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·5. Oktober 2026
Pavlovic-Hype: Warum der Kimmich-Vergleich hinkt

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·5. Oktober 2026

Zwei Spiele mit Joshua Kimmich: ein Punkt, ein Tor, zwei Gegentore. Zwei Spiele mit Aleksandar Pavlovic: vier Punkte, zwei Tore, null Gegentore. Fußball-Deutschland hat sein Urteil schnell gefunden.
Zu schnell. Die Frage, ob der Kapitän unter Jürgen Klopp überhaupt noch gebraucht wird, stützt sich auf einen Vergleich, den es so nie gegeben hat – und lenkt nebenbei vom eigentlichen Problem dieser Länderspielphase ab.
Fangen wir mit der Prämisse an. Pavlovic hat Kimmich nicht verdrängt. Klopp hatte für seine vier Nations-League-Spiele 44 Spieler nominiert und auf zwei Kader verteilt – Kimmich gehörte zum ersten, Pavlovic zum zweiten. Der Kapitän wollte bleiben, fragte mehrfach nach und reiste trotzdem planmäßig ab.
Ein direktes Duell um denselben Platz in derselben Woche? Gab es nicht. Stattdessen zwei Versuchsanordnungen mit sehr unterschiedlichen Vorzeichen:
Wer daraus eine Rangfolge ableitet, liest Tabellen statt Spiele.
Trotzdem: Was Pavlovic geliefert hat, fällt nicht vom Himmel. Gegen Serbien bildete er mit Tom Bischof und Wirtz ein Dreieck, aus dem das 1:0 direkt entstand – Kombination des Trios, Bischof trifft mit Hilfe des Pfostens. In Thessaloniki stand er als einziger Sechser vor der Abwehr, räumte ab, verteilte und hielt das Gegenpressing zusammen. Bälle nach Fehlpässen waren oft binnen Sekunden zurückerobert.
Die Zahlen aus dem Toumba-Stadion: 76 Prozent Ballbesitz, 13:1 Torschüsse, 23:2 Strafraumaktionen. Genau diese Statik braucht Klopps Spiel – und genau sie fehlte in Augsburg.
Klopp hat das registriert. Vor dem Rückspiel scherzte er auf der Pressekonferenz, Pavlovic „kann sich nicht mehr aus der Mannschaft rausquatschen“ (BR24). Schüchtern ist anders.
Ein Haken bleibt: Im letzten Drittel war der 22-Jährige Verwalter, kein Vollstrecker. Seinen einzigen Chipball in Kimmich-Manier in den Strafraum brachte er nicht an den Mann. Wer den Kapitän ersetzen will, muss irgendwann auch dessen Vorlagen ersetzen.

Foto: Getty Images
Schönreden muss man Kimmichs Woche nicht. In Augsburg leistete er sich von Beginn an Ungenauigkeiten, sein Ballverlust in der 67. Minute führte zur Großchance von Fotis Ioannidis. Sieben Minuten später fälschte er den Schuss von Dimitrios Kourbelis zum 0:1 ab, während Nebenmann Felix Nmecha nicht in den Zweikampf kam. Die Absicherung, die Pavlovic später lieferte, fehlte dem Duo komplett.
Ein Nackenschlag für einen 116-maligen Nationalspieler, keine Frage. Aber eben auch nur ein Ausschnitt. Beim FC Bayern dirigiert Kimmich weiter das Mittelfeld einer der stärksten Mannschaften Europas, und selbst im missratenen Augsburg-Spiel zwang sein direkter Freistoß in der 53. Minute Griechen-Keeper Konstantinos Tzolakis zu einer Glanzparade. Der ruhende Ball ist bislang Kimmichs Revier, nicht Pavlovics.
Lesetipp: Klopps Auftakt: Schon Alarmstufe Rot?
Dass aus zwei schwachen Spielen eine Grundsatzdebatte wurde, hat Klopp selbst befeuert. Über Kimmichs wiederholte Bitte, bleiben zu dürfen, sagte er vor dem Serbien-Spiel öffentlich: „Je öfter man fragt, desto weniger wahrscheinlich bekommt man das, was man will.“ Dazu der Spruch, bei Familie Kimmich sei jetzt eben Urlaub angesagt – wie SPOX die Gratwanderung des Bundestrainers nachzeichnet.
Kurz darauf versicherte er, die Abreise sei überhaupt nicht gegen den Kapitän gerichtet gewesen. Nach dem Serbien-Sieg witterte er hinter jeder Mittelfeld-Frage eine Kimmich-Geschichte, zwei Tage später erklärte er, bei dem Thema aufzugeben. Ein klares Bekenntnis ließ er sich dabei nicht entlocken – nur den Hinweis, dass auch in der Nationalmannschaft nicht spielt, wer nicht in Form ist.
Ob Kalkül oder Kommunikationspanne: Klopp könnte die Debatte mit einem einzigen Satz beenden. Er tut es nicht.
Und während alle auf die Sechs starren, brennt es woanders. 74 Torschüsse in vier Spielen, drei Tore, alle von Mittelfeldspielern – so die Bilanz nach SPOX-Zählung. Drei! Kai Havertz musste nach dem Niederlande-Spiel verletzt abreisen, Younes Ebnoutalib, Nick Woltemade und Jonathan Burkardt blieben ohne Treffer. Burkardts sauberes Stürmertor in Thessaloniki nahm der VAR wegen eines Handspiels von Bischof in der Entstehung zurück.
Mit Kimmich: ein Tor in zwei Spielen. Mit Pavlovic: zwei, davon beide gegen Serbien. Als Fieberthermometer für Deutschlands Torflaute taugt der Sechser schlicht nicht.
Das Muster dieser zwei Wochen ist eindeutig: Wer nur eine Woche Bühne bekommt, wird an der Kulisse gemessen – an Gegnern, Nebenleuten, Trainingstagen. Kimmich erwischte die schwierigere Woche, Pavlovic die dankbarere. Beide haben gespielt, wie es ihre Form und ihr Umfeld hergaben.
Ich halte die Debatte deshalb für verfrüht, aber nicht für falsch. Im November will Klopp seinen Kader wieder verkleinern, am 13. November in Serbien und drei Tage später gegen die Niederlande dürften Kimmich und Pavlovic erstmals unter ihm in derselben Kabine sitzen. Drei Punkte Rückstand auf Platz zwei lassen dann keine Castings mehr zu.
Kimmich kippt nicht. Aber seinen Platz muss er sich zurückholen – gegen einen 22-Jährigen, der ihm zwei Spiele lang keinen Grund geliefert hat, ihn freiwillig herzugeben.







































