesetzten Simpson-Pusey stünden mit Joel Schmied und Rav Van den Berg zwei weitere Innenverteidiger parat. Gerade der Niederländer kam vor einem Jahr für stolze acht Millionen Euro an den Rhein und ist sicherlich nicht als dauerhafter Ersatzspieler eingeplant. Auch die beiden Außenverteidiger Gideon Mensah und Sebastian Sebulonsen könnten Kandidaten für eine solche Formation sein. Der Ghanaer fiel bislang überwiegend durch seine starke Zweikampfführung in der Defensive auf. Die Position des linken Innenverteidigers wäre ihm durchaus zuzutrauen. Sebulonsen auf der anderen Seite ist in der vergangenen Saison bereits mehrfach als rechter Innenverteidiger aufgelaufen.
Als zentraler Innenverteidiger würden die Tempodefizite von Lochoshvili weniger ins Gewicht fallen. Es ist kein Zufall, dass Mats Hummels im Herbst seiner Karriere ebenfalls von zwei athletischen Spielern flankiert wurde und somit trotz seines mangelhaften Tempos auf absolutem Weltklasse-Niveau performen konnte. Doch nicht nur aus dem Georgier könnte man in diesem System das Beste herausholen.
Zeit seiner Karriere lief Borna Sosa auf der linken Schiene zu Höchstform auf. Auch hier gilt: Das Anforderungsprofil der Position verlagert den Fokus von der Defensive auf die Offensive. Die Flankenqualität des Kroaten ist in der Bundesliga bekannt und gefürchtet. Für den VfB Stuttgart verbuchte er in 115 Spielen 35 Vorlagen und spielte sich in den Fokus. Bedenkt man zudem die Optionen im Sturmzentrum mit Ragnar Ache und Thijs Dallinga, weckt das durchaus Fantasien.
Auf der anderen Seite ist die Situation ähnlich: Alessio Castro-Montes ist ein begnadeter Techniker und Flankengeber – mit Defiziten in der Defensive. Der Belgier würde ebenso profitieren wie Jan Thielmann, der ebenfalls von dem hybriden Anforderungsprofil der Schiene profitieren könnte. Sebulonsen könnte diese Position ebenfalls bekleiden.
Es wäre sehr verwunderlich, wenn Thomas Kessler und René Wagner vor der Verpflichtung von Borna Sosa keinen einzigen Gedanken an eine Dreierkette gehabt hätten. Im besten Fall kompensiert der FC damit die eigenen Schwächen in der Abwehr, während sich mit elitären Flankenspezialisten eine neue Dimension im Offensivspiel ergibt. Mikey Moore und Said El Mala müssten unter der Formation ebenfalls nicht leiden. Beide könnten die Halbräume hinter der Sturmspitze besetzen und sich flexibel auf dem Feld bewegen. Ein spannendes Gedankenspiel, das vielleicht schon bald auf dem Rasen Realität werden könnte.
Im Kölner Kader stehen aktuell fünf klassische Innenverteidiger. Neben den einsatzbereiten Joel Schmied, Rav Van den Berg, Luka Lochoshvili und Jahmai Simpson-Pusey kommt der aktuell verletzte Timo Hübers im Saisonverlauf zurück.
Mikey Moore läuft in Köln wie schon bei Tottenham und Glasgow mit der 47 auf. Sosa trägt die drei auf dem Rücken.
Die Beförderung von Wagner zum Cheftrainer erfolgte am 22. Mai 2026. Zuvor war er einer der Co-Trainer von Lukas Kwasniok beim FC.
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